Lohr

Interview mit Stadthallenmanager Thomas Funck: Chance als Kulturhauptstadt

Funck: Ideen müssen wachsen. Kritik an den Kosten für die Lohrer Stadthalle weist er von sich.
Thomas Funck in der Stadthalle Lohr. Foto: Thomas Kohnle

Ende 2016 wurde die Lohrer Stadthalle offiziell eröffnet. Die Diskussion über den Sinn dieses Gebäudes hält an. Seit fünf Jahren und fünf Monaten managt Thomas Funck (36) die Halle. Er ist verantwortlich für den Erfolg. Die Erwartungen sind hoch. Für 2020 hat er wieder ein vielfältiges Programm zusammengestellt und plant schon für die nächsten Jahre. Im Interview erzählt er von Kosten, Ideen und der regionalen Bedeutung der Halle.

Frage: Mitunter weht Ihnen ein scharfer Wind entgegen, wenn es um die Kosten der Halle geht – wie gehen Sie damit um?

Thomas Funck: Nein, ich denke, das stimmt nicht. Man akzeptiert die Stadthalle inzwischen. Die Kosten hat man vorher gewusst. In Interviews, vor meiner Zeit, wurden diese Zahlen bereits genannt. Sehen wir es doch einmal positiv, dass die öffentliche Hand so eine Halle baut und subventioniert. Man trifft sich, es gibt einen Austausch, die Leute gehen gut gelaunt nach Hause. Das dürfen wir nicht schlechtreden. So etwas ist in anderen Ländern nicht selbstverständlich. Da ist man auf Mäzene angewiesen. Eine unabhängige Kulturförderung in Deutschland ist wichtig. Aus meiner Sicht gibt es hier wenig zu kritisieren. Und wenn doch, dann stelle ich mich selbst am meisten in Frage.

Das Defizit besteht dennoch, wurde allerdings 2019 verringert. Kann es noch besser werden?

Funck: Der derzeitige Stand für 2019 beträgt 650 000 Euro. Das letzte Ergebnis muss noch genau bilanziert werden. Aber die Kosten an sich können nicht gesenkt werden, das muss ich ganz klar sagen. Das Gebäude ist da und die Kosten entstehen durch Unterhaltung wie Reinigung, Technik, Wartung. Die kann man nicht einfach senken. Aber man kann die Auslastung erhöhen und das Personal effizient einsetzen. Das machen wir. Doch vom Kulturbetrieb kommt das Defizit definitiv nicht.

Thomas Funck Foto: Thomas Kohnle
Auch das Parkhaus ist ein Kritikpunkt. Was sagen Sie dazu?

Funck: Wenn Veranstaltungen sind, wird es durchaus genutzt. Und warum gibt es das Parkhaus überhaupt? Weil wir Parkplätze nachweisen müssen. Sonst haben wir keine Betriebserlaubnis für das Gebäude.

Spüren Sie inzwischen eine höhere Akzeptanz bei den Lohrer Bürgern?

Funck: Ja, den Eindruck habe ich. Ich bekomme viel positives Feedback. Man muss auch mal sehen, wie jung das Stadthallenteam ist. Und die Stadt will ja, dass junge Leute hier leben, arbeiten und etwas auf die Beine stellen. Ich wehre mich sehr energisch dagegen, wenn man dies negativ darstellt.

Wie intensiv verfolgen Sie das Kulturleben in Deutschland, um ein aktuelles und lebendiges Programm zu gewährleisten?

Funck: Ich verfolge es weltweit. Schon weil ich mich sehr stark mit meiner Aufgabe hier identifiziere. Sobald ich unterwegs bin, besuche ich Veranstaltungen, gehe auf Konzerte und ins Theater. Ich tausche mich aus mit anderen Stadthallenleitern, arbeite mit vielen Agenturen zusammen. Es geht schließlich um eine große Bandbreite für die Bürger von Lohr.

Inwieweit versuchen Sie die Stadthalle Lohr als Marke zu etablieren?

Funck: Natürlich will und muss man der Halle ein eigenes Profil geben. Ich denke, das haben wir schon mit den klassischen Konzerten geschafft. Auch das Festival "Umsonst und Drinnen Draußen" ist eine Marke, ergänzt durch das Streetfoodfest und den Skate-Contest.

Wie lange vorher buchen Sie Veranstaltungen?

Funck: Das kommt darauf an, aber tatsächlich planen wir jetzt schon für das Jahr 2022. Manchmal reagiert man spontan, weil sich eine Gelegenheit ergibt. Einige Künstler fragen auch, ob sie nicht eine Veranstaltung in Lohr machen können, weil sie eine Lücke in ihrer Tour haben. Dann nimmt man das mit.

Thomas Funck Foto: Thomas Kohnle
Sind Sie ein Visionär?

Funck: Helmut Schmidt hat gesagt, wer Visionen hat, sollte zum Arzt. Daher würde ich eher sagen, dass ich Idealist bin. Ich mache Dinge mit Überzeugung. Hinter so einer Halle muss man zu hundert Prozent stehen. Ich habe vom Stadtrat und Bürgermeister große Freiheit bekommen, was ich sehr schätze. Und ich möchte diese positiv umsetzen.

Welche Ideen konnten Sie bisher noch nicht verwirklichen?

Funck: Ich weiß nie, was mir noch einfällt, wenn ich durch die Halle gehe. Man versucht natürlich Sachen weiterzuentwickeln, die schon funktionieren wie "Umsonst und Drinnen Draußen." Zunächst nur ein Skatecontest, kam noch Musik dazu. Dafür konnten wir damals Russian Circle gewinnen, die nur zwei Auftritte in Deutschland hatten – einer davon in Lohr. Das Ganze wurde erweitert durch das Streetfoodfest und den Kinderspielbereich. Jetzt wird es noch eine Bühne draußen geben. Dinge und Ideen müssen wachsen.

Wie bekannt ist die Stadthalle inzwischen außerhalb der Region?

Funck: Es gibt schon einige Veranstaltungen, wo wir mehr Besucher von außen haben als Lohrer. Viele schreiben Mails, dass es ihnen gefallen hat. Auch Firmen sagen, es ist wichtig, hier am Standort ein anspruchsvolles Programm zu haben. Das ist wertvoll für die Region und der Öffentlichkeit vielleicht nicht so bewusst.

Die Stadthalle bietet immer wieder regionalen Künstlern eine Bühne. Wie wichtig ist das?

Funck: Ein Highlight 2019 war die Stadtkapelle Lohr. Auch die Wombacher Blasmusik war super. Das hat schon alles ein sehr hohes Niveau. Jetzt im März kommt bei "Wieder mal daheim" Hermann Joha. Er produziert die erfolgreichste Actionserie in Deutschland und kommt aus Lohr. Es ist gut, dass wir für solche Veranstaltungen auch die nötige Logistik besitzen. Hier ist wieder wichtig, wenn ein starker Staat es ermöglicht, dass diese Kultur umgesetzt werden kann.

Lohr als Kulturhauptstadt der Region?

Funck: Lohr hat dieses Potenzial. Die Stadt könnte sich kulturell durchaus als Gravitationszentrum entwickeln.

Im Januar war die Stadthalle schon sehr gut ausgelastet. Was werden die Highlights 2020?

Funck: Aktuell wird es eine Fortsetzung von Dreamscapes geben mit dem Stück "Beyond Silence". Sie spielen das Programm auch beim Mozartfest in Würzburg und es ist fast ausverkauft. Der junge Pianist Ivan Bessonov kommt einmal Solo und dann noch mit der Russischen Nationalphilharmonie. Er hat alles, was man braucht, um einmal ganz oben zu sein – sogar das Aussehen. Und was das Theater betrifft, haben wir dieses Jahr auch etwas Schönes: "Der Trafikant" mit Max Schautzer. Das wird ganz cool. Und 2021 kommt das Stück "Sophie Scholl, die letzten Tage" mit Joanna Semmelrogge und Claude-Oliver Rudolph. Und natürlich das Festival "Umsonst und Drinnen Draußen". Da tritt der schwedische Songwriter Meadows auf. Er hat die Musik für die Netflixserie "Tote Mädchen lügen nicht" geschrieben. Mit ihm verbindet mich eine Freundschaft. Das ist mein persönlicher Stempel, den ich der Stadthalle gebe.

Es fällt auf, dass Sie bei vielen Veranstaltungen in der Stadthalle anwesend sind. Warum?

Funck: Ich identifiziere mich mit meinem Job. Dann hat man als Chef eine Vorbildfunktion für seine Mitarbeiter. Deshalb bin ich auch oft am Wochenende da, räume mit auf und am Ende schließe ich die Halle ab.

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