GEMÜNDEN

Karli Keiler: Birke oder Blitzableiter?

Der Karli Keiler muss Abbitte leisten

Nicht im Geld zu schwimmen, hat durchaus Vorteile. Das zeigt sich im Landkreis immer wieder. So handelt es sich im Vergleich zu den anderen, begüterten Städten bei Gemünden um eine eher franziskanisch ausgerichtete Gemeinschaft. Bescheidenheit ist an Main, Sinn und Saale Pflicht. Jeder Euro, wenn sich in der Stadtkasse einer findet, wird vor der Ausgabe zweimal umgedreht, und in ganz schlimmen Notzeiten lässt der Bürgermeister bekanntlich bei Empfängen der Stadt sogar die Bratwürste für die Ehrengäste nummerieren.

Natürlich würde auch der Gemündener Stadtrat gern einmal in die Vollen gehen, kann er aber nicht. Doch hat die franziskanische Zwangsaskese durchaus, wie an Nachbarstädten zu sehen, Vorteile: Die Gemündener bleiben, wie man hier sagen würde, von Pförz' verschont. Der Karli denkt da an Lohr mit der Schneewittchen-Schlacke für 100 000 Euro oder an das denkwürdige Feuerwehrfest für 117 000 Euro oder an Marktheidenfeld mit der Bayern-3-Radltour für 90 000 Euro.

Am Mittwoch kam ein weiteres Erinnerungsstück hinzu: Die Marktheidenfelder haben auf ihrem Marktplatz allen Ernstes einen 15 Meter hohen Aluminiummast als Maibaum aufgestellt! Ob das wieder so ein Auswuchs unermesslichen Reichtums ist, weiß der Karli nicht, denn der Kaufpreis wurde nicht genannt. Es kann also sein, dass es sich beim weiß-blauen Ringelmast um einen günstig recycelten Schlagbaum eines Bahnübergangs oder einer DDR-Grenzanlage handelt.

Weil man sich in Marktheidenfeld sehr und intensiv mit Nachhaltigkeit beschäftigt, könnte es sich auch um einen witterungsbeständigen Ganzjahrestraditionsmast handeln: jetzt als Maibaum, dann als Kirchweihbaum und im Dezember – dann mit Alu-Kugeln und Lametta behängt – als Weihnachtsbaum.

Wie auch immer: Hädefeld hat jetzt den größten Blitzableiter Deutschlands. Angeblich soll auch der Handyempfang rund um den Marktplatz deutlich besser geworden sein. Und sogar Radio Wladiwostok ist jetzt dort zu empfangen. Auf UKW.

In Karscht und Gemünne hingegen begnügt man sich weiter wie seit eh und je mit ebenfalls nachhaltigen und in der Herstellung CO2-neutralen Birken. Wobei der Gemündener Maibaum den Karlstadter heuer deutlich überragt, obwohl die Bäume sonst, wie gesagt, in der Dreiflüssestadt nicht in den Himmel wachsen. Dass Gemünne heuer mal den Längsten hat, liegt daran, dass der in der Kreisstadt von Frevlern umgelegt worden ist. Das abgesägte Teil fehlt dem wieder aufgestellten Baum jetzt.

Das kann in Gemünden nicht passieren, denn hier schützt ein vom städtischen Bauhof selbst zusammengeschweißter, vier Meter hoher Korb aus Bewehrungsstahl den Stamm vor frevlerischen Sägen. Man kann also von Gemünden nicht nur das Sparen lernen.

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