Gemünden

Glosse: Karli Keiler: Weihnachten, das geht gar nicht!

Der Karli Keiler bleibt zehn Tage vor der Bescherung gelassen. Bald ist mit Weihnachten, wie wir es kennen, sowieso Schluss.
Voll abgefahren, wer heute noch auf Weihnachten steht. Seit den Fridays-for-Future-Protesten ist das winterliche Ritual nur noch bedenklich.
Voll abgefahren, wer heute noch auf Weihnachten steht. Seit den Fridays-for-Future-Protesten ist das winterliche Ritual nur noch bedenklich. Foto: dpa

Noch zehn Tage, dann ist Weihnachten. Es muss in etwa mit dem Beginn der Pubertät zusammenfallen, wenn sich der Klang dieses Satzes vom Verheißungsvollen schon leicht ins Bedrohliche verschiebt. Weil: Die Verwandtschaft will, dass der Bursche mit 13 Jahren noch Weihnachtslieder vorsinge, wo er die Kohle für den neuen Zocker-Computer doch schon längst in der Tasche hatte.

Das Bedrohliche an der Vorweihnachtszeit

In der Erwachsenenwelt wiederum verschiebt sich die Ankündigung von den zehn Tagen wiederum vom Bedrohlichen ins Panikartige. Der Karli kann jetzt spekulieren, ob das daran liegt, dass die Sparfüchse unter den Weihnachtsfreunden ihren Christbaum schon Ende November beim Ramsch-Discounter erstanden haben und jetzt nur noch so viele Nadeln am Baum stecken, wie es Tage bis Heiligabend sind.

Es ist nicht der einzige Grund, weshalb die Weihnachtszeit mehr und mehr an Glanz verliert. Das soziale Klima in Deutschland wird nämlich immer kälter. Es muss auch kälter werden, damit die Erderwärmung nicht zunimmt. Die Weihnachtshäuser, wie man sie noch allenthalben sieht, fast schon erdrosselt von Lichterketten, wird es nicht mehr lange geben, wenn sich die Fridays-for-Future-Proteste in die Wohngebiete ausdehnen und sich beim Entsorger die Adventskränze stapeln, weil sie die Feinstaub-Richtlinien überschreiten.

Christbaum adé!

Vom Christbaum selbst will der Karli gar nicht erst reden. Wie viele Millionen sinnlos geschlagene Tannengehölze dürften es sein, die dem Menschen eine heile Welt vorgaukeln? Die Natur als Objekt menschlicher Habgier – wird dieser Zustand nicht hinter all den Lametta-Vorhängen sichtbar? Nun, man wird seine kulturellen Wurzeln nicht ganz einfach kappen können. Ein stellvertretender Christbaum für die Bewohner des Landkreises oder gar für ganz Unterfranken, das könnte eine Kompromissformel sein. Er könnte auf dem Kreuzberg stehen, wo die ungeliebten Glaskrüge noch einmal eingeschmolzen werden, um fürderhin als Christbaumkugeln die Bierpilger zu verzücken.

Tröstliches von Karl Valentin

Der Karli Keiler lässt sich von allen Entwicklungen nicht stressen und nimmt die weihnachtlichen Revolutionen gelassen hin mit Karl Valentins Spruch im Herzen: "Wenn die stille Zeit vorbei ist, dann wird es auch wieder ruhiger."

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