MITTELSINN

Jüdische Spurensuche

Alan Scheimer ist mit seiner Familie von Pennsylvania (USA) nach Mittelsinn gekommen, um nach den Wurzeln seiner Vorfahren zu suchen. Nicht nur auf dem jüdischen Friedhof in Altengronau machte er spannende Entdeckungen.
Willkommene Besucher: (Von links) Bürgermeister Peter Paul hilft Alan, Deborah, Robin und Michael Scheimer ihre Familiengeschichte in Mittelsinn zu erforschen.
Willkommene Besucher: (Von links) Bürgermeister Peter Paul hilft Alan, Deborah, Robin und Michael Scheimer ihre Familiengeschichte in Mittelsinn zu erforschen. Foto: Gabel

Bewegt schauten sich Alan Scheimer und seine Ehefrau Deborah historische Fotos der jüdischen Synagoge, des ehemaligen Wohnhauses und die Grabsteine ihrer jüdischen Ahnen an.

Das Ehepaar aus Pittsburgh, einer 300 000-Einwohner-Stadt im Staat Pennsylvania im Osten der USA, machte sich bei einem Besuch in Mittelsinn auf die Suche nach den Wurzeln von Alan Scheimers Großvater Max Gundersheimer. Sie wurden begleitet von Tochter Robin und Sohn Michael. Bürgermeister Peter Paul betreute die Gäste und hatte Marc Kreuzer und Lena Mack als Dolmetscher engagiert.

Die örtliche Hobbyhistorikerin Hildegard Krämer hatte sich akribisch auf den Besuch vorbereitet. Der Bürgermeister erklärte den Gästen, dass in Mittelsinn in den 1930er Jahren die größte jüdische Gemeinde des Altkreises Gemünden beheimatet war. Krämer zeigte Fotos der jüdischen Synagoge, die 1959 abgerissen worden war und auf dem Grundstück der heutigen Fellenbergstr. 14 stand. Im gleichen Gebäude war auch die jüdische Schule untergebracht, in welche sicherlich die Vorfahren von Scheimer gingen.

Das eigentliche Wohnhaus Gunderheimers trug früher die Hausnummer 42 und stand auf dem Areal der heutigen Fellenbergstraße 15.

1933 lebten noch 105 jüdische Personen in Mittelsinn, erzählte die Historikern. Viele Familien brachten bereits vor 1938 ihre Kinder ins Ausland, um sie vor den NS-Häschern zu schützen. Mitte 1938 verließen die letzten Juden Mittelsinn. Im gleichen Jahr zerstörten SA-Schergen aus Bad Brückenau die komplette Inneneinrichtung der Synagoge.

Krämer hatte recherchiert, dass 1733 erstmals ein Samuel Gundersheimer in Mittelsinn geboren worden war und drei Kinder hatte. 1930 erfuhr Alan Scheimers Vater von den Wurzeln seiner Ahnen. Laut den Forschungen von Deborah lebten mehrere Familien namens Gundersheimer in Mittelsinn, die miteinander verwandt waren. Dass der Name Gundersheimer durchaus Weltruf erlangte, wusste Alan Scheiner: So kam Samuel, der Neffe seines Vaters Max nach Hollywood, und gründete dort eine Filmproduktionsfirma für Kindercartoons.

Ein Besuch des rund 1500 Grabsteine zählenden Judenfriedhofs in Altengronau durfte nicht fehlen. Hildegard Krämer hatte rund 15 Grabdenkmäler mit dem Namen Gundersheimer herausgeschrieben. Deborah war völlig „aus dem Häuschen“, als sie den Stein des ältesten bekannten jüdischen Vorfahren der Sippe, Joseph Gundersheimer, fand, der 1845 in Mittelsinn verstorben war.

Jüdische Geschichte: In der alten jüdischen Synagoge Mittelsinns (heute Fellenbergstraße 14) befanden sich neben dem Gebetshaus auch die Lehrerwohnung und die jüdische Schule. Unser Bild zeigt das Gebäude im Jahre 1931.
Jüdische Geschichte: In der alten jüdischen Synagoge Mittelsinns (heute Fellenbergstraße 14) befanden sich neben dem Gebetshaus auch die Lehrerwohnung und die jüdische Schule. Unser Bild zeigt das Gebäude im Jahre 1931. Foto: Repro/Jürgen Gabel

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