Lohr

Insektensterben: In 17 Millionen Hausgärten kann gegengesteuert werden

"Warum legen heute immer mehr Grundstücksbesitzer ihre Vorgärten als ,graue Steingärten' an?" Diese Grundfrage des Vortrages "Natürlich artenreich!" von Andreas Adelsberger von der Bayerischen Gartenakademie in Veitshöchheim im Aten Rathaus in Lohr, zog zahlreiche Besucher an.

Peter Bechold, Leiter des Bauhofes der Stadt und Gärtnermeister, betonte, dass die Gartenämter der Städte und die Bauhöfe der Kommunen die Diskussion um das Artensterben verfolgen und versuchen, die neuen Erkenntnisse anzuwenden. Deshalb habe man einen Fachmann zu diesem Thema eingeladen.

Adelsberger gab gleich die Antwort auf seine Frage: "Anscheinend meinen viele, dass das pflegeleichter wäre, was ja gar nicht stimmt. Oder vielleicht trauen sie sich auch nicht, etwas eigenes zu gestalten."

Dramatische Rückgänge

Viele Studien zeigten die Notwendigkeit, die Gärten artenreich zu gestalten, um so dem Artensterben entgegenzuwirken, erklärte der Referent. Das Insektensterben hält er sowohl in der Artenvielfalt als auch in der Menge für dramatisch. Die Vogelarten hätten sich seit 1980 in der EU um 56 Prozent reduziert. Der Flächenverbrauch der Kommunen und die Intensivierung der Landwirtschaft mit all ihren Folgen seien entscheidende Faktoren.

Aber die Gärtner in Deutschland mit ihren 17 Millionen Hausgärten könnten gegensteuern. Immerhin ergeben die Gärten eine Fläche von 6800 Quadratkilometern, so viel wie Naturschutzgebiete in Deutschland zusammen. Bei richtiger Anlage könnten die Gärtner einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz leisten.

Möglichst viele Biotope

Wichtige Grundsätze solle man schon bei der Planung beachten: "Möglichst viele verschiedene Biotope sind wünschenswert, ein ressourcenschonender Umgang mit Baumaterialien und Erden und die Verwendung von organischem Dünger ist ebenso selbstverständlich wie der Verzicht auf Pestizide", stellt der Referent klar.

Aus einer Vielzahl von Biotopen kann man wählen: Obstbäume, unterschiedliche Rasensorten, Staudenflächen, Teiche, Trockenmauer, Sträucher, Zwiebelpflanzen und Staudenflächen und andere. Die Auswahl ist groß.

Immer wieder weist Adelsberger daraufhin, dass die heimischen Pflanzen, wenn sie am richtigen Platz gepflanzt und den passenden Boden haben, viel Freude beim Blühen und wenig Arbeit machen. Fast immer seien sie eine bessere Bienen- und Hummelweide als ausländische Pflanzen.

"Wilde Ecken" wagen

Für mutige Gartenbesitzer stellt der Referent etwas Besonderes vor: eine »wilde Ecke im Garten«. »Die muss man ja nicht direkt vor der Haustür anlegen, aber man kann sich seine Fläche ja suchen«, empfiehlt der Landschaftsarchitekt. Diese Ecke könne unterschiedlich gestaltet werden: Totholz, Steinhaufen oder ein Laubhaufen können Unterschlupf für Siebenschläfer, Igel, Käfer, Amphibien und Reptilien werden.

"Wussten Sie, dass Brennnesseln für sechs Schmetterlinge und 15 Nachtfalter einen gedeckten Tisch bedeuten oder dass in einem Insektenhotel nur ein Viertel der Wildbienen leben, aber drei Viertel im Boden?" Mit solchen Fragen überraschte der Referent immer wieder das fachkundige Publikum und animierte zum Ausprobieren.

Peter Bechold wies am Ende darauf hin, dass für Interessierte im Umweltamt der Stadt Flyer bereitliegen. "Außerdem gibt es ein Geschenk der Stadt: eine kostenlose Gartenberatung durch den Bauhof Lohr."

"Einiges habe ich schon gewusst, aber es war auch viel Neues dabei", bemerkt eine Besucherin am Ende der Veranstaltung. "Ich fand es gut, dass die Stadt den Abend initiiert hat." Und ein anderer Besucher erzählt, dass er immer darauf achtet, dass für die Bienen eine Blühfläche in seinen Wiesenflächen stehen bleibt.

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