Lohr

Glosse Bayerstürmer: Pfui! Lohrer Schmuddelecken

In seiner Wochenendkolumne deckt der Bayerstürmer nicht nur Missstände auf. Er erklärt auch, warum Lohrer heuer an Heilig Abend ihre Straßen kehren müssen.
Die Schmuddelecke am Hintereingang eines Geldinstituts in der Lohrer Fischergasse. 
Die Schmuddelecke am Hintereingang eines Geldinstituts in der Lohrer Fischergasse.  Foto: Roland Pleier

Kennt Ihr doch, oder? Goethe: "Die Geister die ich rief ...". So wie der Zauberlehrling könnten sich dieser Tage einige Fischgässler fühlen. Haben meine Nachbarn doch mit großem Einsatz für viel Aufmerksamkeit gesorgt bei ihrem Kampf fürs historische Pflaster.

Fischergasse Lohr: Laterne mit verfallendem Haus
Fischergasse Lohr: Laterne mit verfallendem Haus Foto: Roland Pleier

Das lenkt den Blick natürlich auch auf andere Umstände in diesem so malerischen Winkel. Nein, ich red' jetzt nicht von den paar heruntergekommenen Häusern dort. Ich mein' die Schmuddelecke hinter dem dortigen Geldinstitut. Weil der Hintereingang nicht mehr benutzt wird, sammeln sich dort Papier und Plastikabfälle zuhauf. Der ein oder andere braune Fleck sieht nicht so aus, als hätten ihn Ratten hinterlassen. Der abgestellte Motorroller hat schon Grünspan angesetzt. Fürwahr, kein schöner Anblick. 

Der Reiz des Morbiden

Trägt allerdings durchaus zum Reiz des Morbiden bei, das mit zum romantischen Touch dieses Viertels gehört. Nun, lassen wir die Kirche mal im Dorf. Solche Winkel gibt's vielerorts. Dabei ist dem leichterdings abzuhelfen. Ich bemühe nochmal zwei Verszeilen aus der zauberhaften Ballade des Zauberlehrlings: "In die Ecke, Besen, Besen!"

Apropos Besen: Einen solchen zu benutzen vor seinem Anwesen, ist jeder Bürger dieser Stadt ja verpflichtet. Jeder muss jeden Samstag vor seiner eigenen Haustür fegen. Das ist Vorschrift! 

Habt Ihr noch gar nicht gewusst? Na, dann schaut Euch mal auf der Homepage der Stadt Lohr um. Sage und schreibe 54 Satzungen sind dort aufgelistet, die der Stadtwerke und der Stadthalle mitgezählt. Gut, 18 davon betreffen das Bauwesen. Aber sechs finden sich auch unter der Rubrik "Recht, Sicherheit und Ordnung". Und Ordnung muss bekanntlich sein, das saugen Schnüdel wie Mopper schon mit der Muttermilch ein.

Warum wir an heuer Heiligabend die Straße kehren müssen

Zur Ordnung beitragen soll also die "Verordnung über die Reinhaltung und Reinigung der öffentlichen Straßen und die Sicherung der Gehbahnen im Winter". Da steht im Paragraf 5 klipp und klar, wo und was Anlieger zu tun haben, nämlich – unter anderem – "jeden Samstag kehren sowie den Kehricht, Schlamm und sonstigen Unrat entfernen". Sollte der Reinigungstag ein Feiertag sein, sind "die genannten Arbeiten am vorausgehenden Werktag" durchzuführen. Verdammt, das trifft uns heuer sogar dreimal: an Mariä Himmelfahrt, am Tag der Deutschen Einheit und am Zweiten Weihnachtsfeiertag. Müssen wir also am Heiligabend schon Straße kehren!

Nun, mit diesem wesentlichen Bestandteil städtischer Kultur hat sich der Stadtrat zuletzt 2001 befasst. Wer weiß schon, ob nicht einer der Neulinge auf die Idee kommt, sich dieses Werk noch einem vorzuknöpfen. Schließlich ist nicht auszuschließen, dass die Wähler den Ratssaal nächste Woche mal kräftig auskehren.

Weiter wie bisher?

Mitarbeiter des Bauhofs Lohr entleeren täglich die städtischen Mülleimer. Darunter befindet sich mitunter auch Abfall von Gewerbetreibenden.
Mitarbeiter des Bauhofs Lohr entleeren täglich die städtischen Mülleimer. Darunter befindet sich mitunter auch Abfall von Gewerbetreibenden. Foto: Roland Pleier

Vielleicht lassen sie es aber auch einfach so weiterlaufen wie bisher. Kontrolliert wird das Kehrgebot ja noch seltener als das Parkverbot in der Fischergasse. Und dass ein Gewerbetreibender seinen Verpackungsmüll einfach in einem öffentlichen Abfalleimer am Marktplatz entsorgt, das juckt anscheinend auch nur die fleißigen Stadtreiniger ...

"Kopf hoch, auch wenn der Hals dreckig ist", hat ein alter Muschelgässler immer gesagt. Das wünsch ich Euch auch für dieses Wochenende. Und noch was: "Nach dem Klo und vor dem Essen Händewaschen nicht vergessen!" Euer Bayerstürmer

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