Lohr

Inhaber zur Schließung des Kupsch am Marktplatz in Lohr: "Ich bin nicht traurig"

Winfried Roß geht Ende November in Ruhestand, sein Markt am Marktplatz schließt. Im Interview erzählt er unter anderem, dass ihn ein Vorfall 2013 nur kurz umgeworfen hat.
Der Kupsch am Marktplatz in Lohr schließt Ende November. Foto: Roland Pleier

Ende November schließt der 1966 eröffnete Kupsch am Lohrer Marktplatz. Inhaber Winfried Roß – 63 Jahre, verheiratet, zwei Töchter – stammt aus Rodenbach und hat in diesem Kupsch-Markt 1973 gelernt. Nach einer Zeit bei der Bundeswehr und ein paar Jahren als Marktleiter in Hammelburg hat er den Markt seit 1983/84 geleitet. Bis zum Jahr 2000 führte er parallel auch den Kupsch in der Jahnstraße. Als Kupsch an Edeka ging, übernahm er den Markt in der Innenstadt als Inhaber. Ein Nachfolger für Roß hat sich nicht gefunden. Doch davon lässt sich Ross seine gute Laune nicht vermiesen.

Winfried Roß. Foto: Dorothea Fischer

Frage: Herr Roß, warum hören Sie auf?

Winfried Roß: Weil ich in Ruhestand gehe und keinen neuen Mietvertrag mehr mache. Ich müsste einen neuen Mietvertrag über fünf bis zehn Jahre machen, wie es in der Branche üblich ist. Das mache ich nicht mehr.

Und Investitionen wären angestanden, heißt es.

Roß: Investieren muss man ständig. Der letzte Gesamtumbau war 2002, seit damals gibt es den Verkauf über das Fenster zur Straße.

Warum hat sich kein Nachfolger gefunden?

Roß: In der Familie habe ich keinen, der den Markt weiterführt. Es hat Interessenten gegeben, die sich bei Edeka gemeldet haben. Es haben mich auch Interessenten direkt angesprochen. Aber weil man nicht weiß, wie es in Lohr wird (Anm. d. Red. Roß meint die Bebauung des Brauereiareals mit einem Rewe-Markt), und was der Markt künftig abwirft, sagen sich Kaufleute, dass sie dann Abstand nehmen.

Angeblich hätten sich auch Existenzgründer für den Markt interessiert.

Roß: Da ist mir nichts bekannt. Aber als Existenzgründer ist es natürlich so, dass Sie Kapital brauchen. Ein solcher Markt mit Warenbestand kostet mehrere hunderttausend Euro. Das sollte man sich gut überlegen.

Wie ist Ihr Kupsch gelaufen? Man hatte ja den Eindruck, dass die Leute zwar hier keine Großeinkäufe machen, aber doch immer was los war.

Roß: Für einen Leberkäsweck hat's schon gereicht. Sonst würde ich es nicht machen. Ich bin Kaufmann. Als ich die Wahl hatte, ob ich den Kupsch in der Jahnstraße übernehme oder den am Marktplatz, habe ich den hier genommen. Ich habe ja beide gekannt. Aber natürlich hat ein Citymarkt ein anderes Kaufverhalten als ein Markt auf der grünen Wiese. Ich habe mich für den am Marktplatz entschieden, obwohl ich keine Parkplätze habe.

Das Fenster mit Theke zum Sofortverzehr war beim Kupsch der Hit. Foto: Björn Kohlhepp

Apropos Leberkäsweck. Man sollte ja meinen, dass sich der Markt schon alleine über seine Verkaufstheke mit dem Fenster zur Straße rentiert, so viel wie da immer los ist.

Roß: So einfach kann man das nicht sagen. Es ist auch viel Aufwand. Aber der Sofortverzehr ist mit den Jahren immer mehr geworden. Früher haben die Leute in ihrer Pause Brot gegessen, heute holen sie sich was.

In den Regalen sieht man inzwischen ja schon große Lücken.

Roß: Ich hätte nicht gedacht, dass das so abnimmt. Wenn's Prozente gibt, kommt der Kunde und kauft. Aber frische Ware kriegen wir noch jeden Tag geliefert. Ich hoffe, dass ich alles verkaufe, der Großhandel nimmt nichts zurück. Wenn noch was da ist, muss ich mit ein paar Kaufleuten reden, damit die mir die Ware abnehmen.

Auf was haben Sie Wert gelegt als Marktleiter?

Roß: Regionale Produkte werden immer gern gekauft. Aus der Region für die Region. Die Leute kaufen lieber einen Kopfsalat aus Franken als einen aus Holland oder Spanien. Wichtig waren mir auch zufriedene Kunden und freundliches, motiviertes Personal.

Im August 2013 wurde eine 40-jährige Angestellte von Ihnen durch Schläge und Tritte von einem damals 32-Jährigen schwer verletzt. Sie selbst wurden, als Sie ihr helfen wollten, vom Täter geschlagen und im Stil eines Kickboxers gegen den Kopf getreten. Sie mussten ambulant ins Krankenhaus. Was hat das mit Ihnen gemacht?

Roß: Ich habe weiter gearbeitet. Erlebnisse gibt es immer wieder: Ladendiebe, ausfällige Kunden, Randalierer. Aber ich bin froh, dass nicht mehr war.

So sah der Kupsch ohne Verkaufsfenster aus. Foto: Fabian Frühwirth

Was ist mit Ihren 28 Mitarbeitern?

Roß: 18 sind noch da. Die anderen haben schon neue Arbeitsplätze gefunden. Manche machen erst einmal Hausfrau und treten dann ihre neue Stelle an. Ich bin froh, dass noch ein paar da sind.

Was passiert mit der Einrichtung?

Roß: Ein Markträumungsunternehmen kommt Anfang Dezember und räumt ihn komplett leer. Die nehmen alles mit.

Was machen Sie in Ihrem Ruhestand?

Roß: Meinen Hobbys frönen: die Rodenbacher Musikanten, Sport, Familie.

Freuen Sie sich auf Ihren Ruhestand?

Roß: Ich bin Realist, ich warte erst mal ab, was kommt.

Sind Sie auch ein Stück weit traurig, dass es jetzt nach 35 Jahren, in denen Sie den Kupsch geführt haben, zu Ende geht?

Roß: Nein, ich bin nicht traurig. Warum soll ich traurig sein?

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