Karlstadt

Glosse Sack Zement: Was Boris Johnson mit der Karschter Krippe zu tun hat

Eine Weihnachtsgeschichte.
Die neue Karlstadter Weihnachtskrippe. Foto: Jürgen Kamm

Die Vorweihnachtszeit ist eine besondere. Der Mensch freut sich auf eine ruhige, friedvolle Zeit im Kreise der Familie, aber draußen scheint sich der Alltagswahnsinn noch zu steigern. Große und kleine Themen – Krankenhäuser und Bundesstraßen in Main-Spessart, Parlamentswahlen in Großbritannien – beschäftigen die Menschen in fern und nah. 

Während in Marktheidenfeld aus Protest gegen die Krankenhausschließung gleich eine neue Partei gegründet wird, gehen in Karscht Manfred Goldkuhle, Wolfgang Merklein und Pfarrer Simon Mayer subtiler vor und bringen ihren Protest in der Kirche zum Ausdruck – mit der neuen Karlstadter Krippe. Wie so viele Main-Spessarter Frauen muss jetzt auch die Jungfrau Maria vor der Karlstadter Stadtmauer gebären, weil der Landkreis das Krankenhaus mit Geburtshilfe dichtgemacht hat.

Dargestellt ist die Szenerie – Maria 3.0 sozusagen – in St. Andreas. Wobei es Maria dort noch einigermaßen gut geht. Sie ruht unter unter einem Zeltdach. Ihre Geschlechtsgenossinnen anno domini 2019 müssen mit der B26 in Gambach oder dem McDonald's Parkplatz Vorlieb nehmen.

Ein anderes besinnliches Thema: Die B26n und deren besonnene Abwägung in der Karlstadter Bürgerversammlung. "Ich bin dagegen", rief ein Karschter aus, "da bekomme ich in der Eußenheimer Straße gar keine Ruhe mehr." Mit Engelszungen erklärten die drei Weisen aus dem Bauamt dem rechtschaffenen Mann, dass nach dem Bau der B26n die Nächte stiller werden als bisher unter den Weihnachtsbäumen in der Eußenheimer, weil der Verkehr von ebendort auf die weiter entfernt liegende Bundesstraße transferiert wird. "Mag sein", räumte der Anwohner ein. "Aber ich bin trotzdem dagegen."

Derartig ausgefeilte argumentative Strategien sind zum Ausgang der zweiten Dekade dieses Millenniums nicht nur in Main-Spessart populär. Im angelsächsischen Raum führen sie mitunter gar zu triumphalen Wahlsiegen von Personen, die auf Anhieb keiner als "weise Männer" bezeichnen würde. Der eine ist gegen die Mitgliedschaft seines Landes in der EU, ohne dass er überzeugend erklären könnte, warum. Der andere ist gegen Frauen, Einwanderer und Klimaschutz; überzeugend erklären kann er eigentlich gar nix. Was diese Typen mit Karscht zu tun haben?

Nun, es begab sich dieser Tage, dass eine Mutter ihrem Kinde die Figuren in der Krippe von St. Andreas vorstellte. "Das ist das Jesuskind und das sind Maria und Josef", sprach sie. Ob sie denn auch die Namen der Tiere kenne, fragte das Kindlein. "Gewiss", erwiderte die Mutter sanft. Sie deutete auf Ochs und Esel und sagte: "Das ist der Donald und das ist der Boris." Ein wahrhaftiges Weihnachtsmärchen.

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