HOMBURG

Homburg ist nicht mehr zeitlos

Wie zu alten Zeiten: Die Kirchturmuhr und die Glocken der Burkarduskirche in Homburg funktionieren wieder. Foto: G. Reinwarth

Den Glücklichen schlägt wieder eine Stunde, darf man in leichter Abwandlung eines Sprichworts von Friedrich Schiller guten Grundes behaupten. Denn: Seit Mittwochvormittag ist die „stille Zeit“ in Homburg endgültig Vergangenheit. Seit 22. Juli war das Winzerdorf „zeitlos“ gewesen, weil die Zeiger der Kirchturmuhr stillstanden und die Kirchenglocken schwiegen.

19.50 Uhr war Tag für Tag auf dem Ziffernblatt zu lesen. Exakt zu dieser Zeit hatte vor fünf Wochen ein kräftiges Gewitter mit einem Blitzschlag gleich zwei Schäden angerichtet – und sowohl die Uhr als auch die Glocken beziehungsweise die Läutetechnik „zum Schweigen gebracht“.

Die Turmuhr der 1835 erbauten Burkarduskirche ist in Homburg schon immer ein verlässlicher Zeitmesser gewesen. Minutengenau sagt sie der Bevölkerung, wie spät es ist – und wenn abends die Tagesschau beginnt, schlägt es genau zum Sendebeginn achtmal vom Kirchturm. Ganz Ohr sind die Homburger darüber hinaus zu jeder halben und vollen Stunde, wenn sie die aktuelle Zeit vom Glockenturm schlagen hören.

Akustische Einladung

Die Kirchenglocken läuten zum Beispiel freitags um 15 Uhr und samstags um 14 Uhr für einige Minuten. Fragt man, warum das gerade vor dem Wochenende passiert, dann wird auf die Sterbestunde Jesu (freitags) und auf das Einläuten des Sonntags (samstags) verwiesen. Die akustische Einladung zum Kirchenbesuch ist eine halbe Stunde und fünf Minuten vor Gottesdienst per Glockengeläut zu hören. „Es wird zamgeläut“ heißt es dann in Homburg. Und wenn ein Bürger gestorben ist, dann wird dies ebenfalls per Glocke kundgetan („Es wird ausgeläut“). Bei Kirchenpfleger Josef Zöller läutet dann häufig das Telefon. Geduldig beantwortet er die Frage, wer „das Zeitliche gesegnet“ hat.

Bis auf einige technische Dinge ist an der Homburger Kirche jetzt alles wieder im Lot. Die Uhr wurde erneuert, das Ziffernblatt erstrahlt auf allen vier Turmseiten in neuem Glanz. Zöller verweist auf einen eindeutigen Versicherungsschaden, was auch der Grund für die etwas längere Reparatur war. Vor allem musste erst ein Sachverständiger wieder das Okay für Instandsetzungsarbeiten geben.

„Glockenstill“ ist es in Homburg jetzt erst wieder in der Karwoche. Dann ersetzen die Ratschbuben das „Geläut“ mit der Aufforderung: „Wir laden die Leute zur Kirche ein.“

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