ARNSTEIN

Guter Ackerboden als Lagerfläche

Die Autobahnbrücke der A7 bei Gänheim soll neu gebaut werden. Die betroffenen Landwirte plädieren dafür, den Steinbruch im Vordergrund als Lagerfläche zu verwenden – und nicht guten Ackerboden. Eingeblockt: das Zackenschötchen am Rand der B 26.
Die Autobahnbrücke der A7 bei Gänheim soll neu gebaut werden. Die betroffenen Landwirte plädieren dafür, den Steinbruch im Vordergrund als Lagerfläche zu verwenden – und nicht guten Ackerboden. Eingeblockt: das Zackenschötchen am Rand der B 26. Foto: Karlheinz Haase, Georg Scheuring

Die Autobahnbrücke der A7 bei Gänheim wird erneuert werden. Baubeginn soll nach dem Wunsch der Straßenplaner im Herbst 2018 sein. Innerhalb von viereinhalb Jahren sollen zunächst die beiden Fahrstreifen auf der einen Seite drankommen und dann die auf der anderen. Das Projekt ist mit 50 Millionen Euro veranschlagt.

Die beiden bestehenden Brücken werden dabei samt Pfeilern abgerissen und im Taktschiebeverfahren neu errichtet. Umfangreiche Erdbewegungen sind vorgesehen – es geht um 75 000 Kubikmeter Boden. Die Lager für diese Massen waren eines der Hauptthemen beim Erörterungstermin in der Arnsteiner Stadthalle, zu dem rund 25 betroffene Einwender gekommen waren.

Georg Scheuring vom Bayerischen Bauernverband und der Jagdgenossenschaft sowie Johannes Keidel – beide sind betroffene Biolandwirte – kritisierten, dass am südlichen Brückenende beidseits der Autobahn jeweils zwei Hektar große Lager angelegt werden sollen. Auch die Baustelleneinrichtungen werden hier untergebracht. Die Äcker hier hätten die beste Bonität in der Gegend.

Nach dem Befahren mit den schweren Baumaschinen werde die Bodenstruktur selbst nach anschließenden Auflockerungen für immer geschädigt bleiben. Die natürliche Lockerung mit Regenwurmröhren und Wurzeln werde sich nie mehr in den ursprünglichen Zustand versetzen lassen.

Sie und andere Betroffene nannten als Alternative den ehemaligen Steinbruch Wecklein östlich der Autobahnbrücke. Hier könne Boden zwischengelagert werden. Doch hat sich der Steinbruch mittlerweile zum Biotop entwickelt – mit Vorkommen des Uhus und der Zauneidechse.

Steinbruch jetzt ein Biotop

Keidel berichtete, vor etwa vier Jahren sei im Zuge eines anderen Straßenbauprojekts in dem Steinbruch Boden zwischengelagert worden. Dass er jetzt Biotop sei, beweise, dass dies nicht geschadet habe. Die an der Regierung von Unterfranken für Planfeststellungsverfahren zuständige Nadine Bock, die das Gespräch moderierte, erteilte der Nutzung des Steinbruchs eine Absage. Auch wenn es nicht lange her sein sollte, dass dieser als Lager genutzt wurde, könne das nicht für das bevorstehende Vorhaben gelten.

Keidel schlug sogar vor, einen Teil des Waldes zu roden, der nach dem Bau der Brücke in den 1960er Jahren angelegt worden sei. Er verstehe die Bewertung der Flächen nicht. Wald bekomme im Zuge von Kompensationen zehn Punkte, Magerrasen sogar zwölf, fruchtbarer Acker dagegen nur zwei beziehungsweise vier, wenn er im Ökolandbau genutzt wird.

Er und Scheuring sehen das Problem global: Es werde hier Wald geschützt, statt die Flächen für den Ackerbau nutzen zu können – und in anderen Ländern holze man Urwald ab, um Lebensmittel zu erzeugen.

Ein anderes immer wieder angesprochenes Thema war das Orientalische Zackenschötchen. Es handelt sich um einen Pflanze, die als Eindringling in hiesigen Gefilden alles andere verdrängt. Sie ähnelt mit ihren gelben Blüten und den filigranen Stängeln dem Raps. Dieses Pflanzen seien bei früheren Straßenbauarbeiten in einer Saatgutmischung hier eingeschleppt worden, sagte Keidel. Er und Scheuring fordern eine Kartierung.

„Kartierung nicht zielführend“

Die Vertreter der Autobahndirektion beteuerten, sie nähmen den Hinweis ernst, aber eine Kartierung sei nicht zielführend. Der Samen laufe an Stellen wieder auf, wo das Zackenschötchen vorher gar nicht wuchs. Es sei auch „unverhältnismäßig, jede Pflanze zu kartieren“. Wo der Bestand überhand nehme, bekämpfe man ihn mit Mahd oder Heißschaum. Nadine Bock merkte an, es sei schwer nachzuweisen, wer an der Ausbreitung des Zackenschötchens wirklich schuld ist.

Drittes größeres Thema waren Regenrückhalte- und Absetzbecken. Eines soll gleich neben der Kurve der B 26 platziert werden. Georg Scheuring und Christian Vogel wiesen darauf hin, dass schon mal ein Auto in einem solchen Becken gelandet sei. Vogel schlug sogar vor, „einen Deckel draufzumachen“. Die Vertreter der Autobahndirektion sagten, das Rückhaltebecken müsse alle paar Jahre gereinigt werden. Da würde ein Deckel stören.

Vogel wollte außerdem sichergestellt wissen, dass von dort weder eine Geruchsbelästigung noch vermehrt Insekten ausgehen werden. Im Absetzbecken stehe normaleweise zwei Meter hoch das Wasser. Da sei kein Geruch zu befürchten, so die Autobahnbauer.

Erst später sechsspurig

Auf Nachfrage der Einwender versicherten die Autobahnbauer, es werde sogenannter Flüsterasphalt verwendet. Die jetzige Planung ziele auf einen wieder vierspurigen Ausbau ab. Bei einer Erweiterung auf sechs Spuren würden eigene Richtlinien gelten. Im Bundesverkehrswegeplan steht der sechsspurige Ausbau im „weiteren Bedarf mit Planungsrecht“.

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