LOHR

Hutzel-Gelände ist offenbar heiß begehrt

Vor einem Jahr bereits leer geräumt: Auf riesigen Flächen sorgte die Gärtnerei Hutzel für Nachschub für die Blumenhalle in der Lohrer Innenstadt.
Vor einem Jahr bereits leer geräumt: Auf riesigen Flächen sorgte die Gärtnerei Hutzel für Nachschub für die Blumenhalle in der Lohrer Innenstadt. Foto: Roland Pleier

Das vergangene Jahr hatte es in sich für Katja Lorenz: Im Juni gibt sie ihren Betrieb auf und schließt sie die Gewächshäuser der Gärtnerei Hutzel in der Wombacher Straße. Dann zieht sie aus ihrem Elternhaus auf dem Gärtnereigelände aus und schließlich heiratet sie im November: Katja Harth, geborene Preißler, heißt jetzt Katja Lorenz.

14 Gewächshäuser werden abgeräumt

„Hutzel Gärtnerei Inh. Katja Harth“ steht noch im digitalen Telefonbuch, doch verrät die Ansage unter 16 85 – „kein Anschluss unter dieser Nummer“. Die 14 Gewächshäuser stehen seit einem Jahr leer. Am Montag begannen drei Arbeiter eines Unternehmens aus dem niedersächsischen Papenburg, das auf den Auf- und Abbau von Gewächshäusern spezialisiert ist, mit deren Demontage.

Katja Lorenz lässt abräumen. Das könnte das Interesse bei möglichen Käufern steigern, kalkuliert sie. Denn die 47-jährige Gärtnermeisterin, die ihrem Körper die Strapazen ihres Berufs nicht länger zumuten wollte, will verkaufen. Das erklärte sie schon vor gut einem Jahr, als die Redaktion über die bevorstehende Schließung berichtete.

Breites Spektrum an Interessenten

Über mangelnde Nachfrage kann sich Lorenz nicht beschweren. Der eine Hektar, gelegen zwischen der Feuerwache und den Stadtwerken, ist höchst interessant für viele. Zur Westtangente geht's ums Eck, bis zum Marktplatz sind es nur zehn Minuten zu Fuß. Das Spektrum der Interessenten sei sehr breit, bekundet sie. „Die Schere geht sehr weit auseinander.“

Auch mit der Stadt, mit Bürgermeister Mario Paul hat sie schon gesprochen. „Die Stadt hätte Interesse, aber kein Geld“, bringt sie ihren Eindruck von dem Gespräch auf den Punkt. Die Stadt ihrerseits beantwortete eine entsprechende Anfrage mit einem Satz: „Zu dieser Grundstücksangelegenheit können wir derzeit keine Stellungnahme abgeben.“

Wohnhaus bleibt vorerst stehen

Das Wohnhaus, das ihr Großvater Josef Hutzel 1951 gebaut hat, bleibt erst einmal stehen. „Das hat eine gut Substanz“, sagt Lorenz. Sie würde sich freuen, wenn es in das Gesamtkonzept eines Käufers passen würde – etwa wenn es bei einem Mischgebiet Gewerbe und Wohnen bliebe, wie sie es sich wünscht. Stünde es den Interessen eines Käufers entgegen, würde sie es aber auch abreißen lassen.

Doch in welche Richtung es geht, wer tatsächlich ein konkretes Angebot auf den Tisch legt, „das steht derzeit noch in den Sternen“, versichert Lorenz. Sie sei noch mit keinem in konkrete Verhandlungen eingetreten.

Sanfter Ausstieg

Wohl aber hat sie einen passenden Job gefunden, der ihr den Ausstieg aus ihrem Beruf erleichtert: Momentan arbeitet sie im Info-Center der Landesgartenschau in Würzburg. „Ein schöner Abschluss“, freut sie sich. Doch am 7. Oktober schließt die Landesgartenschau ihre Pforten. Für das, was danach kommt, gilt das gleiche, wie für das Gelände an der Wombacher Straße: „Alles ist offen!“

Blick in die Geschichte des Familienbetriebs Hutzel

Die Gärtnerei Hutzel wurde 1850 von Jakob Hutzel gegründet und war seitdem in Familienbesitz. In der Wombacher Straße war sie seit 1936 angesiedelt. 1951 errichtete Josef Hutzel in der östlichen Ecke des Gärtnereigeländes ein Wohnhaus.

Bis 2017 produzierte Inhaberin Katja Lorenz in der Gärtnerei Pflanzen, die ihr Cousin Joachim Hutzel in der Blumenhalle am Oberen Tor in der Innenstadt verkaufte. 13 Jahre hatte sie den Verkauf verpachtet, im vergangenen Jahr dann ihrem Cousin überlassen. Der Florist wird seitdem von anderen Gärtnern und Großhändlern beliefert.

Ihren Betrieb stellte die Gärtnerei im Juni 2017 ein. Grund war zum einen, dass die körperliche Belastung der Gärtnermeisterin zu schaffen machte. Zum anderen hätte sie gewaltig in die Heizung der Gewächshäuser investieren müssen, die selbst auch nicht mehr auf dem neuesten Stand waren. RP

Am Montag haben Arbeiter begonnen, die Gewächshäuser der Gärtnerei Hutzel zu demontieren. Als erstes kommen die Glasscheiben von den Dächern.
Am Montag haben Arbeiter begonnen, die Gewächshäuser der Gärtnerei Hutzel zu demontieren. Als erstes kommen die Glasscheiben von den Dächern. Foto: Roland Pleier
Das Grundstück der Gärtnerei Hutzel zwischen Feuerwache (links) und den Stadtwerken ist einen Hektar groß und steht zum Verkauf.
Das Grundstück der Gärtnerei Hutzel zwischen Feuerwache (links) und den Stadtwerken ist einen Hektar groß und steht zum Verkauf. Foto: Roland Pleier
Das ehemalige Wohnhaus steht bereits leer, wird aber vorerst nicht abgerissen.
Das ehemalige Wohnhaus steht bereits leer, wird aber vorerst nicht abgerissen. Foto: Roland Pleier

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