Gemünden

Glosse: Karli Keiler: Völlig von der Rolle

Dieses Thema geht dem Karli Keiler nicht am Sitzfleisch vorbei: Toilettenpapier zum Ruhme der Frau!
Klopapierrolle Foto: Gerhard Fischer

Der Karli Keiler muss heute ein hochsensibles Thema behandeln. Nicht, weil es um Frauen geht, und diese Wesen sprachlich niemals korrekt zu erfassen sind. Es wird vielmehr schwierig, weil es um ein Thema geht, bei dem auch der Kaiser ganz alleine ist, um es etwas verklausuliert zu formulieren.

Ein Schnäppchen aus dem Discounter

Kurz und gut: Der Karli ist kürzlich auf ein Beispiel gestoßen, wie man – offensichtlich das Gute wollend – dann doch etwas daneben trifft. In einem Discountermarkt, von dem es brutto gerechnet wahrscheinlich ein halbes Dutzend im Landkreis gibt, hat der Schwarzkittel einen Sonderposten Toilettenpapier erstanden. Die Richtung dieser Glosse ist damit vorgegeben. Wem das Thema also am Sitzfleisch vorbei geht, sollte jetzt aussteigen.

Gelegentlich toben sich auf solchen Papieren Designer mit einem offensichtlichen Karriereknick aus, um dem stillen Geschäft zum Beispiel mit stilisierten Blümchen einen gewissen Glanz zu verleihen. In unserem Fall war nicht nur ein Designer am Werk, sondern so etwas wie ein Minnesänger des vierlagigen Papiers, ein Romeo der gleichmäßigen Perforierung.

Huldigung der Frau

Man verzeihe dem Karli die Euphorie: Aber noch nie wurde der Frau an sich derart gehuldigt wie auf diesem Toilettenpapier. "Heldin des Alltags" steht auf jedem zweiten Abschnitt. Und dazu ein erbaulicher Spruch "Lass Dich nicht unterkriegen, sei frech, wild und wunderbar!", lautet die Ermunterung, die letztlich unverdient und viel zu schnell durch den Siphon flutschen muss.

In Heiterkeit versetzte den Keiler auch der Spruch "Ich müsste eigentlich den Haushalt schmeißen - fragt sich nur wie weit und wem an den Kopf". Diese direkte Ansprache der Hausfrau zeigt, dass dieses Klopapier speziell an den weiblichen Teil unter den Notdürftigen adressiert ist.

Besser als Friedrich Merz

Tja, und dann ist da noch jener Abschnitt, der Friedrich Merz weit in den Schatten stellt. Der Merkel-Intimfeind hatte ja gefordert, eine deutsche Steuererklärung müsse auf einen Bierdeckel passen, so wie es Hedgefonds-Managern wahrscheinlich jetzt schon möglich ist. Was Merz nicht wissen kann: Die umfassende Umschreibung des Wesens der Frau passt gemäß der Verkaufsstrategie auf ein Blatt Klopapier. Mit den Buchstaben "F-R-A-U" lassen sich die Worte "Fabelhaft", "Reizvoll", "Allwissend" und "Umwerfend" bilden.

Eine Sabotage-Idee

Umwerfend ist sie wirklich, die Idee, ein Lob der Frau auf Toilettenpapier zu bannen. Es müsste mindestens den German-Design-Award dafür geben. Obwohl der Karli auch Verständnis dafür hätte, wenn eine feministische Gruppierung einen Sabotageakt auf den Klopapierhersteller ausheckt. Der Karli hätte da einen Tipp: Wie wäre es, wenn der Designer auf der Toilette säße und über ein Klopapier für Männer nachdächte, und am Ende der Sitzung fehlte das Toilettenpapier im Spender . . . 

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