MARKTHEIDENFELD

Großartiges Programm vor wenigen Zuhörern

Eigene Lieder präsentierten Silvia Kirchhof und Achim Hofmann im „Fasskeller”. Foto: Martin Harth

Besondere Qualität hat es manchmal ein wenig schwer. So könnte jedenfalls der Eindruck vom Auftritt des Chanson-Duos „Café Sehnsucht“ aus Gerolzhofen am Samstagabend im Marktheidenfelder Theater „Fasskeller“ lauten. Kaum 20 Gäste saßen vor der Bühne unter dem Hotel Anker, auf der das feine Programm „Kirchhof singt Hofmann“ geboten wurde.

Klar, es war ein Abend für den Garten und den Grill und das kulturelle Angebot in Marktheidenfeld ist dieser Tage so vielseitig, wie noch selten zuvor. Eines lässt sich jedoch auch nicht leugnen: Wenn Künstler ihr eigenes Ding auf die Bühne bringen und nicht lediglich die aus den Medien hinlänglich bekannten Hits anderer interpretieren, wird es oft eng mit dem Publikum. Eigenartigerweise ist die Neugier auf Neues offenbar nicht so verbreitet, wie durchaus Vertrautes noch einmal zu genießen. Das ist eigentlich ziemlich schade, wie sich zeigen sollte.

Ehe-Duo

Denn die Chansons, die Achim Hofmann seiner Frau Silvia Kirchhof sozusagen auf den Leib schreibt, knüpfen in moderner Form an große deutsche Bühnentraditionen an. Mit dem Charme einer Soubrette interpretieren Kirchhof und ihr Begleiter am Klavier so etwas wie den klassischen Kabarett-Song und sie knüpfen dabei ein wenig an Couplet oder den humoristischen Schlager aus den Goldenen Zwanzigern an. Nicht zu leugnen ist allerdings, dass das Duo trotz seiner Inszenierungsbemühungen mit wenigen Requisiten auf Dauer vielleicht etwas gleichförmig agierte.

Dennoch boten Kirchhof und Hofmann ihren gespannt lauschenden Gästen etwas wirklich selten Gewordenes, nämlich intelligente, humorvolle Unterhaltung, fern vom maßlosen, überzogenen, vulgären Klamauk unserer „Comedy“-Zeit. Da wurden die Spitzen trefflich mit dem Florett gesetzt und nicht der Tabubruch um seiner selbst willen in Szene gesetzt. Die Atmosphäre war anregend, durchaus auch einmal ein wenig sinnlich, aber stets oberhalb der Gürtellinie und immer mit satirischem Augenaufschlag.

Sehr professioneller Auftritt

In der beinahe intimen Atmosphäre des Fasskellers war wirklich ein kleines Kunstwerk zu bewundern, wobei sich das Duo seine zu vermutende Enttäuschung über den geringen Zulauf an Gästen zu keinem Zeitpunkt anmerken ließ und sich Silvia Kirchhof trotz belegter Stimme mit viel Tee durch den Abend kämpfte – sehr professionell!

So sang sie vom „Business as usual“ in der Beziehung zwischen Manhattan und Betten machen, denn das Verhältnis von Mann und Frau war eine der Konstanten der satirisch-musikalischen Betrachtungen an diesem Abend. Manchmal schlich sich auch Politisches in die Lieder.

Glaubersalz von der Lufthansa

So legte eine gesungene Verschwörungstheorie nahe, dass die Lufthansa mit den Kondensstreifen ihrer Flugzeuge Glaubersalz über das Land verteilt. Das halte die Menschen am Boden ruhig und beschäftigt. Den rechtsextremen Mob würde Café Sehnsucht am liebsten auf die „Insel der Glatzen“ exportieren, damit es im Land weniger hohl zugehen möge.

Ihre Marotte, den Schalk im Nacken, wollte Kirchhof auf ihr Publikum übertragen, und ihr fränkischer Dialekt wirke erotischer als manche andere wohlklingende Chanson-Sprache. Wein und Frauen seien ohnehin sinnstiftend für unseren wundervollen Landstrich.

In Sachen Bekleidung wollte die Sängerin den Spieß am liebsten mal umdrehen, denn Männer liebten kurze Röcke und runde Formen. Dem hielt Kirchhoff ihr „Schangsong ohne Sex“ entschieden entgegen, bevor sie ihren ultimativen Traum vom Stapel ließ: als Protestantin einmal Papst in Rom werden.

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