MAIN-SPESSART

Hoffmann: Finanzierung der B 26n ist gesichert

Obwohl sie im jetzt vorgestellten Bundesverkehrswegeplan stehen, besitzen mehrere den Landkreis Main-Spessart betreffende Verkehrsprojekte nach Ansicht des CSU-Bundestagsabgeordneten Alexander Hoffmann aktuell kaum Aussicht auf Realisierung.

So sagte Hoffmann auf Nachfrage der Redaktion, dass der im Bundesverkehrswegeplan gelistete und mit dem Status „Voruntersuchung“ versehene Bau einer Umgehungsstraße für Rechtenbach nach derzeitigem Stand „so gut wie ausgeschlossen“ sei. Das Projekt sei im Verkehrswegeplan nicht einmal in den weiteren Bedarf eingestuft, so Hoffmann. Aufgrund der Lage Rechtenbachs in einem engen Spessarttal gebe es kaum Aussicht auf finanzierbare Realisierung einer Umgehung. „Das wird wohl nie was“, so Hoffmann.

Er bekannte gleichwohl, dass man die Verkehrsentwicklung auf der Verbindung von Lohr über den Spessart hinüber Richtung Autobahn im Auge behalten müsse, insbesondere dann, wenn die B 26n – wie nun im Verkehrswegeplan vorgesehen – von Arnstein bis Karlstadt gebaut, von dort aber nicht nach Süden Richtung Autobahn fortgeführt werde. Dann stelle sich zwangsläufig die Frage, wie man den aus Richtung Arnstein kommenden Verkehr von Karlstadt weiter durch den Landkreis lotse.

Wenn sich dieser Verkehr über Lohr und den Spessart hinweg den kürzesten Weg Richtung westlicher Autobahnanbindung suche, könne dies „massive Auswirkungen für Rechtenbach haben“, so Hoffmann.

Ob es den in der ursprünglichen, autobahnähnlichen Planung der B 26 n vorgesehenen Zubringer von der Fränkischen Platte hinunter nach Lohr jemals geben wird, ist laut Hoffmann fraglich. Wahrscheinlicher ist in seinen Augen offenbar, dass der Verkehr von Karlstadt aus über die „so gut wie eingetütete“ Ortsumgehung Wiesenfeld und eine planungstechnisch noch nicht in Angriff genommene Ortsumgehung von Steinbach gen Lohr fließen könnte.

Als unrealistisch stuft Hoffmann aktuell den im Verkehrswegeplan gelisteten Ausbau der B 26 zwischen Lohr und Hösbach ein. Für diese Strecke sind im „Weiteren Bedarf“ zehn Kilometer mit Kosten von knapp 80 Millionen Euro aufgeführt. Allerdings sei das Kosten-Nutzen-Verhältnis dabei als sehr gering eingestuft, so Hoffmann.

Für nicht viel wahrscheinlicher hält der Bundestagsabgeordnete den Bau der als Mottgers-Spange bekannten und im Verkehrswegeplan aufgeführten Bahnverbindung von Hanau über den Nordspessart Richtung Würzburg. Hier sei die Frage, ob die bestehende Verbindung von Aschaffenburg über die Nantenbacher Kurve nach Würzburg ausgebaut oder die Mottgers-Spange neu gebaut werden soll, noch nicht geklärt.

Speziell zur B 26 n schreibt Hoffmann in einer Presseerklärung: „Der Bundesverkehrswegeplan ist eine realistische und finanzierbare Gesamtstrategie, denn die Investitionskosten aller im Verkehrswegeplan enthaltenen Maßnahmen sind sehr viel genauer überprüft und berechnet worden, als das in der Vergangenheit der Fall war.“

Anders als bei früheren Bundesverkehrswegeplänen sei der neue Entwurf für die Jahre 2016 bis 2030 erstmals kein reiner Wunschzettel mehr. Im neuen Verkehrswegeplan seien alle Projekte des vordringlichen Bedarfs finanziell hinterlegt.

Das bedeute, dass der Abschnitt der B 26 n vom Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck (A7) bis Karlstadt bei den Projekten mit der höchsten Priorität eingestuft ist, die es im neuen BVWP überhaupt gibt. Das habe ihm Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt im persönlichen Gespräch noch einmal bestätigt.

Insbesondere gebe es keinen „Vordringlichen Bedarf plus“ als eigene übergeordnete Dringlichkeitsstufe, wie es früher einmal angedacht war. Vielmehr seien aufgrund der sehr guten Mittelausstattung innerhalb der höchsten Bewertungsstufe „vordringlicher Bedarf“ lediglich einige Projekte besonders gekennzeichnet, weil dort zum Beispiel mit dem Bau ein Nadelöhr oder ein Engpass beseitigt werde. „Im Nutzen-Kosten-Verhältnis ist die B 26 n mit 5,6 bewertet – ich würde das als guten Ausgangswert bezeichnen“, so Hoffmann.

Neu aufgenommen, aber nur in den „weiteren Bedarf mit Planungsrecht“, ist die Ortsumgehung Gemünden B 26 mit einem Kostenvolumen von 19,5 Millionen Euro und einem Nutzen-Kosten-Wert von 3,3. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Bernd Rützel hält das für eine gute Ausgangslage. Die vergleichsweise geringen Kosten könnten eine vorzeitige Realisierung ermöglichen, denn immer wieder würden bevorzugte Maßnahmen verschoben. „Man muss einig sein“, sagt Rützel, „sonst dauert's ewig wie in Rieneck.“

Bürgermeister Jürgen Lippert sieht es als Erfolg, dass die Ortsumgehung überhaupt aufgenommen wurde, „leider nicht in die erste Dringlichkeit“. Realistisch sei nun eine Wartezeit von 20 Jahren. Aber, so Lippert: „Wir haben einen Fuß in der Tür.“

Die Bahnstrecken Burgsinn – Gemünden – Würzburg – Nürnberg sind mit einer „Blockverdichtung“ für insgesamt 223,1 Millionen Euro als vordringlicher Bedarf eingestuft. Das bedeute Verbesserungen an den Bahnstrecken und an der Signaltechnik, um mehr Güterverkehr auf die Strecken zu bringen, erläutert Rützel. Die Unterführung am Bahnhof Rieneck beispielsweise habe den bisherigen Gleiswechselbetrieb dort überflüssig gemacht und ein Verkehrsplus von zehn Prozent gebracht.

MdL Günther Felbinger dazu: Die Aufnahme Gemündens sei grundsätzlich positiv zu bewerten, jedoch sei auch mit einem weinenden Auge zur Kenntnis genommen worden, dass dies nur für den weiteren Bedarf mit Planungsrecht eingestuft und damit eine zeitnahe Realisierung nicht zu erwarten sei.

Auch der Weiterbau der B 26 n von Karlstadt zur A 3 befindet sich im weiteren Bedarf mit Planungsrecht und verharrt damit in der gleichen Einstufung wie im aktuell gültigen Verkehrswegeplan.

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