Lohr

Große Koalition als "gescheiterte Ehe"

Im "Rückspiegel", so der Name des Programms, hat der niederbayerische Kabarettist Django Asül das Jahr 2019 vor rund 300 Besuchern in der Lohrer Stadthalle betrachtet. Foto: Thomas Josef Möhler

Der Rückzug von Uli Hoeneß beim FC Bayern als "Zäsur des Jahres" und der Görlitzer Park in Berlin als Sonderwirtschaftszone für Drogendealer: Das kann kein normaler Jahresrückblick sein. Rund 300 Besuchern in der Stadthalle hat der niederbayerische Kabarettist Django Asül mit dem Programm "Rückspiegel" einen ganz eigenen Blick auf 2019 nähergebracht.

Der außergewöhnlichen Termin dafür am Sonntag um 17 Uhr war nach den Worten von Thorsten Merz, dem Inhaber der Veranstaltungsagentur ktm events, ein Versuch, der gelungen sei. Für Familien sei er gut geeignet, "um 20 Uhr ist man wieder zu Hause". Django Asül ließ durchblicken, dass sein Jahresrückblick ein regelmäßiger Bestandteil des Lohrer Kulturkalenders werden könnte.

Der 47-Jährige ist das erste Mal in der neuen Stadthalle aufgetreten. Als er auf sie zugefahren sei, habe er sich gedacht: "Haben die ein neues Gefängnis?" Der Vergleich mit Fort Knox sei auch ganz passend. Auf jeden Fall freue er sich, dass Lohr bescheiden geblieben sei und der Versuchung widerstanden habe, protzige Architektur zu verwirklichen.

Nur ein Eigentor

Hoeneß hat nach Asüls Worten Nachkriegsdeutschland geprägt. Er sei der einzige Fußballer, der in einem Pflichtspiel den Ball aus dem Stadion herausgeschossen habe – im EM-Finale 1976. Ferner habe Hoeneß in seinem Leben nur ein Eigentor geschossen: Gegen das Finanzamt.

Zum "wundersamsten Ereignis 2019" kürte der Kabarettist die Einigung der Großen Koalition auf die Grundrente. Geschafft habe das Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Sein Satz "Die Kuh ist vom Eis" habe beim Fernsehzuschauer allerdings für Irritationen gesorgt. Denn neben ihm hätten Annegret Kramp-Karrenbauer und Malu Dreyer gestanden. "Wen meint er jetzt?", habe sich der Zuschauer gefragt.

Das Ansehen der Großen Koalition sei dadurch nicht viel besser geworden. Asül verglich sie mit einer gescheiterten Ehe, in der man aber zusammenbleibe, weil sich keiner allein eine Wohnung leisten könne. Selbst der Begriff Große Koalition sei negativ besetzt, "weil er signalisiert, dass man Lösungen anbietet". Vielleicht wäre VPSA ("Volksparteienschredderanlage") besser.

Berliner Sonderzonen

Getoppt werde die Große Koalition nur noch von der Berliner Landesregierung. Sie habe den Görlitzer Park zur Sonderwirtschaftszone für Drogendealer erklärt, um den Tourismus zu fördern. Asül schlug vor, nicht nur die Zonen für Drogenverkäufe zu markieren, sondern auch Bereiche für Autodiebstähle: Dort könnten Autofahrer ihre alten Diesel loswerden.

Die Wahl des EU-Parlaments war für den Kabarettisten "Transparenz pur". Die drei Parteienblöcke hätten ihre Spitzenkandidaten aufgestellt. "Damit hat jeder schon Monate vorher gewusst: Diese drei werden es schon einmal nicht."

Resterampe EU-Kommission

Dass Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine Deutsche als EU-Kommissionspräsidentin akzeptiert habe, liege daran, dass er Ursula von der Leyen nicht als Deutsche erkannt habe. "Wer die Bundeswehr so zurichtet, ist vom IS oder von Putin."

"Einiges bleibt beständig, anderes ändert sich", zog Asül nach rund 100 vergnüglichen Minuten als Fazit für 2019. Die EU-Kommission bleibe eine "Resterampe mit angeschlossenem Selbstbedienungsladen". Die SPD dagegen wolle die schwarze Null "durch zwei rote Nullen ersetzen".

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