ZELLINGEN

Idealen Standort zur Gründung ausgesucht

Im Rahmen des 70. Jubiläums wurde der massive Gig-Vierer, den der Zellinger Ruderclub 1956 auf den Namen „Aufwärts“ taufte,  zu Wasser gelassen. Im Bild von links: Erik Heigl, Klaus Ponath, Werner Küffner, Rudi Haas und Bernd Nebel.
Im Rahmen des 70. Jubiläums wurde der massive Gig-Vierer, den der Zellinger Ruderclub 1956 auf den Namen „Aufwärts“ taufte, zu Wasser gelassen. Im Bild von links: Erik Heigl, Klaus Ponath, Werner Küffner, Rudi Haas und Bernd Nebel. Foto: Moritz Baumann

Als 26 junge Männer im Jahr 1946 begannen, Paddelboote aus Holzbrettern selbst zu schreinern, ahnte wohl keiner von ihnen, welche erfolgreiche Entwicklung der Verein begehen wird. Heute feiern die Mitglieder des Ruderclubs Zellingen ihr 70-jähriges Bestehen. Der Ort des Fest-Clubabends, das Gelände des ehemaligen Gasthauses „Zum Anker“, weist dabei einen vereinshistorisch bedeutsamen Hintergrund auf: So wurde der Verein 1946 genau an dieser Stelle gegründet.

„Aufwärts“ das erste Boot

Am Morgen nach dem Club-Abend stand das Jubiläumsrudern auf dem Programm. Besonderer Höhepunkt dabei war der „Nostalgievierer“. Bernd Nebel organisierte eine Mannschaft aus Ikonen des Zellinger Rudersports, die das Boot „Aufwärts“, einen Vierer mit Steuermann, zu Wasser lassen sollten. Die Ruderer hatten damit die Ehre, das erste selbst gekaufte Ruderboot, das im Jahr 1956 angeschafft wurde, am Jubiläum zu fahren. Nach und nach wurden im Anschluss weitere Boote zu Wasser gelassen, sodass der Zellinger Ruderclub über eine Stunde hinweg mit unzähligen Booten den Main bevölkerte.

Dabei betonte der Vorsitzende Ottmar Endrich noch einmal die idealen Bedingungen, die die Zellinger Ruderstrecke aufweist. „Bei wenig Strömung rudert man im Schatten des Retzbacher Benediktusberges fünf Kilometer bis nach Erlabrunn. In entgegengesetzter Richtung passiert man als Ruderer die alte Mainbrücke und kommt dann im Schatten der am Fluss gelegenen Wälder nach dreieinhalb Kilometern an der Himmelstadter Schleuse an.“ Angesichts dessen hatten sich die 26 Wassersportenthusiasten 1946 also einen idealen Standort zur Gründung des Ruderclubs ausgesucht.

Kein Steg, kein Bootshaus

Dabei konnte man in den ersten Jahren nach Vereinsgründung nur schwer von einem Ruderclub reden. Weder für einen Steg, geschweige denn ein Bootshaus, noch für die damals wie heute sehr teuren Ruderboote standen ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung. So mussten sich die Wassersportler anfangs mit provisorisch gezimmerten Paddelbooten zufrieden geben. Erst 1951 wurden die ersten vereinseigenen Boote gezimmert und getauft. Als Bootshalle diente eine alte Holzbaracke.

Fünf Jahre später konnte das erste vereinseigene Boot, die „Aufwärts“, gekauft werden. Schnell zeichnete sich ab, dass die Bootshausverhältnisse über kurz oder lang nicht mehr ausreichen würden. Mit dem Bau eines neuen Bootshauses im Jahr 1966 wurden die Ambitionen des Vereins sichtbar. 1971 konnte Rudi Haas in Marktheidenfeld schließlich den ersten Sieg bei einer Regatta erringen. Und sein Erfolg setzte sich fort, so dass er bei den Deutschen Senioren-Meisterschaften 1973 das Finale für sich entscheiden konnte.

Bei der anschließenden Siegerehrung musste die Ruderprominenz erst einmal aufgeklärt werden, wo Zellingen denn überhaupt liegt. Ein junger Ruderclub konnte also dank der materiellen Hilfe der umliegenden Vereine und dem Lernwillen der noch unerfahrenen Übungsleiter überraschend erste Erfolge im Leistungssport sammeln. Besonders Jürgen Fischer, der in den 80-er Jahren große Erfolge für sich verbuchen konnte, kristallisierte sich aus heutiger Sicht als der erfolgreichste Athlet der Vereinsgeschichte heraus. Als er 1983 souverän mit zwei Bootslängen Abstand die Deutschen Juniorenmeisterschaften in Köln gewann, wurde er begeistert in Zellingen empfangen. Die Glocken läuteten, und die gesamte Brunnengasse war mit Fahnen und Transparenten geschmückt.

Sportliche Erfolge

In den darauffolgenden Jahren konnte er weitere Siege auf nationaler und internationaler Ebene erringen. Mit dem neunten Platz bei den Junioren-Weltmeisterschaften 1958 im Einer und dem Sieg beim „Match des Seniors“ 1988, ebenfalls eine internationale Regatta, setzte sich die Erfolgsgeschichte des „kleinen Dorfvereins“ fort. Dieser Entwicklung, besonders im Bereich Leistungssport, war es geschuldet, dass 1984 begonnen wurde, ein neues Bootshaus zu errichten. Innerhalb von sechs Jahren wurden von 60 Mitgliedern 16 500 Arbeitsstunden erbracht. Neben einer Bootshalle standen den Mitgliedern nun auch Umkleiden, ein Club- und ein Trainingsraum zur Verfügung.

Dies war auch notwendig, denn 1994 wies der Zellinger Ruderclub mit 153 Jungen und Mädchen die größte Jugendabteilung aller deutschen Rudervereine auf. Schon ein Jahr zuvor wurde mit 78 Regattasiegen in einem Jahr ein neuer Vereinsrekord aufgestellt, der bis heute besteht. Den 1000. Sieg erlangte Johannes Krempel im Jahr 2000 im Junioren-Zweier.

Beim Ehrenabend zum 70. Jubiläum des Ruderclubs, der am 22. Oktober im Bootshaus stattfindet, können die Mitglieder also stolz auf eine 70-jährige erfolgreiche Vereinsgeschichte zurückblicken, die bei einen ländlich gelegenen Ruderverein wahrlich Anerkennung verdient.

Im Frühjahr 1951 wurde im Ruderclub Zellingen damit begonnen, erste vereinseigene Paddelboote zu zimmern. Bei den schweren, in Eigenregie gebauten „Kähnen“ konnte man jedoch noch nicht direkt von Ruderbooten sprechen.
Im Frühjahr 1951 wurde im Ruderclub Zellingen damit begonnen, erste vereinseigene Paddelboote zu zimmern. Bei den schweren, in Eigenregie gebauten „Kähnen“ konnte man jedoch noch nicht direkt von Ruderbooten sprechen. Foto: Ruderclub Zellingen
Der Neubau des Boothauses im Jahr 1966 mit einer geräumigen Bootshalle war Grundlage für einen geordneten Ruderbetrieb im Ruderclub Zellingen. Im Bild befestigen Richard Endrich und Klaus Ponath gerade die Dachkonstruktion.
Der Neubau des Boothauses im Jahr 1966 mit einer geräumigen Bootshalle war Grundlage für einen geordneten Ruderbetrieb im Ruderclub Zellingen. Im Bild befestigen Richard Endrich und Klaus Ponath gerade die Dachkonstruktion. Foto: Ruderclub Zellingen

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