Karlstadt

Glosse Sack Zement: Nach welchen Kriterien die Wahl entschieden wird

Der Sack Zement gibt Tipps. Es gibt einige simple Kriterien, nach denen jeder "richtig" wählen kann.
Wo sind die Kreuzchen zu setzen? (Symbolbild)
Wo sind die Kreuzchen zu setzen? (Symbolbild) Foto: Ivo Knahn

Für viele kommt dieser Sack Zement nicht mehr rechtzeitig. Sie hatten schon längst die Wahlzettel daheim auf dem Küchentisch ausgebreitet, haben sie mit Kreuzchen verziert und bei der Gemeinde eingeworfen. Für die ist alles zu spät.

Allen anderen steht sie Wahl noch bevor. Aber was bewegt Menschen, Kandidat A die Stimme zu versagen, sie aber Kandidat B zu geben? Wir schauen mal hinter die Kulissen beziehungsweise die Sichtschutzwände.

Immerhin trauen sich bei der Kommunalwahl rund 70 Prozent des Wahlvolks zu, eine kompetente Entscheidung zu treffen. Das ist die durchschnittliche Wahlbeteiligung. Dabei kennen von diesen 70 Prozent schätzungsweise 99 Prozent den Sitzungssaal ihrer Gemeinde nur von außen. Denn in den Sitzungen von Gemeinderäten, Stadträten oder dem Kreistag herrscht auf den Zuschauerrängen in der Regel gähnende Leere. Vom Wahlvolk weiß also kaum jemand, was abgeht.

Könnte es nicht Voraussetzung sein, mindestens eine Sitzung erlebt zu haben, ehe jemand zur Wahl zugelassen wird?  Erst wer das durchgestanden hat, bekommt die Wahlbenachrichtigung – sozusagen als Fleißbildle. Und wer zwei Sitzungen besucht hat, darf doppelt wählen. Dann wären die Zuschauerränge voll. Wirklich? Vielleicht dürfte dann nur noch ein elendes Häuflein wählen. Die Stimmen wären schnell ausgezählt.

Der Wahlführerschein

Kritiker werden hervorbringen, der alleinige Besuch von Sitzungen qualifiziere doch längst noch nicht für das Urteil, wer die nächsten sechs Jahre mitregieren soll. Besser wäre ein Wahlführerschein. Ähnlich wie beim Einbürgerungstest gilt es da Fragen zu beantworten: Welcher Stadtrat stellt unter dem Tagesordnungspunkt "Kurze Anfragen, welche nicht Bestandteil der Tagesordnung sind" immer  dieselben Fragen, nur in minimal abgewandelter Form? Wer hatte in 18 Jahren Ratszugehörigkeit noch nie eine eigene Idee? Welches Ratsmitglied  plappert erst mal drauflos und denkt erst hinterher darüber nach? Keine Ahnung? Tja, kein Wahlschein für Dich.

Da den meisten also solche Grundkenntnisse fehlen, müssen anscheinend andere Kriterien herhalten: Der schaut auf den Plakaten wie mein ehemaliger Mathelehrer. Die hat aber einen komischen Namen. Und der, der hat eine hübsche Frau. Und von der der Großvater war mit meiner Tante in der Schule. Nach derartigen Kriterien wird gewählt, nach solchen Mechanismen funktioniert Demokratie.

Wer aber selbst solch entscheidende Eigenschaften der Kandidaten nicht kennt, hier ein Tipp: Wie beim Lotto vorgehen und Geburtstage in Stimmen umrechnen. Januar ist Liste eins, Februar zwei und so weiter. Datum ist gleich Listenplatz und so weiter. Klappt garantiert.                    

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