Karlburg

Im Briwad-Tschäd nach Karleberch

Mary Rauch (Zweite von links), die Seele der "Linsenspitzer", läuft einmal mehr zur Hochform auf. Foto: Günter Roth

"Eene aus Wiesefald mit an Bulldog hät's aa getan!!!" Bei der Karlburger Familie Häuslein stehen die Zeichen auf Sturm. Eigentlich hat sich die resolute Mutter Paula schon eine "geldige" Schwiegertochter gewünscht, aber so stinkreich nun auch wieder nicht. Wenn deren Eltern mit dem "Briwad-Tschäd" (Privat-Jet) von der Karibik auf die Malediven fliegen, statt Sauerbraten und Kloß zu essen, nur Hummer und Kaviar speisen sowie sich zum Geburtstag mit teuersten Geschenken beglücken, dann wird es auch der abgebrühtesten Karlburgerin absolut mulmig.

Dabei will die Paula doch nur ihren 30-jährigen Buben endlich in festen Händen wissen und im nächsten Jahr zum 60. Geburtstag Großmutter werden. Jetzt steht aber zunächst einmal der 59. Geburtstag an und der Ehemann Ferdinand kommt so gar nicht mit der Suche nach einem passenden Geschenk voran. Stattdessen träumt er mit seinen Freunden von dem bevorstehenden Junggesellenabend des Sohnes, den man weidlich auszunutzen plant.

Was nach perfekter Verführung aussieht, ist letztendlich nur Ungeschicklichkeit. Foto: Günter Roth

Natürlich sind die komödiantischen Figuren schon aus sehr grobem Holz geschnitzt. Die Männer, wie beispielsweise der Gatte Ferdinand oder der Freund Alfons, erscheinen als tumbe Toren, die noch am Vormittag im Schlafanzug Kartenhäuschen bauen und nichts, aber auch gar nichts von Frauen und deren Bedürfnissen verstehen. Aber auch diese sind gefangen in ihrer Welt von Kuchen backen, tratschen oder keifen. Aber genau das ist es, was dann auch den Witz und die Pointen auf die Spitze treibt, gnadenlos übertreibt und die Geschichte letztendlich vergnüglich macht.

Zwei Welten treffen aufeinander

Wie gewohnt haben die beiden Linsenspitzer-Regisseure Adolf Köhler und Mary Rauch die Komödienvorlage von Regina Rösch perfekt auf das heimische Lokalkolorit abgestimmt. Da sind selbstverständlich die Dialektvorgaben "Ihr seid eener so blöad wia dar annere!" und die unvermeidbaren Anspielungen auf das benachbarte kleine Dorf Karlstadt, das man neben Karleberch hingebaut hat. Doch man hat auch den Mut, über sich selbst zu lachen und ganz bewusst mit den bekannten Vorurteilen über Karlburg zu kokettieren. Da geht es eben ganz klar ums Geld, um Bauplätze und auch zum Geburtstag wird die Liebe an der Höhe des Preises für das Geschenk bemessen. Und eben diese festgefügte Welt läuft nun durch den Auftritt der "stinkreichen" Schwiegerleute völlig aus dem Ruder, zumal sich diese auch entsprechend hochnäsig benehmen.

Ob eine Regentonne wirklich das ideale Geburtstagsgeschenk ist? Foto: Günter Roth

Das neunköpfige Schauspielerensemble wird vom Duo Köhler/Rauch in bester Weise eingesetzt und spielt auch mit großer Leidenschaft, textsicher und überzeugend. Uwe Arnold ist der Ehemann Ferdinand, Leon Stahl der Sohn Manfred und Tanja Amersbach die künftige Schwiegertochter. Erich Nowak und Petra Stahl spielen die Schwiegereltern und Peter Amersbach sowie Marie-Luis Kohlhepp sind Freunde der Familie. Christa Köhler spielt die Nachbarin und Briefträgerin.

"Es ist alles nur Theater!"

Ohne diese Mitspieler zurücksetzen zu wollen, muss aber doch die "Mutter der Linsenspitzer", Mary Rauch, erwähnt werden. Diese bringt sich in überaus intensiver und vor allem vielfältiger Weise ins Spiel ein. Sie ist natürlich das perfekte "Raaf", die Bissgurrn, das Schandmaul, dessen Mundwerk keine Sekunde still steht. Sie versteht aber auch die leiseren Töne zu handhaben und durchblitzen zu lassen, dass hinter dieser Fassade auch eine unsichere, verletzbare Frau und Mutter steht, die eigentlich nur das Beste für alle will.

In Karlburg prallen also Welten aufeinander: wohlhabend und stinkreich, tumbe Toren und scheinbare "Großkotze", aber auch strenge Moral und Lust am Tabubruch. Doch zum Schluss zeigt sich, was schon vorher bekannt war: "Es ist alles nur Theater!"

Geburtstagsfeier im Hause Häuslein mit gemischten Gefühlen. Foto: Günter Roth

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