Karbach

Karbachs Wald: "Diese wunderbare Natur ist massiv gefährdet"

Am Holzplatz konnten sich die Teilnehmer des Karbacher Waldbegangs ein Bild vom Schädlingsbefall machen. Unter der Rinde stecken die Borkenkäfer, zeigte Revierförster Stefan Huckle. Foto: Gerhard Schmitt

Nur wenige Interessenten, darunter die Gemeinderäte Vinzenz Stegerwald und Ulrike Behr, begaben sich gemeinsam mit Bürgermeister Bertram Werrlein auf Waldgang in den Karbacher Wald. Revierförster Matthias Huckle erläuterte in verschiedenen Waldabteilungen die momentan missliche Situation bedingt durch Trockenheit, Käferbefall und andere ungute Einflüsse. Dabei war auch Lia Steffke vom Amt für ländliche Entwicklung, die aktuell die Waldneuordnung in Karbach begleitet und organisiert. Gleich zu Beginn der Begehung konfrontierte Matthias Huckle mit der Aussage: "Diese wunderbare Natur ist massiv gefährdet, der Wald verändert sich dramatisch."

Der Klimawandel fördert die Käferplage

Am Zwischenlager am Holzplatz wurde deutlich, wie viel geschädigtes Holz durch Millionen von Borkenkäfern anfällt; es müsste aus dem Wald entfernt werden, um gesunde Bäume vor dem Befall zu schützen. Hier wütet der "Buchdrucker", eine Borkenkäferart, unter der Rinde. "Von 200 Eiern entwickeln sich circa 60, werden zu Käfern und nach drei Generationen gehen diese in die Hundertausende", so Huckle. Bereits 500 bis 2000 Käfer bringen einen Baum zum Absterben.

An verschiedenen Stationen gab Förster Huckle Erläuterungen zum Karbacher Wald. Foto: Gerhard Schmitt

Hier fiel der erste von drei wichtigen Begriffen an diesem Vormittag: Virtuelles Wasser. Er beschreibt, wie Europäer mit ihrem Konsumverhalten Wasser aus Entwicklungsländern importieren, das dann dort fehlt. Die geringe Wertschätzung der Natur zeigt sich laut dem Revierförster in der Tatsache, dass die Bundesregierung für Waldschutzmaßnahmen nur 800 Millionen Euro zur Verfügung stellt, eine insolvente Fluggesellschaft aber mit 500 Millionen Euro rettet.

Kaum noch gesunde Fichten in Karbach

In Karbach gebe es kaum noch gesunde Fichten im Wald. Es sind rund 1000 Festmeter von Schädlingen befallen. Der Erlös ist stark gesunken, aber der Aufwand pro Einschlag kostet pro Festmeter 30 bis 35 Euro. Holzhändler hätten keine Kapazitäten mehr, die Mengen an befallenem Holz zeitnah aus dem Wald holen. Private Waldbesitzer mit nur kleinen Flächen fänden erst recht kein Unternehmen. Um diese Situation zu verbessern, läuft derzeit die Waldneuordnung in Karbach. Lia Steffke wies darauf hin, dass Anfang 2020 eine weitere Aufklärungsversammlung stattfindet. Ziel sei es, Flächen der Privatwaldbesitzer, die sich durch Erbengemeinschaften immer weiter zerteilt haben, zusammenzulegen, um so eine bessere Bewirtschaftung zu ermöglichen. Bürgermeister Werrlein ergänzte, der Gemeinderat habe entschieden, Waldbesitzern für die Steinbruchgebiete wertgleiche Flächen anzubieten.

Auch die Kiefern leiden mittlerweile unter der Hitze und Trockenheit und sind quasi unverkäuflich, da der Markt übersättigt ist. Der Revierförster will künftig Bäume eher in Gruppen anpflanzen. Auch der Walnussbaum, die Elsbeere und der Speierling, die als Wildwuchs in Naturverjüngungen wachsen, setzt er bei. Wichtig sei besonders auch, Jungpflanzen sorgfältig und mit Wurzelballen zu pflanzen.

Gifteinsatz als letztes Mittel

Als zweites Stichwort nannte der Förster die "Baumwolle". Sie komme aus der Türkei oder Syrien, alles Länder mit wenig Wasser. Der Kampf um die Ressourcen habe längst begonnen und treibe die Menschen in die Flucht. Jeder solle sein Kauf- und Verbrauchsverhalten kritisch hinterfragen.

Die letzte Station war im Waldgebiet Knock nahe der Elisabethenhütte. Hier hat der Schwammspinner auf zehn Hektar im Laufe des Jahres die Blätter komplett abgefressen. Die Bäume haben sich zum  Teil davon erholt, stehen aber unter Beobachtung durch den Revierförster. Sollte noch der Eichenprozessionsspinner die Bäume befallen, käme als letztes Mittel auch eine Bekämpfung mit Gift in Betracht. An dieser Stelle kam Huckle auf "Palmöl" zu sprechen. Für dessen Gewinnung erfolgen unter anderem in Brasilien riesige Brandrodungen, um Palmöl- oder Sojaplantagen anzulegen. Palmöl wird in Lebensmitteln verarbeitet und Soja als Futtermittel in der Viehzucht eingesetzt. Der Förster appelliert, regional einzukaufen, und wies auf die Bergwaldwaldaktion am 16. November in Hafenlohr hin, bei der 1500 Bäume neu gepflanzt werden.

Die Waldgänger bestaunten das vergleichsweise riesige Holzlager. Foto: Gerhard Schmitt

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