Karlstadt

Glosse: Die Corona-Rettung naht – nur noch bisschen einhalten

Stylischer Mundschutz, stylische Testanlage und Online-Handel: Main-Spessart ist in der Virusbekämpfung ganz vorne dran.
Es muss nicht immer Dirndl sein: Mundmaske in Trachtenoptik.
Es muss nicht immer Dirndl sein: Mundmaske in Trachtenoptik. Foto: Trachten Benkert

Epidemiologen, Virologen, Mediziner, Forscher – die klügsten Köpfe auf der ganzen Welt befassen sich gerade mit der Eindämmung und Bekämpfung des Coronovirus. Die Lösung kommt, wie so oft, aus Main-Spessart. Mit Impfstoffen, Medikamenten, Isolation und allen möglichen Prozeduren versuchen Experten der Verbreitung von CoVid19 Einhalt zu gebieten, aber aus Thüngen kommt die rettende Idee. 

Der dort ansässige Modehersteller kam auf den genialischen Gedanken, dem Virus mit einem Mundschutz in Trachtenoptik zu begegnen. Das aus Wuhan in China stammende Virus ist von Natur aus mit dem Phänomen stark frequentierter Karaoke-Bars vertraut, deshalb hatte es keine Probleme, beim Aprés-Ski in Ischgl zu gedeihen und sich beim Karneval am Rhein zu verbreiten. Schlechte Musik und dicht gedrängt stehende Menschen gehören zum natürlichen Habitat des Virus. Was aber weiß es mit Wäldern, Schnee, Tannenbäumen und Hirschen anzufangen? Tja, wir werden sehen. Der Mundschutz von Trachten-Benkert mit den genannten Motiven stellt das Virus vor eine neue Herausforderung. 

Drive-Through-Medizin, ein Konzept mit Zukunft 

Und die neu eingerichtete Drive-Through-Teststation in Marktheidenfeld ist ein weiterer Beweis dafür, mit welcher Raffinesse der Landkreis dem Virus entgegentritt. Wir wünschen uns, dass sich dieses Prinzip der medizinischen Versorgung längerfristig etabliert. Wie viel angenehmer wäre beispielsweise eine dentale Wurzelbehandlung, wenn der Patient im eigenen Auto sitzenbleiben könnte, mit Musikberieselung seiner Wahl, während der Zahnarzt oder die Zahnärztin auf einem Wägelchen das Besteck an die Fahrertür heranrollt und die Behandlung durchs Fenster durchführt? Und immer, wenn's wehtut, könnte sich der Patient mit einem kurzen Tippen aufs Gaspedal kurzfristig der Tortur entziehen.  

Allerdings haben Praxisräume auch den ein oder anderen Vorteil gegenüber Autos: Meistens gibt es dort Toiletten. An der Marktheidenfelder Station werden die zum Test anreisenden Personen gebeten, während der Wartezeit im Auto zu verweilen. Austreten oder Beine vertreten sind nicht vorgesehen. Einerseits logisch, es geht ja gerade darum, den Kontakt zwischen Testpersonal und Testperson einzuschränken. Andererseits könnten längere Wartezeiten (wie es sie an anderen Teststationen gibt) durchaus auch zu einem Belastungstest für die Blase werden. Es gilt, das Konzept weiter zu durchdenken.

Schnelle Lieferung, kein Beratungsgespräch

Messerscharf durchdacht ist dagegen, mit welchem Mittel sich die Einzelhändler aus Main-Spessart gegen den Shutdown wehren. Bisher war es so, dass die alle immer gegen den Online-Handel gewettert haben und betont haben, wie besonders doch das Einkaufserlebnis in schmucken Altstädten sei und wie wertvoll die Beratungsgespräche und der persönliche Kontakt. Ach, damit könne doch eine Online-Bestellung nicht im Entferntesten konkurrieren, selbst wenn der Pulli bei SieWissenSchonDotCom 20 Euro billiger ist. Nun aber, wo persönlicher Kontakt zum Zwecke von Beratungsgesprächen verpönt ist, haben Lohrer und Karlstadter Händler ihre Einstellung zu Online-Verkäufen neu evaluiert und, siehe da: Sind besser als gar keine Verkäufe.

Ehrlich gesagt, hat das Angebot MainLokalshop.de den Spott nicht verdient. Die Händler liefern persönlich aus, häufig sogar noch am Tag der Bestellung. Und weil das so gut läuft, spricht sich das herum – wahrscheinlich sollte man zurzeit eher sagen "schreibt sich das herum" – und die Bestellungen nehmen zu. Und wenn wir uns an einer Stelle exponentielles Wachstum wünschen, dann ist es beim lokalen Handel. Denn worauf wir uns besonders freuen für die Zeit nach Corona, sind  Beratungsgespräche beim Bekleidungskauf. "Eine Mundmaske mit Hirschen und Tannenbäumen drauf – steht Ihnen ganz hervorragend."

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