Habichsthal

Kabarett: "Jeder Mensch hat einen zweiten Blick verdient"

Auf der Bühne ein Naturtalent: Als sympathischer Typ, „zwar mit kurzen Armen, aber schönen blauen Augen“ begeisterte Rainer Schmidt im Dorfgemeinschaftshaus Habichsthal.  Foto: Gisela Büdel

"Handwerker wird der wohl nicht", habe sich seine Oma bei seiner Ankunft gedacht. Das sagt Rainer Schmidt. Der ohne Arme und mit Beinverkürzung geborene Kabarettist gastierte am Freitagabend im Dorfgemeinschaftshaus Habichsthal vor 130 Zuhörern. "Däumchen drehen" wurde zum Paradebeispiel gelebter und humoristisch verpackter Inklusion.

Schmidt ist evangelischer Seelsorger mit schwarzen Humor. Er nimmt dem Zuhörer Berührungsängste gegenüber Menschen mit körperlichen Einschränkungen spielend. Dem 54-Jährigen, geboren in Gaderoth/Nümbrecht im Oberbergischen Kreis, fehlen von Geburt an beide Unterarme, nur am linken Oberarm sitzt ein kleiner Daumenansatz.

Da auch sein rechtes Bein verkürzt ist, trägt Schmidt eine Orthoprothese. Mit dem Stoßseufzer "Danke lieber Gott, dass ich nicht so langweilig aussehe wie mein Publikum" reckt Schmidt sein Däumchen gen Himmel. Damit ist der Bann gebrochen und der Zuhörer lässt sich ein auf seinen Wunsch, über alles befreit zu lachen.

Inklusion im Alltag und in den Köpfen

"Kurze Arme heißt nicht kurzer Wille", gibt der Theologe zu bedenken. Und willensstark ist er, der Kabarettist, Goldmedaillengewinner der Paralympics, Pfarrer, Bildungsreferent und Buchautor. Gepaart mit einer gesunden Portion Selbstironie wirbt er am eigenen Beispiel für Inklusion im Alltag und in den Köpfen.

In sein Plädoyer für mehr gegenseitige Achtsamkeit bezieht Schmidt in stetem Dialog mit Claudia und Otto das gesamte Publikum mit ein, das ihm mit reichlich Zwischenapplaus zustimmt. "Jeder Mensch hat einen zweiten Blick verdient", betont er. Sein persönlicher Erfahrungsschatz lässt ihn fragen: "Was glauben sie, was ich nicht kann?". "Einen Handstand machen", ruft es aus der Menge. "Können sie das?", kontert der Theologe. Nur einzelne Hände heben sich, was ihn zum Denkanstoß veranlasst: "Sind die anderen deshalb behindert?"

Es zählt das, was man kann

Nicht auf das, was man nicht kann, komme es an, sagt Schmidt. "Was zählt, ist das, was ich kann." Wie der herzliche Schlussapplaus zeigt, ist Schmidts Botschaft vom Umgang mit eigenen Grenzen bis hin zum erfüllten Leben angekommen. "Spielend das Leben gewinnen" – seinem Lebensmotto und gleichnamigen Buchtitel folgend endet der gut zweieinhalbstündige Kabarettabend mit einem Tischtennismatch zwischen dem Theologen und sportlichen Zuhörern.

Veranstalter war der Tennisclub (TC) Hochspessart, seit 2009 Dach der Vereine TC Habichsthal und der SpVgg Heigenbrücken. "Der Reinerlös des Abends kommt zu 100 Prozent der Kinder- und Jugendarbeit zugute, die in Zukunft wiederbelebt werden soll", informiert Erwin Trostel, der den Kontakt zu Schmidt hergestellt hatte.

Schlagworte

  • Habichsthal
  • Gisela Büdel
  • Evangelische Kirche
  • Jugendsozialarbeit
  • Kabarett
  • Kabarettabende
  • Kabarettistinnen und Kabarettisten
  • Kinder und Jugendliche
  • Pfarrer und Pastoren
  • Publikum
  • Rainer Schmidt
  • Seelsorgerinnen und Seelsorger
  • Theologinnen und Theologen
  • Wille
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!