REGION WÜRZBURG

Hoffen auf Berlin

Als wäre die Zeit stehen geblieben: Diese Aufnahme von 2004 steht immer noch für Aktualität. In Höchberg staut sich der Verkehr aus Richtung Marktheidenfeld regelmäßig von Würzburg bis weit auf die B 8 bis Waldbüttelbrunn und noch weiter zurück, wenn es auf der A 3 Probleme gibt.... Foto: Siedler

Die Aufregung im westlichen Landkreis und im benachbarten Ländle ist groß: Während auf bayerischer und hessischer Seite am sechsspurigen Ausbau der A 3 mit Hochdruck gearbeitet wird, tritt das Land Baden-Württemberg erst einmal auf die Bremse und hat den Ausbaubeginn der sieben Kilometer langen Teilstrecke auf ihrem Terrain auf 2017 verschoben.

Das hat den Würzburger Landrat Eberhard Nuß auf die Palme gebracht: „Es ist nicht hinnehmbar, dass wegen der Weigerung der baden-württembergischen Landesregierung . . . die Bürger des Landkreises Würzburg weiterhin unverhältnismäßig belastet werden,“ heißt es in einem Schreiben, das Anfang dieser Woche an Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer ging. Zudem weist Nuß „mit hoher Dringlichkeit auf die desaströsen Auswirkungen für den Landkreis hin.“

Beim Mediengespräch beschrieb er die Praxis. Schon bei kleinsten Zwischenfällen auf der A 3 würde der Verkehr die Ausfahrt bei Wertheim verlassen und sich über eine Ausweichstrecke gen und durch Würzburg quälen, um wieder zur A oder A 7 zu gelangen (siehe Grafik).

Das Stau-Chaos treffe die Bürger – beinah schon täglich – hart. Ihre Dörfer würden durch die Blechkarawane buchstäblich geteilt, klagt Nuß, der in Uettingen wohnt und die Situation deshalb genau kennt.

Der Landrat steht mit seinem Protest nicht allein. Auch die Verantwortlichen im Main-Tauber-Kreis sind sauer. Nuß weiß Landrat Reinhard Frank und den Wertheimer Oberbürgermeister Stefan Mikulicz an seiner Seite. Darüber hinaus hat der dortige Kreistag eine Resolution verfasst, die fordert, die A 3 in diesem Bereich „zügig fertigzustellen“.

Die Planfeststellung für diesen Bereich erfolgte im Februar 2007. Das dadurch erlangte Baurecht hat genau zehn Jahre Gültigkeit – als bis 2017. Deshalb befürchtet der Wertheimer Oberbürgermeister Stefan Mikulicz, „dass wir 2017 wieder in die Röhre gucken. Mit diesem Verkehrsminister kommen wir keinen Schritt weiter.“

Unaufgeregt regierte Edgar Neumann, Sprecher des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg. Für Bundesfernstraßen-Projekte flössen jährlich 200 bis 250 Millionen Euro von der Spree an den Neckar, sagte er auf Anfrage der Redaktion. Die Maßnahmen würden in einer Prioritätenliste aufgelistet. Das erfolge „nach streng wissenschaftlichen Kriterien“, so Neumann. Es gebe keine Reihenfolge, wohl aber drei Gruppen. Der A 3-Ausbau im nördlichsten Teil des benachbarten Bundeslandes ist bedauerlicherweise in der letzten Gruppe zu finden.

Verwundert zeigt sich der Ministeriumssprecher über den genannten Termin 2017. Für die Projekte in Gruppe drei sei kein Zeitpunkt für die Realisierung genannt. Solche Aussage könnten angesichts vieler Unsicherheiten im Zusammenhang mit der künftigen Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur seriös gar nicht gemacht werden, heißt es aus Stuttgart.

Diese Aussagen helfen den Betroffenen Bürgern und Politikern nicht viel weiter. Landrat Nuß hofft auf ein Machtwort aus Berlin. Bis dahin bleibt ihm lediglich der eindringliche Appell „an Sie, sehr geehrter Herr Bundesminister, sich vehement bei den Verantwortlichen in Baden-Württemberg für einen schnellstmöglichen Ausbau der A 3 bei Wertheim einzusetzen.“

Ausweichstrecken

60 000 Fahrzeuge quälen sich Tag für Tag in beiden Richtungen über die A 3. Bei Störungen „beliebt“ ist die Ausweichstrecke durch den Landkreis Würzburg. Hier trifft es Wüstenzell, und Holzkirchen. In Uettingen geht es auf der B 8 weiter an Waldbüttelbrunn vorbei.

Das Stauende wandert von der Leistenstraße in Würzburg oder dem Festungsberg aus zurück durch Höchberg meist bis Waldbüttelbrunn. Von hier aus quält sich der Verkehr dann durch die Stadt zur A 3 oder A 7.

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