KREUZWERTHEIM

Ist jeder fünfte Tod in der Badewanne Mord?

„Die Untersuchung eines Toten aus der Badewanne ist eine der schwierigsten rechtsmedizinischen Aufgaben überhaupt“, heißt es in dem Artikel „Tod in der Badewanne“, der 1999 in der Fachzeitschrift Notfall + Rettungsmedizin erschien. Wie schwer sich Rechtsmediziner damit tun, zeigt eines der prominentesten Beispiele der jüngeren deutschen Kriminalgeschichte: Bis heute ist nicht völlig klar, ob der Tod des früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel in der Wanne eines Hotelzimmers in Genf Mord oder Selbstmord war.

Nicht immer Tod durch Ertrinken

Am einfachsten ist scheinbar noch die Diagnose, wenn in der Wanne ein Föhn oder ein anderes Elektrogerät gefunden wird – aber auch davon lassen sich Rechtsmediziner nicht immer täuschen, wie unser Beispiel zeigt. Aber in 15 der 48 Fälle, die von den Autoren des genannten Artikels untersucht wurden, war als Todesursache tatsächlich "Ertrinken" festgehalten worden.

So war es auch, als die Sängerin Whitney Houston 2012 leblos in einer Hotelbadewanne aufgefunden wurde. Die Popdiva war aber eine chronische Kokserin, nahm Beruhigungsmittel und hatte kurz vor ihrem Tod auch noch Marihuana geraucht. Zudem litt sie unter einer Herzkrankheit.

Andere Faktoren begünstigen Ertrinken

Ohne diese Faktoren, sagte der untersuchende Gerichtsmediziner, "wäre sie wahrscheinlich nicht in der Badewanne ertrunken". Auch die Autoren des wissenschaftlichen Aufsatzes schreiben, dass die untersuchten Ertrinkungs-Tode stets durch verschiedene Ursachen begünstigt worden seien: "Hilflosigkeit infolge körperlicher Behinderung, Beeinträchtigung durch Alkohol und/oder Medikamente, Herz-Kreislauf-Störungen".

Ein gesunder, nüchterner Erwachsener kann sich also beruhigt in die Wanne legen, befand 2016 die „Zeit“. Selbst wenn er einnickt, wird er sofort wach werden, falls er Wasser einatmet. Dann kann er sich retten – es sei denn, es ist ein Bösewicht am Werk,

Ist jeder fünfte Fall ein Mord?

Manche Experten schätzen, dass sich hinter einem Fünftel der Todesfälle in der Wanne ein Mord verbirgt. Wie leicht das geht, demonstrierte schon im Jahr 1915 der britische Gerichtsmediziner Bernard Spilsbury* in einem aufsehenerregenden Prozess: Er ließ eine trainierte Schwimmerin in eine Badewanne steigen, dann zog er am Fußende ruckartig ihre Füße in die Höhe, sodass ihr Kopf unter Wasser geriet. Die Sportlerin wäre fast gestorben. Und der Täter hätte keine verräterischen Druckstellen oder Kratzspuren an Hals oder Oberkörper hinterlassen, die einem Rechtsmediziner gleich verraten hätten: Hier war ein Mörder am Werk.

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