Gemünden

Glosse Karli Keiler: Schnapszahl für Gemünne

777 Jahre wird die Dreiflüssestadt alt. Solange die angekündigten Ritter die Pest draußen lassen und nicht noch die Zerstörung vor 75 Jahren nachgespielt wird, wird's prima.
In Gemünden werden 2020 Ritter erwartet. Foto: Josef Lamber

Dieses Jahr lässt Gemünne die Sektkorken und die Haxenknochen fliegen. Schließlich ist das Städtle vor genau 777 Jahren, im Jahre des Herrn 1243, zum ersten Mal urkundlich erwähnt worden. Ob die Gemünnemer ihre Ersterwähnung damals schon gefeiert haben (nach dem Motto: Endlich erwähnt uns auch mal jemand – juhu!), ist nicht überliefert. Im Mai soll das Schnapsjubiläum zünftig mit Belagerung, Mittelaltermarkt, Zauberern und Gauklern gefeiert werden.

Wobei die angekündigten Gaukler natürlich nichts Ungewöhnliches für die Dreiflüssestadt sind. Gefragt sein könnte aber der ebenfalls erwartete Ablass-Prediger. Der ein oder andere hat da sicher einiges, wofür er Buße tun oder einen Ablass zahlen müsste. Den einen oder anderen wird wahrscheinlich auch interessieren, wie es in Zukunft so weitergeht, weswegen auch die versprochene Wahrsagerin einen gewissen Zuspruch erfahren dürfte.

In der Stadt soll es beim Markt im Mai schon Haxen, Ochs am Spieß und Spanferkel geben, während vor den Toren der Stadt Ritter ihr Lager aufschlagen. Noch toller wird das Treiben womöglich im September, wenn die Gemünnemer an langen Rittertafeln als Edelfrauen, Burgfräulein, Rittersmänner und Knappen die Knochen hinter sich schmeißen dürfen. Der Karli sagt's mal so: Das wird alles sicher sehr fröhlich, und die Ritter sind auch willkommen, falls sie vor lauter Mittelaltergaukeley nicht auch noch die Pest wieder in Gemünne einschleppen (auch die Schweinepest wäre dem Karli nicht willkommen).

Und natürlich wird hoffentlich nicht jedes Jubiläum, das Gemünne dieses Jahr hat, nachgespielt. Denn es jährt sich im März und April zum 75. Mal die Zerstörung der Stadt. Das nachzuspielen, wäre vielleicht doch etwas makaber, wobei sich andererseits garantiert das ein oder andere ungenutzte Gebäude fände, das man zu Schauzwecken ein bisschen bombardieren könnte. Aber mit so was treibt man freilich keine Späße.

Was gern groß und mit Tamtam gefeiert werden darf, sind 70 Jahre Kirchweih- und Heimatfest. Es soll eine beeindruckende Bilderschau von den Anfängen bis heute geben und einen historischen Festumzug, was wunderbar klingt, aber hoffentlich nicht alles ist. Der Karli würde da wenigstens was im Stil von historischen Bierpreisen und Jukebox zum Jubiläum erwarten. Da wäre das Heimatfest mal so richtig voll und alle würden mitmachen beim Jubiläum.

Und der Karli ist gespannt, was sich die Feuerwehr Gemünne zum 150-jährigen Jubiläum im Juni ausdenkt. Wobei die Wehr vermutlich nicht mit einer so spendablen Stadt rechnen darf wie die Lohrer Feuerwehr beim dortigen Fest zum 150-Jährigen 2015, wo die Stadt 30 000 Euro des Festdefizits von über 40 000 Euro übernommen hat. Vielleicht haben die Gemünnemer Feuerwehrleute auch nicht vor, 117 000 Euro zu verballern. Aber ein prima Fest wird es bestimmt auch mit kleineren Weck.

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