Karlstadt

Glosse Sack Zement: Autonome Telefone

Wie sollen Autos autonom fahren können, wenn heutzutage nicht mal simple Festnetztelefonie störungsfrei funktioniert?
Symbolbild Telefon.
Symbolbild Telefon. Foto: Jan-Philipp Strobel

In vollendeter Perfektion spricht die Sekretärin des Eußenheimer Bürgermeisters ihren Text: "Lieber Anrufer, hier ist die Gemeindeverwaltung Eußenheim. Bitte rufen Sie unter folgender Mobilnummer an: xxxxxxxxxxx. Unsere Telefonanlage funktioniert nämlich derzeit nicht. Sie können zwar mich hören, ich aber kann Sie nicht hören. Ich wiederhole die Nummer: xxxxxxxxxxx."

Die meisten Zeitgenossen rattern ihre Handynummer in solchem Affenzahn runter, dass keiner eine Chance hat, mitzuschreiben und der Ansagetext mindestens dreimal abgespielt werden muss. Nicht so die Eußenheimer Sekretärin. Sie buchstabiert die Wiederholung hübsch langsam und deutlich.

Da nicht nur bei der Eußenheimer Gemeindeverwaltung das Telefonieren über Festnetz immer wieder mal spinnt, drängt sich die Frage auf: Wie soll eigentlich das autonome Autofahrern funktionieren, wenn nicht einmal ein simples Telefon in der Lage ist, ordnungsgemäß seinen Dienst zu tun? Oder steckt da inzwischen künstliche Intelligenz dahinter? Erlauben sich die Telefone gelegentlich eine Auszeit, eine Sabbatwoche?

Deshalb hier ein guter Rat für 2020 und alle weiteren Jahre: Bevor ihr euch in ein autonomes Auto setzt, lasst euch lieber von der Eußenheimer Bürgermeister-Sekretärin chauffieren.  

Die Partei und die CSU

Im März entscheidet sich, wer neuer Chef der Bürgermeister-Sekretärin wird – das gilt für Eußenheim wie für Karlstadt. In der Kreisstadt hat CSU-Bewerber Michael Hombach ein Video veröffentlicht, das zeigt, wie er mit dem Fahrrad durch die Stadt fährt, Leute grüßt und hie und da mal anhält, um ein Wahlkampf-Versprechen loszuwerden. Wirtschaft fördern, bessere Radweg-Anbindung, Barrierefreiheit am Bahnhof – solche Dinge. 

"Was den großen Parteien recht ist, ist uns billig", dachte sich offenbar Janik Havla, der gerne für Die Partei auf den Bürgermeister-Stuhl möchte. Er hat ein nahezu identisches Video gedreht, radelt mit blauen Haaren durch Karlstadt, macht an denselben Stationen Halt und erzählt dieselben Dinge. Allerdings verspricht er immer etwas mehr als Hombach. Wenn der sagt, Arbeitsplätze für Junge seien ihm wichtig, sagt Havla, sie seien ihm "wichtiger". Wo Hombach sagt, er setze sich für den Stadtbus ein,  sagt Havla: "Noch besser sind zwei Stadtbusse." Eine bessere Anbindung Karlstadts ans Radwegenetz sei ihm "doppelt so wichtig wie der CSU, aber nur halb so wichtig wie den Grünen". 

Video

Der absurde Humor gipfelt im Hinweis auf den Wettbewerb "Karlstadts schönste Unterschrift", an dem man sich im Rathaus beteiligen könne. Gemeint ist, dass Havla 180 Unterschriften braucht, um überhaupt als Bürgermeisterkandidat zugelassen zu werden.

Übrigens hofft auch der Karlstadter Versicherungsberater Hans-Martin Röder, ausreichend Unterschriften für eine Bürgermeister-Kandidatur zu sammeln. Pfiffige Videos, eine Kandidaten-Website oder Informationen, was seine Ziele und Ideen sind, liegen von Röder aber bisher nicht vor. Der interessierte Bürger hat von ihm – Stand jetzt – ähnlich viel vernommen wie die Eußenheimer Bürgermeister-Sekretärin von Festnetzanrufern.

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