KARLSTADT

Junge Forscher am Boden und in der Luft

Überraschende Einladung: Die „Jugend forscht“ Preisträger Florian Zaschka (links) und Jannik Lamprecht im Boeing–747-400–Flugsimulator der ProFlight GmbH, einer Tochterfirma der Lufthansa Flight Training.
Überraschende Einladung: Die „Jugend forscht“ Preisträger Florian Zaschka (links) und Jannik Lamprecht im Boeing–747-400–Flugsimulator der ProFlight GmbH, einer Tochterfirma der Lufthansa Flight Training. Foto: ProFlight

Die einen gingen für ihre Forschungen in die Luft, die anderen ins Labor. Eine Sache aber hatten die Projekte der Schüler Johannes Landgraf, Florian Zaschka und Jannik Lamprecht aus der Jahrgangsstufe zwölf des Johann-Schöner-Gymnasiums in Karlstadt gemeinsam: Alle drei haben sie im Regionalwettbewerb „Jugend forscht“ Preise gewonnen. Der 18-jährige Johannes Landgraf erhielt für sein Projekt aus der Kategorie Chemie den dritten Platz. Florian Zaschka (19) und Jannik Lamprecht (18) erreichten in der Kategorie Technik den zweiten Platz.

Alle drei Schüler haben das Wissenschaftliche Seminar „Biophysik“ unter der Leitung von Mathe- und Physiklehrer Johannes Günther belegt. Zum Konzept des zwei Jahre laufenden Seminars gehört, ein eigenes wissenschaftliches Projekt zu entwickeln und durchzuführen. Günther ermutigte die Schüler auch, ihre Arbeiten bei „Jugend forscht“ einzureichen.

Dass sich beim Projekt von Florian Zaschka und Jannik Lamprecht alles um das Thema „Fliegen“ drehte, war kein Zufall. Beide sind schon seit Jahren aktive Segelflieger im Luftsport-Club Karlstadt. Oben auf dem Gelände des Segelflieger auf dem Saupurzel entstand auch die Projektidee zu „Jugend forscht“: „Wir wollten die Leistungen beim Segelfliegen verbessern“, erklären sie. Anders ausgedrückt: Wie kann die Maschine länger fliegen und wie die Sicherheit verbessert werden?

Im Fokus stand dabei der physikalische Vorgang des Strömungsabrisses beim Flugzeug, der immer auch eine gefährliche Situation für ein Flugzeug darstellt. Passagierflugzeuge haben eine extra Warneinrichtung, wenn ein Strömungsabriss droht. Ein Segelflieger nicht. Das wollten die beiden jungen Forscher ändern. „Wir wollten ein Instrument entwickeln, mit dem sich der Strömungsabriss vorhersagen lässt“, erklärt Florian Zaschka.

Dafür galt es aber zunächst einmal herauszufinden, wie sich der Druck zwischen Ober- und der Unterseite des Flugzeuges während des Fluges verändert. Mit einem kleinen Messgerät und vielen, vielen Testflügen unter verschiedenen Bedingungen – mal mit viel Gewicht, mal mit weniger, mal in hoher Geschwindigkeit, mal in niedriger – kamen sie ihrem Forschungsziel näher. Am Ende galt es, alle Daten auszuwerten. In der Theorie könnten sie nun zwei Geräte bauen: Den „Stall-Indicator“, ein Gerät für die höhere Sicherheit im Segelflugsport sowie den „Angle-of-attack-indicator“, der die Leistung erhöht. Mit ihm kann der Pilot das Flugzeug widerstandsärmer fliegen.

Neben der Auszeichnung mit den zweiten Preis erlebten die beiden Projekt-Entwickler aber noch eine zweite Überraschung: Über einen Kontakt von Physiklehrer Johannes Günther wurde das Team von ProFlight, einer Tochterfirma der Lufthansa Flight Training, eingeladen, den Strömungsabriss einmal in einem echten Flugsimulator zu „erfliegen“.

Und so saßen die beiden Jugendlichen am ersten März in Frankfurt im Cockpit einer Boeing 747-400 auf sechs hydraulischen Füßen und übten das Starten und Landen auf dem Flughafen Hongkong. „Wir konnten jeweils 20 Minuten, einmal als Pilot und als Co-Pilot fliegen“, erzählt Jannik Lamprecht. Beide Schüler sind seitdem mit dem „Piloten-Gen“ infiziert. „Einmal die Kontrolle über mehrere 10 000 PS zu haben“, zeigt sich auch Florian Zaschka begeistert. Beide Schüler wollen nach ihrem Abitur versuchen, einen der begehrten Ausbildungsplätze zum Berufspiloten zu bekommen.

Wirkungsdauer von Aspirin

An sechs Nachmittagen im Labor entstanden die Testergebnisse des Forschungsprojekts von Johannes Landgraf. Er hatte sich die Frage gestellt: Wie lange sind Medikamente nach Ablauf ihres Verfallsdatums noch wirksam? „Ich bin auf die Idee gekommen, als meine Mutter mal wieder unseren Medikamentenschrank ausgemistet hat“, erzählt der 18-Jährige. In seinem Projekt legte er sich auf ein Medikament fest: Aspirin mit seinem Wirkstoff Acetylsalicylsäure.

Anhand von unterschiedlich lang abgelaufenen Präparaten, eines davon war bereits seit sechs Jahren nicht mehr haltbar, prüfte er, wieviel vom Zerfallsprodukt bereits in den Tabletten vorhanden war. Das Ergebnis: Auch die Aspirin-Produkte, die das Mindesthaltbarkeitsdatum längst überschritten hatten, waren immer noch wirksam, ein Zerfall des Wirkstoffs kaum vorhanden. Auch zeigten sich bei den verschieden alten Präparaten kaum Unterschiede.

Ebenso wie Yannik Lamprecht und Florian Zaschka musste auch Johannes Landgraf sein Projekt eine halbe Stunde lang der Jury von „Jugend forscht“ präsentieren. Für ihre zweiten und dritten Plätze gab es Preisgelder sowie eine Veröffentlichung in der IHK-Onlinezeitschrift „Papermint“.

Wie die Schüler auf ihre Themen kommen? Für Lehrer Johannes Günther ist es wichtig, dass sich die Schüler ihre Projekte selbst überlegen, somit sind sie viel motivierter. Mit dem wissenschaftlichen Neubau am Johann-Schöner-Gymnasium seien darüber hinaus gute Möglichkeiten für junge Leute gegeben zu forschen. Für die Zukunft würde er sich wünschen, dass davon noch mehr Gebrauch gemacht wird.

Haltbarkeit von Aspirin erforscht: Johannes Landgraf bekam für sein Projekt den dritten Platz.
Haltbarkeit von Aspirin erforscht: Johannes Landgraf bekam für sein Projekt den dritten Platz. Foto: Lamprecht

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