Lohr

Glosse Bayerstürmer: Lohrer Fake News

Die gegenwärtige Lage nutzt der Bayerstürmer in seiner Wochenkolumne, um mit zwei falschen Nachrichten aufzuräumen – einer uralten und einer ziemlich aktuellen.
Nicht alle  Bäume schlagen erst im Mai aus: Frühlingsanfang am Bayersturm in Lohr
Nicht alle Bäume schlagen erst im Mai aus: Frühlingsanfang am Bayersturm in Lohr Foto: Roland Pleier

Es ist an der Zeit, mal mit ein paar Vorurteilen aufzuräumen. Naja, heute sagt man gerne Fake News dazu. Dass es die schon immer gegeben hat, mach ich mal an einem Beispiel fest. Ihr kennt doch alle das Lied "Der Mai ist gekommen", gedichtet von einem gewissen Emanuel Geibel 1841, ein Jahr später vertont von einem nicht minder Unbekannter namens Justus Wilhelm Lyra nach einer alten Volksweise. 

Soweit, so gut. Doch wie geht's weiter? "... alle Bäume schlagen aus ..." Merkt ihr was? Nein? Ich schon! Stimmt nämlich nicht. Als ich dieser Tage meinen Spaziergang gemacht hab', bin ich nahezu ständig geschlagen worden: Schier über Nacht haben da jetzt schon, im März, reihenweise Bäume ausgeschlagen. Gut, dass es da auch Nachzügler gibt, dass Eichen und Buchen sich Zeit lassen – geschenkt. Aber "alle", das stimmt schon mal nicht – auch wenn das jetzt schon fast 180 Jahre so behauptet wird.

Sind wirklich alle verrückt?

Beispiel Nummer zwei: Am Montagabend hab ich meinen Wocheneinkauf gemacht im Lebensmittelmarkt meines Vertrauens. Kommt grad eine eine Frau aus meiner Nachbarschaft heraus und schüttelt den Kopf: "Jetzt spielen alle verrückt!" Ohne groß nachzudenken, hab ich spontan eine alte Bayerstürmer-Weisheit ausgepackt. "Nicht alle", hab' ich beschwichtigt, "- nur manche".

Erst als ich dann drinnen war, wurd' mir klar, was sie eigentlich gemeint hat: Einige Regale – längst nicht alle, waren fast leer. Kaum noch Brot und Tiefkühlware, kaum noch Reis und Mais. Und ja – Ihr ahnt es schon: tatsächlich keine einzige Rolle, kein einziges Blatt Klopapier mehr an gewohnter Stelle. Ich erspar Euch jetzt weitere Aufzählungen, denn es ist müßig. Selbst in unserem beschaulichen, gut versorgten Städtle wurde gehamstert, was nur ging. 

Die Hamster kommen vormittags

Jetzt hab ich auch den Kopf geschüttelt. Aber anstecken lassen hab ich mich nicht, mich stattdessen zwischen den vollen Paletten in den Gängen durchgedrückt bis zur Kasse. "Ein Lieferengpass?" Jetzt schüttelte die Frau an der Kasse den Kopf. "Nein", sagte sie. "Aber heut früh muss hier die Hölle los gewesen sein." Ein Häuflein Hamster am Morgen hat also dafür gesorgt, dass alle, die hinterher kamen, den Eindruck haben mussten, "alle" seien verrückt. Ich kann Euch nur sagen: Fake News. Zumindest unter all denen, die mit mir abends eingekauft haben, war kein einziger Hamster!  

Gut, Quarantäne ist gewöhnungsbedürftig. Wer wüsste das besser als Euer Bayer, der ich oben in meinem Turm auch weitgehend isoliert bin und quasi in Dauer-Quarantäne lebe. Aber ich hab ja auch noch meinen Garten draußen vor dem Tor. Da bin ich Mensch, da kann ich's sein, auch bin ich dort nie ganz allein, da in bester Gesellschaft von Sechs- und  Achtbeinern, Zwei- und Vierflüglern, beschallt von liebestollen Vöglein und in frischer Luft. Ich hoffe, auch Ihr habt so ein kleines Paradies. Dass der Wink aus der Entfernung den Handschlag ersetzen muss, damit kann ich eine Zeitlang leben. 

Nehmt es so leicht und gelassen wie ich, das wünscht Euch Euer Bayerstürmer

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