Gemünden

Heimbewohner ums Taschengeld geprellt: Bewährungsstrafe

Ein Pfleger hatte immer wieder kleine Beträge in die eigene Tasche abgezweigt, letztlich betrog er 23 Patienten um insgesamt 4950 Euro.
Das Amtsgericht in Gemünden. Foto: Michael Mahr

"Unglücklich und unschön", nannte Strafrichterin Katrin Heiduck die Unterschlagungen, für die sich ein ehemaliger Pfleger einer Pflegeeinrichtung im Landkreis vor dem Amtsgericht Gemünden verantworten musste. Zwischen Januar 2013 und Oktober 2015 betrog er 23 Heimbewohner in 163 Fällen um insgesamt 4950 Euro Taschengeld.

Auf sechs DIN A4-Seiten listete die Staatsanwaltschaft Würzburg fein säuberlich die einzelnen Beträge auf, die der 66-jährige Angeklagte in seine eigene Tasche abgezweigt hatte. Es waren jeweils kleine Summen, die er für einige Bewohner per Auszahlungsschein von der Kasse angefordert und auch selbst dort angeholt hatte. Geschickt hatte er dabei das für die Einrichtung angeordnete "Vier-Augen-Prinzip" umgangen, nach dem Anfordernde und abholende Person zwei verschiedene Personen sein müssen.

Erst als einer anderen Pflegekraft diese Ungereimtheiten aufgefallen waren, war die zusätzliche Einnahmequelle des Pflegers aufgeflogen. Er hatte sich meistens Bewohner ausgesucht, die aufgrund ihrer psychischen Erkrankung kaum in der Lage waren, die Zahlungsausgänge nachzuvollziehen. Dieser Umstand machte es der Justiz auch schwierig, die Anklage zu fertigen. Mit ein Grund für die vierjährige Vorbereitung der Hauptverhandlung. Zudem sind einige der Bewohner bereits verstorben.

Angeklagter zu umfassendem Geständnis bereit

Die lange Zeit machte es auch dem Gericht jetzt schwierig, die Beweisaufnahme zu führen. Darum regte Richterin Heiduck gleich zu Beginn der Verhandlung ein Sechs-Augen-Gespräch mit dem Verteidiger und dem Staatsanwalt über einen möglichen Deal an. Nach rund 30 Minuten stand das Ergebnis fest. Bei einem umfangreichen Geständnis des Angeklagten würde das Gericht eine Freiheitsstrafe von sechs bis zehn Monaten verhängen. Ein Angebot, das der Angeklagte gerne annahm.

Er sei ein bei den Bewohnern "sehr beliebter Pfleger" gewesen, sagte der 57-jährige Heimleiter über den Angeklagten. Er erläuterte dem Gericht die internen Vorgaben für das Abheben von Taschengeld vom Konto der Bewohner. "Hier wurde zum Teil gegen diese Regelungen verstoßen", erklärte der ermittelnde Polizeibeamte als Zeuge vor Gericht.

Beweisführung wäre schwierig und zeitintensiv gewesen

Eine Beweisführung wäre für das Gericht sehr umfangreich geworden, so der Verteidiger in seinem Plädoyer. Einige geschädigte Bewohner seien bereits gestorben, andere hätten wegen ihrer psychischen Erkrankungen zunächst psychologisch untersucht werden müssen. "Das hätte Tage dauern können", warf auch die Richterin ein. Deshalb sei auch der Deal sehr sinnvoll gewesen.

So beantragte der Verteidiger für seinen Mandanten, an der unteren Schwelle des ausgemachten Strafmaßes zu bleiben und regte eine sechsmonatige Bewährungsstrafe an. Der Staatsanwalt beantragte dagegen das Höchstmaß des Strafrahmens, nämlich zehn Monate auf Bewährung.

Keine Rückzahlung der Summe vorgesehen

Mit einer Freiheitsstrafe von acht Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, blieb Richterin Heiduck schließlich in der goldenen Mitte. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft braucht der Angeklagte die unterschlagenen 4950 Euro nicht zurückzuzahlen, da es wegen der Vielzahl an verstorbenen ehemaligen Heimbewohnern kaum noch möglich ist, mit vertretbarem Aufwand deren Erben für die Rückzahlungen zu ermitteln. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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