MÜHLBACH

Hannah Arendt und der Eichmann–Prozess

Geschichtsunterricht: „Hannah Arendt“ zeigen die Burg-Lichtspiele Karlstadt-Mühlbach in ihrer Vhs-Filmauslese. Foto: Filmverleih

Leinwandporträts herausragender weiblicher Persönlichkeiten wie Rosa Luxemburg, die Schwestern Ensslin oder Hildegard von Bingen sind eine Spezialität der Regisseurin Margarethe von Trotta. Im Mittelpunkt ihres jüngsten Films „Hannah Arendt“ steht mit der deutsch-jüdischen Philosophin erneut eine unangepasste, starke Frau von großer Ausstrahlungskraft, die gegen alle Widerstände für ihre Überzeugungen eintritt.

Die Burg-Lichtspiele Mühlbach, zeigen den Streifen in ihrer Vhs-Filmauslese am Sonntag, 17. März, um 11.15 Uhr, Montag, 18., und Dienstag, 19.März, um 20 Uhr.

Die Regisseurin Margarethe von Trotta verengt ihren Blick geschickt auf vier entscheidende Jahre im Leben ihrer Titelheldin, die Zeit zwischen dem 1961 beginnenden Eichmann-Prozesses bis zur Veröffentlichung und Verteidigung ihres Buches „Eichmann in Jerusalem“ 1963. Es sind Jahre, in denen ihr Mut, ihre Eigenwilligkeit und der Glaube an ein unabhängiges Denken auf die Probe gestellt wurden.

Reise nach Jerusalem

Nach ihrer Flucht aus einem französischen Internierungslager 1940 lebt die Dozentin und Journalistin Hannah Arendt mit ihrem Mann in New York. Die Nachricht von der Festnahme Eichmanns schlägt in dem deutsch-jüdischen Emigranten-Freundeskreis der Arendts ein wie eine Bombe, und Hannah setzt alles daran, für den renommierten „New Yorker“ aus Jerusalem über den Eichmann-Prozess zu berichten.

Während der Verhandlung kommt Arendt zu der Überzeugung, dass der angeklagte Nazi-Verbrecher kein dämonisches Monster ist, weil seine geistlose Mittelmäßigkeit nicht zum abgrundtief Bösen seiner Taten passt, wofür die an Heidegger geschulte Philosophin den Begriff von der „Banalität des Bösen“ prägt.

Ihre Artikel stoßen deswegen selbst bei engsten Freunden auf heftigen Protest, weil die Wendung von der „Banalität des Bösen“ als Verharmlosung der Verbrechen missverstanden und ihre in sarkastischem Tonfall formulierte Kritik an den Vorgehensweisen jüdischer Gremien als skandalöse Verkehrung des Täter-Opfer-Verhältnisses angesehen wird.

Trotz aller Diffamierungen und Hetzkampagnen bleibt Hannah Arendt konsequent bei ihrer Haltung, kämpft und scheut keine Auseinandersetzung, denn sie will verstehen. Auch wenn das bedeutet, „dahin zu denken, wo es weh tut“.

Von Trotta hat ihren gründlich recherchierten Film überwiegend konventionell inszeniert, bietet aber auch gelungene Regieeinfälle wie zum Beispiel das mit eingeschnittenen Originalaufnahmen in Szene gesetzte Prozessgeschehen. Für die wenig aussagekräftigen Rückblenden in die 20er Jahre entschädigen die in brillanten Dialogen dargebotenen Wortgefechte und vor allen Dingen die schauspielerische Glanzleistung Barbara Sukowas, die es versteht, dem Zuschauer die Botschaft Hannah Arendts zu vermitteln: dass nämlich eigenständiges Denken das wirksamste Gegenmittel gegen das banale Böse ist. Diese Erkenntnis wird dem Publikum allerdings nicht in den Schoß gelegt. Man muss sie sich durch konzentrierte Aufmerksamkeit während des Films erarbeiten.

Der Film ist freigegeben ab sechs Jahre und dauert 113 Minuten.

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