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Im Drogenrausch Geld gefordert und Vater bedroht

Erst drohte er im Drogenrausch seinem Vater den Tod an, wenn er ihm kein Geld gebe, und ging ein Messer holen, dann brach er auch noch in dessen Wohnung ein. Mit acht Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung kam ein 22-Jähriger aus den Raum Lohr da noch relativ glimpflich davon, lautete die Anklage vor dem Schöffengericht Gemünden doch auf versuchte räuberische Erpressung und Einbruchdiebstahl.

Wesentlich für das Urteil war zum einen, dass der Vater damals in seine Wohnung fliehen konnte, als der im gleichen Haus lebende Sohn angeblich eilte, um ein Messer zu holen, und zum anderen, dass es bei der Forderung nur um eine geringe Summe ging. Letztlich eskalierte Ende November 2014 das unglückliche Verhältnis zwischen Vater und Sohn, das möglicherweise mit der Scheidung der Eltern fünf Jahre zuvor seinen Anfang nahm. Damals zog der junge Mann zum Vater und rutschte zudem in die Drogenszene ab.

„Man darf die Schuld nicht immer bei anderen suchen. “
Vorsitzende Richterin Luitgard Bartels

An seinem Vater ließ der Angeklagte zu Verhandlungsbeginn kein gutes Haar. Der sei schuld an seiner Drogensucht, weil er ihn nur runter mache, ihm das Internet abgestellt habe und mit Absicht eine WG angemeldet habe, so dass er kein Wohngeld vom Amt bekomme. Da platzte der Vorsitzenden Richterin Luitgard Bartels der Kragen: „Man darf die Schuld nicht immer bei anderen suchen. Ich habe ihren Vater als Ermittlungsrichterin vernommen und hatte nicht den Eindruck, dass die Vorwürfe aus der Luft gegriffen waren.“

An den Vorfall mit dem Messer erinnerte sich der junge Mann nicht. Er gab nur an, dass er von seinem Vater finanziell abhängig war und immer nach Geld für Essen oder Tabak fragen musste. Oft habe es Streit wegen fünf Euro gegeben. Der Vater hatte als Zeuge keine Erinnerungslücken. Am 27. November habe sein Sohn nach dem gemeinsamen Abendessen 20 Euro haben wollen, um Essen einkaufen zu gehen. Die habe er ihm gegen 19 Uhr auch gegeben. Eine gute Stunde später sei er wieder gekommen und habe unter Drogen gestanden. „Der war total weg“. Auf eine weitere Geldforderung von zehn Euro habe er ihm geantwortet: „Ich habe kein Geld für Drogen“. Die Antwort darauf habe gelautet „Wenn Du mir das Geld nicht gibst, bringe ich mich um und dich auch.“ Als der Sohn ankündigte, jetzt ein Messer zu holen, sei er in seine Wohnung geflüchtet.

Das Wochenende nach diesem Vorfall verbrachte der Vater in Würzburg. Wieder zuhause fiel ihm auf, dass seine Wohnungstür nur angelehnt und das Schließblech verbogen war. Er holte die Polizei. In der Wohnung fehlten Lebensmittel und Bier. Den Wohnungseinbruch räumte der Angeklagte erst nach Rücksprache mit seinem Verteidiger ein. Er habe Hunger gehabt, sich Spaghetti und Tomatensoße geholt, aber kein Bier.

Seinem eigenen Vater so übel mitzuspielen zeuge von erheblicher krimineller Energie, fand die Staatsanwältin, dazu kämen einschlägige Voreinträge (Diebstahl und Schwarzfahren). Sie beantragte eine Gesamtstrafe von einem Jahr und acht Monaten und sah keine besonderen Umstände, die für eine Bewährung sprächen.

Das sei mit Spatzen auf Kanonen geschossen, befand der Verteidiger, schließlich sei es bei der versuchten räuberischen Erpressung um zehn oder 20 Euro gegangen. Der Einbruch sei nicht auf kriminelle Energie sondern auf Hunger zurückzuführen. Er sah sechs Monate Freiheitsstrafe für ausreichend an; die günstige Sozial- und Kriminalprognose spreche für eine Bewährungsstrafe. „Mir tut das alles Leid, ich will mein Leben endlich in den Griff bekommen,“ sagte der 22-Jährige als letztes Wort. Insbesondere will er nach Ende seiner Drogentherapie zur Mutter ziehen.

„Mir tut das alles leid, ich will mein Leben endlich in den Griff bekommen.“
Der 22-jährige Angeklagte in seinem Schlusswort

Mit acht Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung blieben die Richterin und die beiden Schöffen näher beim Antrag des Verteidigers. Als Auflagen muss der junge Mann nach Ende der Drogentherapie 120 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, mehrere Drogenscreenings machen und Hilfe bei einer Beratungsstelle suchen.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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