Marktheidenfeld

"Große Messe": Große Leistung der Kantorei Marktheidenfeld

Beim Konzert in der Josefskirche gingen die Sängerinnen und Sänger bei Mozarts Werk zuweilen an die Grenze des Machbaren, meisterten aber alle Anforderungen mit Bravour.
Agnes Lipka (Sopran) begeisterte besonders beim 'Laudate Dominum', dem fünften Teil der 'Vesperae solennes de confessore' (Psalm 116) mit der einfühlsamen Gestaltung von Solopassagen und Chor-Oberstimme. Auch ihre Kollegen Lena Sutor-Wernich (Alt), Wolfgang Klose (Tenor) und Georg Gadker (Bass) meisterten äußerst anspruchsvolle Koloraturen und lange Melodiebögen bravourös und elegant.
Agnes Lipka (Sopran) begeisterte besonders beim "Laudate Dominum", dem fünften Teil der "Vesperae solennes de confessore" (Psalm 116) mit der einfühlsamen Gestaltung von Solopassagen und Chor-Oberstimme. Auch ihre Kollegen Lena Sutor-Wernich (Alt), Wolfgang Klose (Tenor) und Georg Gadker (Bass) meisterten äußerst anspruchsvolle Koloraturen und lange Melodiebögen bravourös und elegant. Foto: Rainer Lange

Die "Große Messe" c-moll von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791) gehört mit dem Abendgebet "Vesperae solennes de confessore" in C-Dur zu den berühmtesten und hochkarätigsten kirchenmusikalischen Kompositionen des großen Meisters. Am bekanntesten war den Zuhörern sicherlich das "Laudate Dominum" für Solosopran, Chor und Orchester.

Auf beide Werke hatte sich die Katholische Kantorei Marktheidenfeld (Leitung: Hermann Grollmann) und der Chor Cantamus Kierspe (Leitung: Frank Bisterfeld) akribisch vorbereitet. Gemeinsame Probenwochenenden und eine Aufführung in der Stadthalle Meinerzhagen am 3. November unter Leitung von Frank Bisterfeld, dem dortigen Lehrerkollegen Hermann Grollmanns, legten den Grundstein für die herausragende künstlerische und konditionelle Leistung, die Chor, Orchester und Solisten am Sonntag in der voll besetzten Josefskirche präsentierten.

Mit der Russischen Kammerphilharmonie (Einstudierung: Juri Gilbo) hatte man ein seit vielen Jahren bewährtes Orchester zur Verfügung, das neben erfahrenen Streichern mit souverän agierenden Holz- und Blechbläsern, hier vor allem drei hervorragenden Posaunisten, aufwarten konnte. Für so manchen verzwickten Choreinsatz waren sie zuverlässiger Garant für ein passgenaues Einfädeln der fugierten Stimmen.

Die Gesangssolisten waren Agnes Lipka (Sopran), Lena Sutor-Wernich (Sopran/Alt), Wolfgang Klose (Tenor) und Georg Gädker (Bass).

Zeit zum Eingewöhnen blieb dem Chor nicht 

Keine Zeit zum Eingewöhnen hatte der Chor beim "Dixit Dominus", dem ersten von sechs Teilen der "Vesperae Solennes de Confessore". Exponierte Passagen forderten vor allem den Sopran, aber dramatische Texte über Gottes Gericht verlangten wiederholte deutliche sforzato-Hervorhebungen auch von den Männerstimmen.

An die Grenze des Machbaren ging man beim "Confitebor", das sehr schnell begonnen wurde. Doch erreichte man nach einem kurzen Moment der Besinnung bei allen Beteiligten das erforderliche hohe Konzentrationsniveau, das bis zum Schluss aufrechterhalten werden konnte und keinerlei Unsicherheiten mehr zuließ. Nun stand nach harter Arbeit der Genuss auch für die Musiker im Vordergrund.

Die Katholische Kantorei Marktheidenfeld und der Chor Cantamus Kierspe gestalteten am Sonntag gemeinsam das traditionelle Jahresabschlusskonzert in der Kirche St. Josef Marktheidenfeld. Die musikalische Leitung hatte Hermann Grollmann.
Die Katholische Kantorei Marktheidenfeld und der Chor Cantamus Kierspe gestalteten am Sonntag gemeinsam das traditionelle Jahresabschlusskonzert in der Kirche St. Josef Marktheidenfeld. Die musikalische Leitung hatte Hermann Grollmann. Foto: Rainer Lange

Solistin Lipka bewies bewunderswert langen Atem

Einer der Höhepunkte der Einheit von Komposition und Interpretation war das "Laudate Dominum", das nach sanfter Orchestereinleitung von Agnes Lipka (Sopran) wunderschön dargeboten und von den Streichern gefühlvoll und elegant begleitet wurde. Einen geschmeidigeren Übergang zum Einsatz der fast hundert Sängerinnen und Sänger konnte man sich kaum vorstellen. Einen bewundernswert langen Atem bewies die Solistin, mit vorbildlichem chorischen Luftholen glänzte der große Chor. Der Lobpreis endete festlich mit Pauken und Trompeten und der Zusammenfassung: "...in saecula saeculorum. Amen".

Kyrie und Gloria gehören zu den ältesten liturgischen Elementen der Christenheit und steht am Beginn jeder Messe im musikalischen wie gottesdienstlichen Sinn. Aussergewöhnlich ausführlich hatte Mozart das Gloria gestaltet: Kontrastreich durch den Wechsel von Solostimmen und bis zu achtstimmigem Doppelchor, harmonisch unglaublich dicht und damit an die großen Werke Bachs erinnernd, ist die c-moll-Messe sicherlich ein Zeugnis turbulenter Ereignisse im Leben Mozarts.

Warum dieses, auch nach Mozarts eigener Überzeugung außergewöhnliche Werk nie vollendet, sondern nur in Teilen aufgeführt wurde, kann nur vermutet werden. Tatsache ist, dass unter den Versuchen, die vorhandenen Fragmente zu einem hörbaren Ganzen zusammenzufügen, die Arbeit des Musikwissenschaftlers und Pianisten Robert D. Levin von 2005 für viele Fachleute zu den überzeugendsten Ergebnissen gehört.

Geheimnisvoll anmutende Klangeffekte

Nach dem von Agnes Lipke wiederum faszinierend gesungenen "Et incarnatus est", auf dessen zentrale Bedeutung Dekan Hermann Becker schon zu Beginn hingewiesen hatte, folgten nahtlos die Ergänzungen durch Robert Levin, für den Zuhörer kaum erkennbar. Manche geheimnisvoll anmutenden Klangeffekte, so bei "vivos et mortuos" oder "...mortuorum" hätten sicherlich auch von Mozart sein können. Die bewegten Chorkoloraturen beim "Hosanna" wurden von den Posaunen unterstützt, eine schon zu Bachs Zeiten gängige Praxis.

Dem kunstvollen Benedictus folgte ein festliches "Agnus Dei" voller Glaubenszuversicht. Mit Trompeten, Pauken und Posaunen fassten Mozart und Levin den zeitlosen Weihnachtswunsch noch einmal zusammen: "Dona nobis pacem" (Gib uns Frieden).

Mit stehendem Applaus dankten die Zuhörer für aussergewöhnliche zwei Stunden höchster musikalischer Schaffenskraft durch Mozart und Levin, die am Sonntag in Marktheidenfeld von 150 hochmotivierten Musikerinnen und Musikern bravourös präsentiert wurde.

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