Gemünden

Glosse Karli Keiler: Veranstaltungsfreie Zone, aber Coronabier geht immer

Thomas Schmitt aus Langenprozelten hat mit seiner Protestaktion einiges in Gang gesetzt. Jetzt wird wegen Corona alles abgesagt. Nur der Koppen hält dagegen – noch.
Zugang zu Wohnhaus in Hauptstraße in Rieneck, handyfreie Zone
Zugang zu Wohnhaus in Hauptstraße in Rieneck, handyfreie Zone Foto: Walter Konrad

Dass auch ein kleiner Lokalpolitiker mit einer Protestaktion viel erreichen kann, hat diese Woche der Schmitts Thomas aus Proazelle gezeigt. Aus Protest gegen den Umgang mit dem Coronavirus hat er am Montag sein immerhin noch ein paar Wochen gültiges Stadtratsmandat dem Bundesinnen- und dem Bundesgesundheitsminister schwungvoll vor die Füße geworfen. Und im Gesundheits- und Pflegepolitischen Arbeitskreis der CSU, wo seine Expertise jetzt dringender Not täte denn je, will er auch nicht mehr mitmachen.

Es hat nur ein paar Stunden gedauert, da hat sich die bayerische Staatsregierung unter diesem Eindruck darauf geeinigt, Großveranstaltungen in Bayern mit mehr als 1000 Besuchern ab sofort zu untersagen. Und prompt haben beim Bundesligaspiel Gladbach gegen Köln keine Fußballfans ihren erregten Atem ausgetauscht, sondern die Fußballspieler mussten sich gegenseitig anfeuern, weil die Ränge leer blieben. An solche Bilder wird man sich gewöhnen müssen, sofern die Fußballer überhaupt noch gegeneinander spielen wollen.

Frühlingsmarkt, Vhs-Kurse und Kräutertag abgesagt

Auch auf dem Frühlingsmarkt in Gemünne sollen keine Tröpfchen ausgetauscht werden: Er ist wie so viele Veranstaltungen abgesagt. Da könne er auch gleich seinen Laden zumachen, denn viel mehr Gedränge als dort gäbe es auch auf dem Frühlingsmarkt nicht, meinte ein Ladenbesitzer zum Karli. Und die Vhs hat ihre Kurse gleich ganz abgesagt und auch Kräuter können sich Interessierte nicht auf dem Kräutertag in Hohenroth besorgen.

Tapfer gegen die Flut an abgesagten Veranstaltungen stellt sich noch der Koppen in Gemünne, der seit über 500 Jahren ein Fels in der Brandung ist. Das Derblecken auf dem Nockherberg mag dieses Jahr abgesagt worden sein, der Starkbierabend mit Derblecken im Koppen soll in einer Woche trotzdem stattfinden. Aber auch im Koppen kann man sich der Dynamik womöglich nicht ganz entziehen. Man behalte sich vor, das Derblecken ausfallen zu lassen, falls die Situation noch schlimmer wird, heißt es vom Koppen. Das will der Karli nicht hoffen, denn wenn man ein ganzes Fass Starkbier dann allein austrinken muss, gibt das einen ganz schönen Schädel.

Kommt die Jugend zur Vernunft?

Von veranstaltungsfreien Zonen kommt der Karli nach Rieneck zu einer handyfreien Zone. Die hat der Konrads Walter vor einem Wohnhaus in der Hauptstraße ausgemacht. Denn dort hat er einen Hackklotz mit einem Hammer und dem Spruch "ab hier handyfreie Zone" fotografiert. Die jungen Leute kämen offenbar langsam zur Vernunft und ließen sich nicht mehr verarschen, kommentiert der Walter sein Foto.

Das Coronavirus ("der" soll der Karli nicht schreiben) lässt auch die Schweinebacke Karli nicht los, weswegen sie noch mal darauf zurückkommen muss. Coronabier trinken die Leute im Raum Gemünne offenbar wie immer, sagen ihm die Getränkehändler. Und im Internet bietet ein Burgsinner eine Rolle Klopapier für fünf Euro feil. Sicher sind einige im Moment bereit, so viel zu zahlen, wenn es drängt. Aber auf Anfrage gibt sich der Verkäufer ein wenig zurückhaltend. Vielleicht will er doch noch eine Rolle Klopapier in der Hinterhand haben für alle Fälle. Als eiserne Reserve.

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