Lohr

"Grano de Café": Kolumbianischer Kaffee aus Lohr

Der Lohrer Michael Doerr importiert und vertreibt mit seiner Firma Grano de Café kolumbianischen Kaffee. Foto: Doerr

Ein Pfund Kaffee für 2,90 Euro? "Da muss ich lachen", sagt Gabi Doerr. "Das ist alles nur kein Kaffee." Etwas Ahnung von Kaffee hat die Lohrerin, denn zusammen mit ihrem Mann Michael und ihrem Sohn Stefan importiert sie unter dem Firmennamen "Grano de Café" (dt. Kaffeebohne) kolumbianischen Kaffee direkt von dortigen Röstereien. Von der Lindigsiedlung aus vertreiben die Doerrs übers Internet verschiedene Kaffeesorten aus Kolumbien in ganz Deutschland. Bei einer Tasse Kaffee erzählt Gabi Doerr, wie es dazu kam und warum bei ihnen das Pfund Kaffee bis zu 14,90 Euro kostet.

Mit Kaffee hatten die gelernte Industriekauffrau, deren Vater aus Ruppertshütten stammte und in Frammersbach Förster war, und ihr Mann, ein gelernter Kfz-Mechaniker aus Berlin, zunächst wenig zu tun. Wegen Sodbrennen war sie sogar schon auf Tee umgestiegen. Irgendwann lernte ihr Sohn eine Kolumbianerin kennen, mit der er heute verheiratet ist. In Kolumbien lernte er dann kolumbianischen Kaffee kennen. 2011 brachte er zwei Päckchen Kaffee mit – und den vertrug Gabi Doerr, weil er milder war als der Kaffee, denn sie sonst kannte. "Der hat nicht diese Strenge." Aber er habe ein "kraftvolles Aroma".

"Café de Colombia" in Deutschland selten

Als der Kaffee alle war, hätten sie versucht, genau diesen in Deutschland zu bekommen, erzählt Doerr. Aber den habe es hier nicht zu kaufen gegeben. Ihr Sohn Stefan, der im Marketingbereich arbeitet, habe die Idee gehabt, echten hundertprozentigen "Café de Colombia" kurzerhand selbst zu importieren. Also nahm er mit einer kolumbianischen Rösterei Kontakt auf. Die ließ sich darauf ein, nach Europa zu exportieren, und so kam es, dass die Doerrs seit 2013 mit kolumbianischem Kaffee handeln. Sohn Stefan kümmert sich um die Internetseite, seine Mutter hält den Kontakt zu Röstereien sowie Kunden und Vater Michael erledigt als Geschäftsführer das Logistische. Und wird einmal Spanisch gebraucht, erledigt das Schwiegertochter Vanessa.

Stefan Doerr (hier auf einer Kaffeeplantage im kolumbianischen Armenia) hatte die Idee, kolumbianischen Kaffee zu import... Foto: Doerr

Gabi Doerr war selbst schon zweimal in Kolumbien und ist begeistert von "diesem wunderbaren Land". In Deutschland verbinde man mit dem Land Kokainanbau, die FARC-Rebellen und Kriminalität, dabei sei die Bevölkerung "so was von herzlich und gastfreundlich". Und schön sei es: "Dort fliegen Papageien rum wie bei uns Meisen oder Spatzen." Während sie in der Hauptstadt Bogotá auf 2600 Metern die dünne Luft noch nicht merke, habe sie die auf dem über 3000 Meter hohen Hausberg Monserrate sehr wohl gespürt. "Da geht alles langsamer." Aber natürlich gebe es in der Acht-Millionen-Stadt Viertel, in die man nicht unbedingt sollte. Sie gehe in Bogotá nur mit Brustbeutel aus dem Haus.

Ihren Kaffee, sagt Gabi Doerr, beziehen sie direkt von Röstereien, die von Kleinbauern (cafeteros) beliefert werden. "Der wird für uns frisch geröstet." In Kolumbien gebe es etwa 560 000 Kaffee-Fincas, die im Schnitt nur 2,3 Hektar Anbaufläche hätten. Der Kaffee wachse, anders als etwa in Brasilien, an Hängen. Bäume wie etwa Bambusstauden spendeten den Kaffeepflanzen Schatten.

Was die Qualität von kolumbianischem Kaffee ausmacht

Die Qualität kolumbianischen Kaffees komme vor allem durch die klimatischen Bedingungen in den hoch gelegenen Anbaugebieten, die Ernte von Hand – für ein Pfund gerösteten Kaffee müssten an die 1900 reife Kaffeekirschen einzeln gepflückt werden – und die Wäsche. Getrocknet würden sie zu 99 Prozent in der Sonne. Hinzu kämen strenge Qualitätskontrollen. Die Kaffees von "Grano de Café" hätten auf der Skala der Specialty Coffee Association of America (SCAA) allesamt über 85 Punkte erreicht, was der Klassifizierung "ausgezeichnet" oder "herausragend" entspricht.

Dass für Kaffeebauern nicht viel übrig bleibe, wenn der Kaffee hier für 2,90 Euro verschleudert würde, liegt für Gabi Doerr auf der Hand. Allein die Kaffeesteuer, die der Zoll in Deutschland erhebe, betrage 2,19 Euro pro Kilo. Die großen deutschen Kaffeeröster hätten zwar auch kolumbianischen Kaffee im Angebot, aber ein Siegel für 100-prozentigen "Café de Colombia" hätten sie nicht. Bei ihren kolumbianischen Röstern sei es so, dass diese für hervorragende Qualität sogar Prämien an die Kaffeebauern zahlten.

Vor allem Stammkunden, gerne aus München oder Berlin

Ihre 300 bis 400 Kunden seien oft "Kaffeefreaks", die gerne ein paar Euro mehr zahlen und die Bohnen selbst mahlen. Sie hätten vor allem Stammkunden, viel gehe nach München oder Berlin. Viele der Kunden seien Geschäftsleute, die kolumbianischen Kaffee während ihrer Zeit in Kolumbien zu schätzen gelernt hätten. Obwohl sie ihren Kaffee übers Internet verkaufen, sei der Kundenkontakt "sehr persönlich". "Sie erhalte nette Anrufe von den Kunden." Über Plattformen wie Amazon möchten sie ihren Kaffee nicht "verschleudern". Doerr: "Man muss es mit Liebe zum Land, zum Kaffee und zu den speziellen Kunden machen." Den Kaffee verkaufen sie überwiegend in ganzen Bohnen, bei gemahlenem sei die Auswahl kleiner. Neu im Sortiment sind kompostierbare Kaffeekapseln aus Zuckerrohr und Mais.

Schwiegertochter Vanessa habe, obgleich sie Kolumbianerin ist, früher keinen Kaffee getrunken, erzählt Gabi Doerr. Durch den Handel mit Kaffee trinke sie inzwischen immerhin Capuccino.

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