LOHR

Großübung auf dem Main: 220 Helfer bei Motorschiffbrand

Dramatische Szenen spielten sich am Samstagmorgen auf dem Main zwischen Rodenbach und Neustadt ab. Mitten im Fluss trieb ein Schiff, das lichterloh brannte. Menschen schrien um Hilfe, einige sprangen in ihrer Verzweiflung ins Wasser. Das Szenario war jedoch nicht real, sondern gestellt – und es war der Auslöser für eine mehrstündige Großübung, bei der 220 Helfer aus vielen verschiedenen Hilfsorganisationen im Einsatz waren.
Das Schiff brannte lichterloh, einige Besatzungsmitglieder wussten sich nur durch einen Sprung in den Main zu helfen. Die Feuerwehr Lohr rettet hier den ersten Verletzten.
Das Schiff brannte lichterloh, einige Besatzungsmitglieder wussten sich nur durch einen Sprung in den Main zu helfen. Die Feuerwehr Lohr rettet hier den ersten Verletzten. Foto: FOTO YVONNE VOGELTANZ

Samstagmorgen auf dem Maintalbummler an der Lohrer Mainlände. Die ersten Gitarrenriffs des Deep-Purple-Songs „Smoke on the water“ dröhnten aus den Lautsprechern. Ein passender Titel, denn „Rauch auf dem Wasser“ hatten das Technische Hilfswerk, die Lohrer Feuerwehr, das Rote Kreuz Main-Spessart und die Wasserwacht auch ihre Schiffsbrandübung genannt.

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Übung auf dem Main

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Um den etwa 30 Gästen das Übungsgeschehen aus nächster Nähe zeigen zu können, hatten sie sich etwas Besonderes ausgedacht: Denn mit dem Maintalbummler, den Detlef Faßnacht kostenlos zur Verfügung stellte, ging's ab zur Unglücksstelle.

Genug Zeit für Klaus Scheller (Rotes Kreuz), Bernd Brönner (Feuerwehr Lohr), Michael Nätscher (THW Lohr) und Joseph Geiger (Wasserwacht), ihre Organisationen und deren Aufgaben einmal vorzustellen. Heinrich Schoppmann vom Wasser- und Schifffahrtsamt Schweinfurt, das ebenso wie die Polizeiinspektion Lohr und die Wasserschutzpolizei Würzburg an der Übung beteiligt war, informierte über 10 000 Schiffe, die jährlich auf dem Main unterwegs seien und sechs bis acht Millionen Gütertonnen transportierten. Neben Massengütern seien auch Gefahrstoffe darunter, erinnerte er an die Havarie in Laudenbach im vergangenen Jahr, bei der ein Schiff in Brand geraten war, das den Gefahrstoff Toluol geladen hatte.

Passagiere sprangen von Bord

Angenommen war bei der Übung folgendes Szenario: Ein flussaufwärts fahrendes Motorschiff prallte in einer Kurve zwischen Rodenbach und Neustadt auf ein Unterwasserbauwerk. Dabei verunglückte der Schiffsführer und konnte keinen Notruf abgeben. Ein am Ufer stehender Passant meldete den Vorfall der Einsatzzentrale Würzburg per Handy. Um 10.18 Uhr schlug diese schließlich Alarm. Das Schiff selbst wurde durch die Grundberührung schwer beschädigt. Es entstand ein größeres Leck im Rumpf, durch das Wasser eintrat. Bei der Kollision wurde außerdem ein mit Reinigungsmitteln gefüllter Kanister am heißen Motor aufgerissen; die Flüssigkeit entzündete sich und das Motorschiff geriet in Brand. Ein Teil der Passagiere und Besatzungsmitglieder sprang über Bord.

Schon kurz nach der Alarmierung, die auch für die am Main liegenden Wehren Rodenbach, Pflochsbach, Wombach, Neustadt und Erlach galt, trafen die ersten Einsatzkräfte ein. Die Lohrer Feuerwehr leitete den Einsatz unter der Führung von Kommandant Joachim Mantel. Während Beamte der Polizeiinspektion Lohr den Verkehr zu Land regelten, sperrten die Wasserschutzpolizei und das Wasser- und Schifffahrtsamt den Main zumindest in der ersten Einsatzphase für die Berufsschifffahrt.

Die ersten Boote von Feuerwehr und Wasserwacht wurden zu Wasser gelassen, Personen aus dem kühlen Nass gerettet. Sämtliche Geretteten wurden an die Schnelleinsatzgruppen des BRK-Kreisverbandes an beiden Uferseiten übergeben. Dort wurden die Verletzten versorgt, registriert und bei Bedarf schließlich ins Krankenhaus gebracht. Währenddessen erfolgte durch Atemschutzgeräteträger der Erstangriff zur Brandbekämpfung auf dem Schiff. Weitere Personen wurden auf dem Schiff gefunden und an Land gebracht.

Um das Feuer unter Kontrolle zu bringen, waren ungewöhnliche Maßnahmen erforderlich: Fortan saßen Feuerwehr und Technisches Hilfswerk in einem Boot. Da die erforderliche Pumpe für das Boot der Feuerwehr zu schwer war, wurden Boote des THW mit Pumpen der Lohrer Feuerwehr beladen. Mit Wasser aus dem Main wurde der Brand schließlich gelöscht.

An dieser Stelle war die Übung sowohl für die Feuerwehren als auch für die Gäste beendet. Während sich der Maintalbummler wieder auf den Weg Richtung Lohrer Mainlände machte, ging die Arbeit für das THW und die Wasserwacht weiter. Taucher orteten mit einer Unterwasserkamera die Bruchstelle, das Schiff wurde leergepumpt und der Havarist geborgen.

Effektive Zusammenarbeit

Durchweg positiv beurteilten die Vertreter der Hilfsorganisationen anschließend die Übung. Joseph Geiger von der Wasserwacht betonte jedoch: „Im Ernstfall wird natürlich kompakter und schneller gearbeitet. Hier geht es jedoch um den Lernfaktor.“ Die Übung habe auch gezeigt, dass es Fälle gebe, bei der jede Organisation einzeln an ihre Grenzen stoße, sagte Bernd Brönner. „Die Übung hat gezeigt: Gemeinsam sind wir stark“, fügte Geiger hinzu.

Auch THW-Ortsbeauftragter Michael Nätscher fand durchweg Lob. „Es ist vorbildlich gelaufen. Nur wenn man übt und ausbildet, kann man im Ernstfall effektiv zusammenarbeiten.“ Kreisbrandinspektor Harald Merz, der die Übung als Schiedsrichter auf dem brennenden Schiff beobachtete, war ebenfalls zufrieden.

Ein ungewöhnliches Bild: Feuerwehr und THW sitzen im selben Boot.
Ein ungewöhnliches Bild: Feuerwehr und THW sitzen im selben Boot.

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