LOHR

Kapitulation am Lohrer Schloss

Eroberung gelungen: Die Lohrer Mopper stürmten 1970 zusammen mit der traditionsreichen Mainzer Ranzengarde das Lohrer Schloss, damals Sitz der Kreisverwaltung. Das Bild zeigt den anschließenden Empfang im Fürstenzimmer mit (von links) Lydia Rosenhauer, Präsident Robert Erbacher und Marianne Marschall sowie dem Ranzengarden-Major Norbert Herpe. und weiteren Gardisten. Foto: Karl Anderlohr

Mit dem symbolischen Sturm der Rathäuser starten am Sonntag, 11. 11, allüberall im Land wieder die Faschingsnarren ihr Treiben. Vor gut 40 Jahren jedoch wurde in Lohr nicht das Rathaus gestürmt. Stattdessen nahm der Elferrat der Lohrer Mopper das Schloss ins Visier. Bei der Eroberung des Sitzes der damaligen Kreisverwaltung hatten die Lohrer prominente „Mitkämpfer“: die Mainzer Ranzengarde.

Wären da nicht die Narrenkappen der Elferräte gewesen, dann hätte man am 24, Januar 1970 auf dem Schlossplatz glauben können, hier würde ein historischer Film gedreht. Im Zugang zum ehemaligen kurmainzischen Schloss, das seit 1814 als Sitz des Bezirksamts und später des Landratsamtes diente, war eine Kanone aufgefahren.

Landrat Rudolf Balles in der Uniform eines königlich-bayerischen Bezirksoberamtmanns leitete die Verteidigung. Die Angreifer trugen Uniformen des 18. Jahrhunderts. Ihre Standarte zeigte das Mainzer Rad. Aber die Böllerkanone, die zu diesem Zweck aus dem Museum ausgeliehen war, kam nicht zum Schuss.

Denn noch bevor die mainzischen Truppen das Schloss erstürmten, schickte der Landrat Herbert Brehm als Parlamentär mit einer weißen Fahne nach vorne und übergab dem mainzischen Kommandeur, Major Norbert Herpe, seinen Degen zum Zeichen der Kapitulation. Angreifer und Verteidiger trafen sich danach im Fürstenzimmer zu Häppchen und Getränken. Bei Gesang und Schunkeln wurde Frieden geschlossen.

Bei den „Angreifern“ handelte es sich um eine Abordnung des Reiterkorps der traditionsreichen Mainzer Ranzengarde. Der damalige Sitzungspräsident des Lohrer Mopper-Elferrates, Robert Erbacher, hatte in Mainz die Bekanntschaft von Norbert Herpe gemacht und die Mainzer zu einem Besuch in Lohr eingeladen.

Nach der Schloss-Erstürmung empfing Bürgermeister Gerd Graf die Gäste auf dem Marktplatz, Danach gaben sie der anschließenden Prunksitzung im Pfarrheim St. Michael einen besonderen Akzent. Die Mainzer Gardisten versicherten den „Lohrer Moppern“ damals übrigens, ihre Sitzung brauche sich hinter denen in Mainz nicht zu verstecken.

Mainzer Ranzengarde

Als Mutter aller Mainzer Garden gilt bis heute die Mainzer Ranzengarde. sie wurde 1837 von Johann Maria Kertell als erste Mainzer Fastnachtskorporation gegründet und ist somit die älteste Garde und Fastnachtskorporation in der Hochburg des närrischen Treibens. Die Garde prägte zusammen mit dem 1838 gegründeten Mainzer Carneval Verein die ersten 20 Jahre der organisierten Mainzer Fastnacht. Die Ranzengarde gilt als Keimzelle vieler weiterer Garden.

Der Name Ranzengarde leitet sich von dem Wort Ranzen ab, das im Mainzer Dialekt für einen dicken Bauch steht. Eine Aufnahmebedingungen war früher, dass Bewerber ein Mindestgewicht von 100 Kilo und einen Leibesumfang von mindestens sechs Fuß haben mussten, was ungefähr 150 Zentimetern entspricht.

Infos im Internet unter

www.mainzer-ranzengarde.de

Kapitualtion: Der in die Uniform eines königlich-bayerischen Bezirksamtmanns gekleidete Landrat Rudolf Balles (links) händigt seinen Degen an den Ranzengardenmajor Norbert Herpe aus. Foto: Anderlohr

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