KARLSTADT

Karlstadt: Mit viel Aufklärung häusliche Gewalt bekämpfen

Symbolbild - Häusliche Gewalt       -  Vor allem Frauen sind häufig Zielscheibe von häuslicher Gewalt.
Vor allem Frauen sind häufig Zielscheibe von häuslicher Gewalt. Foto: Maurizio Gambarini, dpa

Vergewaltigt, geschlagen, gequält: Mehr als 40 000 Frauen flüchten jährlich bundesweit in eines der mehr als 400 Frauenhäuser in Deutschland. Gewalt in der Familie gilt inzwischen als die weitest verbreitete Form der Gewalt. In Unterfranken wurden im Jahr 2017 insgesamt 1957 Fälle angezeigt. Die Dunkelziffer ist hoch.

Aber auch in Main-Spessart ist es ein Thema, weiß Gleichstellungsbeauftragte Birgit Seubert vom Landratsamt. Denn auch bei ihr melden sich Frauen, die Opfer von häuslicher Gewalt wurden. „Die Frauen haben Todesangst“, sagt sie. Angst vor ihrem Partner, der sie schlägt, aber beispielsweise auch Angst vor den finanziellen Folgen, die mit einer Trennung vom gewalttätigen Mann zusammenhängen. „Oft sind ja auch Kinder mit im Spiel“, fügt sie hinzu.

Schutz in der Anonymität der Großstadt

Ein Frauenhaus im Landkreis Main-Spessart gibt es jedoch nicht. Dies wäre laut Seubert auch zu gefährlich, da in einem ländlichen Umfeld die Anonymität fehle. „In einer Großstadt ist das ganz anders“, meint die Frauenbeauftragte. Die beiden nächsten Frauenhäuser gibt es in Würzburg.

Sie informierten in Karlstadt über Fragen rund um häusliche Gewalt (von links): Sofia Sollner und Franziska Boes vom Sozialdienst katholischer Frauen Würzburg (SkF) und Birgit Seubert, Gleichstellungsbeauftragte im Landratsamt Karlstadt.
Sie informierten in Karlstadt über Fragen rund um häusliche Gewalt (von links): Sofia Sollner und Franziska Boes vom Sozialdienst katholischer Frauen Würzburg (SkF) und Birgit Seubert, Gleichstellungsbeauftragte im Landratsamt Karlstadt. Foto: Lucas Kesselhut

 

Deswegen arbeitet sie eng mit allen regionalen Stellen zusammen, die Opfern helfen können. Unter anderem mit dem Frauenhaus des Sozialdiensts katholischer Frauen Würzburg (SkF). Zusammen mit Sofia Sollner und Franziska Boes vom SkF informierte Gleichstellungsbeauftragte Seubert am Donnerstag, den 22. November, auf dem Karlstadter Marktplatz über das Thema. Anlass ist der „Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ am 25. November.

Wenige Frauen aus dem Landkreis

„Opfer von häuslicher Gewalt schämen sich, viele fühlen sich selbst schuldig“, sagt Boes vom SkF. Deswegen sei es immer noch ein langer Prozess, bis sich eine misshandelte Frau an eine Beratungsstelle wendet. Das Frauenhaus im SkF hat 2017 insgesamt 35 Frauen aufgenommen, zusätzlich noch 20 Kinder – und damit mehr als in den vergangenen Jahren. Nur zwei Frauen stammten aus dem Landkreis Main-Spessart.

Laut Gleichstellungsbeauftragter Seubert sei der Weg nach Würzburg eine große Hürde, weswegen sich nicht so viele Frauen aus dem Landkreis dazu entschließen, in ein Frauenhaus zu gehen. Zusätzlich ist laut Franziska Boes die Hemmschwelle auf dem Land größer, sich möglicherweise als Opfer erkennbar zu machen. „Für viele zählt dann leider mehr, was der Nachbar darüber denken könnte“, meint sie.

„Polizei leistet gute Arbeit“

Manfred Wirth ist Außenstellenleiter Main-Spessart vom „Weissen Ring“. Auch er berät Opfer von häuslicher Gewalt. In den vergangenen Jahren hätten sich immer weniger Leute an die hiesige Außenstelle gewandt, sagt er. „Die Sachbearbeiter bei den einzelnen Polizeidienststellen leisten gute Arbeit.“ In der Regel werden Opfer laut Wirth an die Außenstelle weitervermittelt, die entweder anwaltschaftliche Beratung oder finanzielle Hilfen benötigen. Männliche Opfer hätten sich in seiner Außenstelle noch nicht gemeldet.

Doch egal ob es sich um Männer oder Frauen handelt: Um das Ausmaß der häuslichen Gewalt einzudämmen, ist es laut Seubert und Boes noch ein weiter Weg. Um Frauen beispielsweise gar nicht erst zu Opfern werden zu lassen, müsse man effektiver verhindern, dass Männer zu Tätern werden. In Würzburg etwa gebe es jedoch nur eine einzige Beratungsstelle für Täter. „Es müsste auch viel mehr Geld in Frauenhäuser und Beratungsstellen fließen“, sagt Boes.

Istanbul-Konvention soll helfen

Ein Hoffnungsschimmer für die Beraterinnen ist die sogenannte „Istanbul-Konvention“. Ziel ist die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Am 1. Februar 2018 ist sie in Deutschland in Kraft getreten. Die Konvention besteht aus insgesamt 81 Artikeln, die sehr detailliert und teilweise richtlinienartig sind. Es geht unter anderem darum, Schutzräume, Telefon-Hotlines und spezielle Hilfszentren für Vergewaltigungsopfer zu schaffen. Birgit Seubert: „Nun wünschen wir uns, dass das alles auch eingehalten wird.“

Hilfe und Beratung

Häusliche Gewalt umfasst laut Polizei alle Formen physischer, sexueller und/oder psychischer Gewalt zwischen Personen in zumeist häuslicher Gemeinschaft. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Personen in Ehe, eingetragener Partnerschaft oder einfach nur so zusammenleben, welche sexuelle Orientierung vorliegt oder ob es sich um eine Gemeinschaft mehrerer Generationen handelt.

Der Ort des Geschehens kann dabei auch außerhalb der Wohnung liegen, häufig ist laut Polizei jedoch die Wohnung selbst der Tatort. Die am häufigsten begangenen Delikte im Bereich häuslicher Gewalt sind: Beleidigung, Nötigung, einfache und gefährliche Körperverletzung, sexuelle Nötigung und Vergewaltigung.

Betroffene und Zeugen können sich an diese Kontakte wenden: Bundeshilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: Tel. 08000 116 016 Beratung beim Polizeipräsidium Unterfranken: Tel. (09 31) 457-10 74 Landratsamt Main-Spessart; Gleichstellungsbeauftragte: Tel. (0 93 53) 793-10 12. lke

 

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