Lohr

Hat der Brandstifter bei Retzbach schon öfter gezündelt?

Mal brennen Holzstapel, mal Strohballen, mal ein Gartenhäuschen. Brandstiftung nicht ausgeschlossen oder gar wahrscheinlich. Eine Serie? Was sagt die Polizei dazu?

Fast 100 Feuerwehrleute waren im Einsatz, als im November im "Affental" bei Retzbach 1000 Strohballen in Flammen standen. Der mutmaßliche Brandstifter wurde zwei Tage später gefasst und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.  Foto: Karlheinz Haase

War es vielleicht Brandstiftung? Diese Frage stellt sich immer dann, wenn die Experten keine Ursache für ein Feuer ausmachen können. In jüngerer Zeit gab es im Landkreis Main-Spessart einige solcher Fälle, bei denen Brandstiftung zumindest nicht ausgeschlossen wurde. In zwei Fällen ist Brandstiftung sogar wahrscheinlich, in einem Fall sicher. 

Besteht da möglicherweise ein Zusammenhang? Kann man von einer Brandserie sprechen? Diese Frage stellen sich natürlich auch die Brandermittler der Kriminalpolizei, wie aus der Antwort der Pressestelle des Polizeipräsidiums Würzburg hervorgeht.

Doch zunächst die Chronologie feuriger Ereignisse in den vergangenen 19 Monaten, von denen bislang nur eines gelöst scheint: 

Chronologie von Bränden im Landkreis Main-Spessart

Feuer am Rand des Radwegs zwischen Arnstein und Gänheim. Die Feuerwehrleute kamen nach dem Löschen am 31. Mai 2018 gerade noch rechtzeitig zur Fronleichnamsprozession.  Foto: Feuerwehr Arnstein

Fronleichnam, 31. Mai 2018, Arnstein: Frühmorgens steht zwischen Arnstein und dem Stadtteil Gänheim ein Holz- und Reisighaufen in Flammen. Brandstiftung als Ursache liegt nahe: Die Feuerwehrleute stellten fest, dass das Feuer im Inneren des Wellenhaufens entzündet worden war. Bereits zwei Monate davor hatte unweit davon am Radweg Arnstein-Gänheim eine Miete mit Strohballen gebrannt. 

In der Nacht zum 17. Juli 2019 brannte am Seeweg in Lohr dieser VW-Kleintransporter aus. Brandstiftung ist nicht ausgeschlossen. Foto: Andreas Brauns

17. Juli 2019, Lohr: Am Parkplatz Seeweg brennt in den frühen Morgenstunden ein Auto.  Für den VW-Kleintransporter und das daneben stehende Auto bedeutet dies Totalschaden. Brandstiftung nicht ausgeschlossen, meldet die Polizei. Den Gesamtschaden schätzt sie auf eine fünfstellige Euro-Summe.

Brandstiftung wahrscheinlich: Am 22. September 2019 brannte dieses Gartenhäuschen am Weinbergweg in Lohr fast zeitgleich mit einigen Ster Brennholz 300 Meter entfernt. Foto: Roland Pleier
Brandstiftung wahrscheinlich: Am 22. September 2019 brannten einige Ster Brennholz an einem Holzlagerplatz von Werk 2 der Bosch Rexroth AG – fast zeitgleich mit einem nahe gelegenen Gartenhäuschen.  Foto: Roland Pleier

Sonntagabend, 22. September 2019, Lohr: Am Weinbergweg nördlich der Wöhrde brennt ein Gartenhäuschen ab, fast zeitgleich lodern etliche Ster Holz nur 300 Meter entfernt. In diesem Fall riecht es förmlich nach Brandstiftung. Den Schaden gibt die Polizei mit 6000 Euro an.

Im "Affental" bei Retzbach brannten im November 1000 Strohballen. Der mutmaßliche Brandstifter ist gefasst. Foto: Karlheinz Haase

Mittwochabend, 27. November 2019, Retzbach: 500 Meter nordöstlich von Retzbach stehen rund 1000 Strohballen in Flammen - ein Großeinsatz für knapp 100 Feuerwehrleute von fünf Feuerwehren. Die Löscharbeiten dauernd die ganze Nacht  über an. Zwei Tage später wird ein 22-Jähriger Tatverdächtiger vorläufig festgenommen. Er gesteht die Brandstiftung. Seitdem wartet er in Untersuchungshaft auf seinen Prozess.

Kommt der 22-Jährige eventuell auch als Verursacher für andere Fälle in Frage? Mit Informationen über ihn hält sich die Kriminalpolizei "aus ermittlungstaktischen Gründen" extrem zurück. Außer seinem Alter gibt sie nur bekannt, dass er aus dem Landkreis Main-Spessart stammt. 

Wo die Kriminalpolizei keinen Zusammenhang sieht

Einen der aufgezählten Fälle schließt die Polizei weitgehend aus: "Den aktuellen Ermittlungen nach ist kein Zusammenhang zu dem Brand des Personenwagens in Lohr erkennbar", so Pressesprecher Enrico Ball auf Anfrage der Redaktion. Diese Einschätzung erscheint plausibel: Während dort ein Auto am Rand der Altstadt in Brand gesetzt wurde, brannten in den anderen Fällen jeweils Holz oder Stroh außerhalb von Ortschaften. Wer ein Auto anzündet, tut dies womöglich gezielt mit einem persönlichen Motiv. Dies scheint in den anderen Fällen nicht in Betracht zu kommen. 

Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen

Einen Zusammenhang mit den anderen Bränden bei Lohr sowie jenen zwischen Arnstein und Gänheim allerdings schließen die Ermittler laut Ball nicht aus. Dies werde von den Kriminalbeamten noch "entsprechend geprüft", die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen. Dabei scheinen die Experten weitgehend auf sich selbst gestellt zu sein, denn: "Neue Hinweise", so Ball, "sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht eingegangen." 

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