KARLSTADT

In jedem Kleid steckt Herzblut

KleidWerk: Seit 17 Jahren ist die gelernte Schneiderin Tina Maroscheck mit ihrer Werkstatt selbstständig. Hier können sich Kundinnen individuelle Kleider maßanfertigen lassen. Foto: Nanna Zimmermann

„Eigentlich wollte ich zum Theater und dort Kostüme nähen“, sagt Tina Maroscheck (42). „Aber das Würzburger Theater nimmt nur alle drei Jahre einen Lehrling – und ich wollte nicht zwei Jahre lang warten.“ Stattdessen hat die gebürtige Karlstadterin ihre Schneiderlehre bei Czerny in Gemünden gemacht. Heute ist sie mit ihrer Firma KleidWerk seit 17 Jahren selbstständig. In einer Änderungsschneiderei oder Fabrik zu arbeiten, wäre ihr zu langweilig gewesen.

In ihrer Werkstatt Am Steinlein können sich Kundinnen auf drei bis vier Stück limitierte Jerseykleider, Cocktail-, Abend- und Brautkleider sowie einzelangefertigte Dirndl samt Zubehör auf den Leib schneidern lassen. „Ich nähe alles, was einen Rock hat, aber ungern etwas mit zwei Beinen“, sagt die Designerin.

Neben den Kleidern fertigt sie auch Faschingskostüme für die Karlstadter Karnevalsgesellschaft an. Da wären Show- und Marschtanzkostüme für verschiedene Garden und das Tanzmariechen, teilweise Kostüme für die Büttenredner und ab und zu die Prinzessinnengarderobe. „Diese Vielfalt macht, dass es nie langweilig wird; darum möchte ich mich auch nicht weiter spezialisieren", sagt Maroscheck.

Ein weiterer Punkt, der ihr an der Arbeit gefällt, sind die vielen verschiedenen Stoffe. Sie muss sich beim Einkaufen nicht auf drei oder vier beschränken, die sie vielleicht für sich bräuchte. „Ich bin so etwas wie ein Stoffmessi oder -Junkie“, sagt sie. „Wenn ich die Stoffe einkaufe, ist das wie eine Sucht. Ich kaufe sie überall, eben das, was ich schön finde und mir in die Finger fällt.“ Auch Kissenbezüge, Handtücher oder Taschen werden mal vernäht und zieren die Dirndl.

Dass sie eine Schneiderausbildung machen würde, war ihr sehr früh klar. „Ich finde das Handwerk faszinierend und wollte es richtig können“, sagt Tina Maroscheck. Es sei toll, selbst etwas zu erschaffen und danach direkt das Ergebnis zu sehen. „In den Kleidern steckt immer viel Herzblut“, sagt sie. „Es ist auch nicht immer einfach, die Kleider danach wegzugeben.“

Nähen schon als Kind gelernt

Nähen hat sie schon als Kind von ihrer Mutter gelernt. Während die Mutter „für den Hausgebrauch“ nähte, nähte Tina Maroscheck Kleider für ihre Barbiepuppen und später dann auch für sich selbst. „Ich habe mir schon lange eigene Kleider genäht, weil mir wenig von der Stange passt“, sagt sie. „Freundinnen haben dann gefragt, ob ich auch für sie etwas schneidern könne. Das hat immer weitere Kreise gezogen, ohne dass ich Werbung gemacht hätte.“

Mittlerweile habe sie so viel Arbeit, dass sie noch zwei Leute einstellen könne, „aber ich will die Kleider selber machen.“ Hilfe bekommt sie nur montags von ihrer Mutter beim Zuschneiden der Stoffe und dienstags von einer freiberuflichen Mitarbeiterin. Die meisten ihrer Kunden kommen aus Karlstadt. Seit sie einige ihrer Dirndl in einem Schaufenster am Kübelmarkt ausstellt, kommen aber auch immer mehr Interessenten von weiter her. Die Dirndl verkauft sie sogar bis nach Hamburg oder München.

Saison hat sie das ganze Jahr über. „Wenn Fasching vorbei ist, geht es weiter mit Kommunionskleidern und Kleidern für Abschlussbälle von Tanzkursen und Schulen“, sagt Tina Maroscheck. „Im Frühling werden schon einige Dirndl verlangt, die Hochzeitssaison geht los, dann Sommerkleider, dann Dirndl für's Oktoberfest. Und danach geht schon wieder Fasching los.“

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