Gemünden

Grabenlos günstige Schachtsanierung in Gemünden

Erstmals in Main-Spessart lassen die Gemündener Stadtwerke marode Schächte mit dem schnellen, grabenlosen Vertiliner-Verfahren sanieren. Am Montag nutzten Interessenten die Gelegenheit, sich in der Bahnhofstraße über das relativ neuartige System zu informieren. Foto: Michael Fillies

Warum aufgraben und Rohre einsetzen oder mauern, wenn man auch auf anderem Weg schneller und billiger ans Ziel kommen kann? Gemeint ist die Sanierung von Leitungen, indem einfach ein Kunststoffschlauch eingezogen wird. Das Verfahren, mit dem das Kommunalunternehmen Stadtwerke Gemünden seit 2014 marode Kanäle instand setzen lässt, wird zurzeit und erstmals im Landkreis Main-Spessart auch für Schächte angewandt. Schlauchlining (Inlining) heißt die Methode für Kanäle (wir berichteten Anfang September), Vertiliner die patentierte Innovation für Schachtbauwerke.

Zwar ist das Vertiliner-Verfahren der gleichnamigen Firma in Plattling bereits vor fünf Jahren entwickelt worden, aber bekannt und immer stärker nachgefragt werde es erst in jüngerer Zeit, berichtete am Montag Diplom-Ingenieur Roland Hahn von der Firma Diringer & Scheidel Rohrsanierung GmbH & Co. KG (Hauptsitz in Mannheim) an der Wanderbaustelle in der Gemündener Ortsdurchfahrt. Nach dem Kanalstrang werden hier jetzt 13 Schächte auf drei verschiedene Arten saniert. Spätestens am 15. November sollen die Arbeiten in der Ortsdurchfahrt abgeschlossen sein.

Diplom-Ingenieur Roland Hahn von der Firma Diringer & Scheidel mit dem noch lichtdicht verpackten Vertiliner-Schlauch im Lastwagen.  Foto: Michael Fillies

Drei verschiedene Methoden

Zur Demonstration der Vertiliner-Produkts hatten sich neben der Führung der Stadtwerke auch potenzielle Kunden der Kanalbaufirma an der Baustelle gegenüber dem Bahnhof eingefunden. Die angewandte Sanierungsmethode richte sich nach dem Schadbild, erklärte Roland Hahn. Wo es lediglich um Ausbesserungen am Korrosionsschutz geht, reiche das Auftragen einer Mineralbetonschicht, was in Gemünden bei einem Schacht der Fall ist. Die anderen zwölf Schächte haben Risse oder andere größere Schäden und werden mit glasfaserverstärktem Kunststoff ausgekleidet – fünf von Hand und sieben im Vertiliner-Verfahren.

Beim Vertiliner wird zunächst der Schacht mit Laser-Technik genau vermessen und nach diesen Angaben im Werk ein nahtloser, noch formbarer Schlauch aus kunstharzgetränkten Glasfaserbahnen angefertigt. Er kann sich allen Schachtformen anpassen. Während beim  Schlauchlining in Kanälen der Kunststoff nach dem Aufpumpen mit Wasser durch Erhitzen über Stunden aushärtet, wird der Vertilinier-Schlauch mit Pressluft (450 Millibar) an die Schachtwände gedrückt und anschließend mit UV-Licht-Lampen (dreimal 1000 bis dreimal 3000 Watt) gehärtet. Das dauert ohne die vorbereitenden Arbeiten zwei Stunden– die Alternative wäre, den Schacht auszugraben und zu ersetzen oder von Hand auszubessern.

Der Kunststoffschlauch steckt im Kanalschacht und wird mit Druckluft an die Seitenwände gepresst. Nach dem Aushärten schneiden die Arbeiter den überstehenden Schlauch einfach ab. Foto: Michael Fillies

Schneller und billiger

Die Zeitersparnis vor allem sei der große Vorteil des Vertiliner-Verfahrens, informiert Roland Hahn. Und es komme gegenüber dem Aufgraben je nach den Gegebenheiten um 50 bis 60 Prozent billiger. Da das Kunstharz mit Licht reagiert, ähnlich der Kompositfüllung beim Zahnarzt, wird der im Werk gefertigte Schlauch in einer lichtundurchlässigen Hülle zur Baustelle geliefert. Ausgehärtet könne man das Material mit dem einer Wasserrutsche im Schwimmbad vergleichen, meint der Ingenieur. Obwohl die Wandstärke nur etwa daumendick ist, besitzt der Schlauch eine hohe Standfestigkeit und erhält die Statik des Altbauwerks. Gefragt nach der Haltbarkeit, verweist Roland Hahn darauf, dass man bei den Kunststoffschläuchen in Kanälen mittlerweile von einer 100-jährigen Haltbarkeit ausgeht.   

Seinen Angaben zufolge ist das Kanalnetz, das sich fast ausschließlich in öffentlicher Hand befindet, das größte Anlagevermögen in Deutschland. Es gebe etwa 14,7 Millionen Schächte. Der Sanierungsbedarf bei Kanälen und Schächten betrage 7,5 Milliarden Euro im Jahr, tatsächlich ausgegeben würden allerdings jährlich nur zwei bis 2,2 Milliarden Euro. Der Umsatz der Rohrsanierungssparte der Unternehmensgruppe Diringer & Scheidel habe 2018 rund 50 Millionen Euro betragen.

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