Lohr

Immobilien: Was Lohr alles zu verkaufen hat

Der Verkauf des ehemaligen Kindergartens in Sendelbach ist vom Stadtrat schon seit über einem Jahr beschlossen. Doch die Realisierung stockt. Die Notarverträge harren der Unterschrift. In den nächsten Tagen soll es ein klärendes Gespräch zwischen der Stadt und dem potenziellen Kä... Foto: Johannes Ungemach

Braucht die Stadt Lohr tatsächlich alle Immobilien, die sie besitzt? Oder müsste sie sich nicht von solchen trennen, für die sie keine konkrete Verwendung hat? Im Stadtrat gibt es zu diesen Fragen immer wieder Diskussionen, umso mehr, seitdem die Stadt finanziell nicht mehr auf Rosen gebettet ist.

Manche Räte fordern einen zügigen Verkauf einzelner Immobilien. Andere warnen davor, sich bei bestimmten Objekten durch einen schnellen Verkauf die Einflussmöglichkeit auf künftige Entwicklungen zu nehmen. Doch welche Immobilien sind es überhaupt, die die Stadt aktuell zum Verkauf anbieten könnte oder bereits angeboten hat? Und wie ist der Stand? Ein Überblick.

Bereits vor rund einem Jahr war aus dem Rathaus zu hören, dass der direkt gegenüber der Sendelbacher Kirche gelegene ehemalige Kindergarten so gut wie verkauft sei. Es fehle nur noch die Unterschrift unter den Notarvertrag. Doch seither stockt die Sache. Wie Bürgermeister Mario Paul erklärt, hatte der Stadtrat seinerzeit aufgrund eines verbindlichen Angebots einem Käufer den Zuschlag erteilt. Nach Informationen der Redaktion soll die Immobilie an einen privaten Investor gehen, der das Gebäude abreißen und einen Neubau mit Wohnungen errichten will.

Es geht nicht um den Preis

Die Notarverträge für den Verkauf sind laut Paul längst ausgehandelt, die »Verhandlungen aus Sicht der Stadt abgeschlossen«. Doch der potenzielle Käufer sehe noch »ungeklärte Fragen«. Es gehe jedoch nicht um den Verkaufspreis, so Paul. Es werde zeitnah nochmals ein Gespräch mit dem Kaufinteressenten geben. Dabei solle abschließend geklärt werden, ob der Verkauf nun zum Tragen kommt oder nicht.

Ganz sicher nicht verkaufen wird die Stadt laut Paul die Alte Schule in der Sendelbacher Ortsmitte. Zwar gab es dazu in der Vergangenheit auch Überlegungen und Interessenten. Aktuell gebe es jedoch »weder Absichten noch Anfragen«, so Paul. Das alte Sandsteingebäude diene etlichen Vereinen und Gruppen als Domizil. Überdies erziele die Stadt auch mit dem Mobilfunkmast auf dem Dach etwas Einnahmen.

Anders sieht es bei der alten Schule in Steinbach aus. Die Stadt will das Gebäude an der Ortsdurchfahrt verkaufen. Allerdings, so Paul, sei eine Wohnung darin noch vermietet. Die Mieterin werde man nicht vor die Türe setzen. Man suche nach einer Lösung, »doch uns fällt derzeit keine ein«, so Paul. Klar sei, dass ein Käufer in das Gebäude investieren müsste. Eine Prognose zum möglichen Zeitpunkt eines Verkaufs wagt Paul nicht.

Das Gleiche gilt für den in Sachen Immobilienleerstand wohl größten Klotz am Bein der Stadt: das Fischerhaus gegenüber der Stadtpfarrkirche St. Michael. 2009 hatte die Stadt das mehrstöckige ehemalige Wohn- und Geschäftshaus gekauft. Im Gespräch war, dort die Volkshochschule oder auch die Sing- und Musikschule unterzubringen, vielleicht sogar die Stadtbücherei.

Doch abgesehen von sporadischen Kunstausstellungen und Einzelveranstaltungen sowie einem Lager für das Schulmuseum steht das Fischerhaus seit Jahren leer. Die Bausubstanz sei »augenscheinlich in Ordnung«, sagt Paul. Bei Haustechnik und Dämmung gebe es jedoch »extrem hohe Investitionskosten«.

Derzeit ist nicht absehbar, wie und wofür die Stadt diese Kosten aufbringen sollte. Das Rathaus ist daher bestrebt, das Fischerhaus wieder zu verkaufen. Man werde das Gebäude vermutlich im kommenden Jahr ausschreiben und hoffe auf Interessenten, die »wissen, worauf sie sich einlassen«, sagt Paul.

Ebenfalls verkaufen will die Stadt die Häuser Kirchplatz 5 bis 7. Die Vermarktungsphase ist bereits abgeschlossen. Derzeit arbeite die Verwaltung einen Vergabevorschlag für den Stadtrat aus, so Paul. Die Entscheidung soll in wenigen Wochen fallen. Ziel der Stadt ist, dass in dem denkmalgeschützten Ensemble Wohnraum entsteht. Die ehemalige Überlegung, dort das Schulmuseum unterzubringen, ist somit endgültig vom Tisch.

Und noch ein Anwesen wird die Stadt zeitnah verkaufen: das Gebäude der ehemaligen Salzgrotte mitsamt kleinem Wohnhaus an der Fahrgasse. Zuletzt hatte hier die Feuerwehr geprüft, ob sich das knapp 1200 Quadratmeter große Grundstück am Rande der Altstadt als Standort für ein kleineres Feuerwehrgerätehaus eignet. Doch das ist kein Thema mehr, weswegen die Vermarktung nun beginnen soll.

Städtebauliche Rahmenplanung

Derzeit nicht verkaufen wird die Stadt hingegen das Postareal an der Ludwigstraße. Der Stadtrat hat vor einigen Monaten einen Antrag von CSU und Bürgerverein in diese Richtung abgelehnt. Das Areal müsse zusammen mit dem in einigen Jahren frei werdenden Areal des Kreiskrankenhauses entwickelt werden, so der Tenor. Paul spricht davon, dass es dazu eventuell 2021 eine städtebauliche Rahmenplanung geben könnte.

Das Postareal sei überdies gut vermietet, so der Bürgermeister. Auch das ehemalige Bürgermeisterhaus an der Ignatius-Taschner-Straße sei »bis auf Weiteres« vom Landkreis als Unterkunft für Flüchtlinge angemietet. Beide Immobilien zusammen brächten der Stadt pro Jahr Einnahmen im sechsstelligen Bereich, so Paul.

In früheren Jahren habe die damals finanziell noch besser gestellte Stadt Immobilien gekauft, weil es für sie »durchaus gute Pläne gab«, sagt Paul beispielsweise mit Blick auf das Fischerhaus. Doch nun müsse man der Realität ins Auge schauen und feststellen, dass sich die Stadt die Realisierung so mancher Idee von damals schlicht nicht mehr leisten könne.

Beim Bemühen, sich von nicht mehr benötigten Immobilien zu trennen, sei man zuletzt »signifikant weitergekommen«, so die Überzeugung Pauls. Das Interesse der Stadt sei es nicht, mit Immobilienhandel schnelles Geld zu verdienen. Vielmehr müsse man die langfristige und nachhaltige Belebung der Stadt im Blick haben.

Vorerst kein Verkauf: das Postareal in der Ludwigstraße. Foto: Johannes Ungemach
Verkauf kein Thema: die alte Schule in Sendelbach. Foto: Johannes Ungemach
Soll vermarktet werden: Wohnhaus und ehemalige Salzgrotte an der Fahrgasse. Foto: Johannes Ungemach
Soll verkauft werden: die alte Schule in Steinbach. Foto: Johannes Ungemach
Ungewisse Zukunft: das Fischerhaus am Lohrer Kirchplatz. Foto: Johannes Ungemach
Kaufinteressent gefunden: die Häuser Kirchplatz 5 bis 7. Foto: Johannes Ungemach
Steht nicht zum Verkauf, weil bis auf Weiteres vermietet: das Bürgermeisterhaus an der Ignatius-Taschner-Straße. Foto: Johannes Ungemach

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