GRÄFENDORF

Gräfendorf: Zeugen finden Skelett im Tunnel

Leichenfund in Gräfendorf (Lkr. Main-Spessart) Foto: Wolfgang Schelbert

In einem Waldgebiet bei Gräfendorf (Lkr. Main-Spessart) haben sogenannte Geocacher am Dienstagabend ein menschliches Skelett gefunden. Wie die Polizei mitteilt, ist die Identität des Leichnams derzeit ebenso unklar wie die Frage, ob ein Mensch einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist.

Durch Zufall entdeckt

Gegen 21.15 Uhr meldeten sich bei der Polizei zwei Männer, die eine digitale Schnitzeljagd veranstalteten – so genannte Geocacher. Sie waren für ihr Hobby in einem Waldgebiet bei Gräfendorf zu Fuß auf der Suche nach neuen Verstecken.

Skelett gut versteckt

Etwa 300 Meter von Gräfendorf entfernt stießen sie auf einen Abwassertunnel unter der alten Reichsautobahn. Die Röhre hat etwa einen Meter Durchmesser und geht viele Meter ins Innere. Nach Informationen der Redaktion waren die zwei Zeugen in die Röhre geklettert. Zu ihrer Verwunderung stießen sie nach mehr als zehn Metern im Innern auf eine Stelle, die amateurhaft komplett mit Bauschaum verschlossen gewesen sein soll – was dort nicht üblich ist. Dort sollen sie einen blauen Anorak gefunden haben. Hinter der mit Bauschaum versiegelten Stelle soll das Skelett versteckt gewesen sein.

Schwierige Tatort-Arbeit

Zu solchen Details gibt es bisher keine offizielle Bestätigung von Seiten der Ermittler. Die Kripo Würzburg übernahm noch in der Nacht in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Würzburg die Ermittlungen. Die Tatortarbeit und die Bergung des Skeletts gestaltet sich für die Ermittler nicht einfach.

Kartenausschnitt Google Maps. Im Bereich des roten Kreises befindet sich die Fundstelle des Skeletts. Foto: Berthold Diem

Nach ersten Erkenntnissen kann „aufgrund der Auffindesituation des Skeletts“ nicht ausgeschlossen werden, dass die Person gewaltsam zu Tode gekommen ist. „Nähere Angaben können derzeit aus ermittlungstaktischen Gründen nicht gemacht werden“, sagte Pressesprecher Michael Zimmer vom Polizeipräsidium Unterfranken. Spezialisten des Bayerischen Landeskriminalamtes sind eingeschaltet worden.

Leiche lag mehrere Jahre dort

„Man kann davon ausgehen, dass der Körper mehrere Jahre dort gelegen hat“, sagte ein Polizeisprecher: „Bisher ist unklar, um wen es sich bei dem oder der Toten handelt. Derzeit werden alle Vermisstenfälle aus der Region daraufhin überprüft.“

Aus Ermittlerkreisen wurde bestätigt, dass man auch den nahe liegenden Verdacht prüft, ob es sich bei dem Opfer um eine seit 2005 vermisste Mutter von vier Kindern aus Burgsinn handeln könnte. Die Frau war in den frühen Morgenstunden des 23. November 2005 aus dem Haus gegangen. Seitdem verlor sich ihre Spur. Der Ort liegt nur etwa zehn Kilometer entfernt.

Suche nach vermisster Mutter

Der Fall war 2015 Teil unserer Serie „Ungeklärte Kriminalfälle“ aus der Region. Dort hieß es damals unter Bezug auf Angaben ihres Ehemannes: „Die 165 Zentimeter große Frau trug vermutlich eine dunkelblaue Winterjacke.“

Jeden Stein hatten Trupps von Bereitschaftspolizisten, Suchhundestaffeln und Spurensucher auf der Suche nach der Frau damals umgedreht. Polizisten durchsuchten Häuser, Höfe und Fischteiche, streiften durch die Umgebung und überflogen das Gelände mit Hubschraubern. Sie öffneten Güllegruben – vergeblich. Aufgrund der mysteriösen Umstände gingen Ermittler damals von einem Gewaltverbrechen aus.

Etwa vier Jahre später wurden im Wald bei Burgsinn Kleidungsstücke und Schuhe gefunden. Ein Mann aus dem Ort wollte gesehen haben, wie eine Frau verscharrt wurde. Doch der Ehemann identifizierte die Kleidungsstücke nicht als die seiner Frau, der Zeuge wurde von der Kripo als unglaubwürdig eingestuft.

Viele Vermisste tauchen schnell wieder auf

Täglich werden in Deutschland zwischen 150 und 250 Personen als vermisst gemeldet, 100 000 Vermisstenanzeigen registriert das Bundeskriminalamt (BKA) pro Jahr. Zwar kehrt die Hälfte der Vermissten innerhalb einer Woche nach Hause zurück, nach einem Monat sind 80 Prozent der Fälle aufgeklärt. Doch etwa 3000 Menschen bleiben auch nach einem Jahr verschwunden.

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