Karlstadt

Karlstadt top bei der Integrationsarbeit

Die Sprache ist der Schlüssel zum Leben. Allerdings gibt es immer mehr Kinder mit Förderbedarf – und die haben nicht immer Migrationshintergrund.
Vorlesen und erzählen sind wichtige Bausteine fürs Erlernen der Sprache, aber auch für die Eltern-Kind-Bindung. Darauf legt die Integrationsarbeit in Karlstadt großen Wert. Hier ein Symbolbild. Foto: Patrick Pleul/dpa

Karlstadt müsse sich nicht verstecken mit der hier geleisteten Integrationsarbeit. Das zeigte der Bericht, den die Integrationsbeauftragte Sakine Azodanlou im Sozialausschuss des Karlstadter Stadtrats über ihre Arbeit erstattete. Bürgermeister Paul Kruck unterstrich: "Wir tun ganz viel. Für eine Kommune in der Größenordnung Karlstadts sind wir ganz vorne." Zugleich aber wurde deutlich, dass es immer mehr Kinder mit Förderbedarf gibt – und dass dies nicht nur solche betrifft, deren Familien aus anderen Ländern stammen.

Günther Rösch betonte als Sprecher des Helferkreises, wie wichtig es sei, von Beginn an in die Bildung der Menschen zu investieren. "Wenn wir das nicht machen, kann am Ende auch nichts rauskommen." Er warnte aber auch: Die öffentliche Hand könne nicht die Eltern ersetzen.

Beginn im Kleinkindalter

Schon im Alter von 18 Monaten setzt das seit knapp zwei Jahren eingesetzte Programm "Opstapje" an. Der Begriff kommt aus dem Niederländischen und heißt "Schritt für Schritt". Dabei geht es unter anderem um etwas so Grundlegendes wie die Stärkung der Beziehung zwischen Eltern und Kind. 30 Kinder werden hier betreut.

Die Fortsetzung folgt im Alter von vier bis sechs Jahren mit dem Programm "Hippy" mit Schwerpunkt auf Spracherwerb und Lesekultur. Die Eltern fungieren dabei als erste Lehrperson, angeleitet von Kräften der Integrationsstelle. Das Programm ist in Karlstadt seit zehn Jahren etabliert.

25 bis 30 Kinder erhalten Hausaufgabenhilfe von Ehrenamtlichen. Schon seit etlichen Jahren gibt Sakine Azodanlou einen niederschwelligen Konversationskurs für Frauen. Großen Anklang fand im vergangenen Jahr ein Ausflug in den Erlebnispark Schloss Thurn. 160 Personen waren dabei. Heuer soll es wieder einen Fahrradkurs für Frauen geben. Vor fünf Jahren hatte schon einmal einer stattgefunden. 

Vielfältige Hilfe

Azodanlous weitere Tätigkeit umfasst eine breite Palette von Hilfen in Alltag: bei der Wohnungssuche,
bei der Anerkennung von Qualifikationen aus anderen Ländern, bei Fragen rund ums Jobcenter und andere Behörden, um Kindergarten, Schule, Ausbildung, Versicherungen, Gesetze, aber auch Information über die hiesige Kultur und Feste.

In Karlstadt leben Menschen aus mehr als 70 Nationen. 300 Personen sind aus Syrien, Afghanistan, dem Iran, Äthiopien, Somalia und anderen Ländern geflüchtet. Nur selten kommen neue Flüchtlinge hinzu oder ziehen andere weg.  Rund 40 Familienväter haben Arbeit gefunden, 15 Jugendliche haben eine Stelle als Auszubildende.

Sprachhelfer gesucht

Günther Rösch berichtete, beim Helferkreis hätten anfangs mehr als 50 Personen mitgearbeitet, inzwischen sei der Kreis auf ein gute Dutzend zusammengeschmolzen. Es würden Personen gesucht, die dienstags von 10 bis 11.30 Uhr als Sprachhelfer fürs Erlernen der deutschen Sprache tätig werden können.

Die Stadträte zeigten sich besorgt, als sie hörten, dass sich die Sprachkompetenz bei den Kindern allgemein verschlechtert. Manfred Goldkuhle schlug vor, Schüler sollen Schülern helfen. Wolfgang Tröster: "Wir müssen ein System aufbauen, damit alle ihren Schulabschluss schaffen." Bürgermeister Paul Kruck: "Dieses System gibt es, es heißt Schule!"    

Große Nachfrage bei den Ferienprogrammen

Tim Staate und Sandra Prockl gaben einen Überblick über die Arbeit der Stadtjugendpflege, die von der offenen Jugendarbeit über die Ferienprogrammen und die Jugendzentren in den Stadtteilen bis zu besonderen Veranstaltungen wie etwas dem Nachtschwimmen im Freibad oder dem Kinderfest in der Jahnanlage reicht. 2019 wurden 1004 Kinder für die Ferienprogramme angemeldet

Die Jugendpfleger sind für die Jugendlichen teilweise für alle Themen Ansprechpartner – von Glaube über Liebe bis zu Trennungsschmerz.

In Karlburg gibt es einmal im Monat ein Treffen mit den Sprechern der drei Bauwagen und des Containers. Nach einer vorübergehenden Schließung ist das Jugendzentrum in Wiesenfeld wieder geöffnet. Stadtrat Theo Dittmaier sagte, er wünsche sich häufigere Besuche der Stadtjugendpfleger als nur einmal im Monat. Das sei zeitlich nicht machbar, erklärte Sakine Azodanlou. Das Jugendzentrum in Wiesenfeld ist selbstverwaltet. Die Eltern der drei Gruppen unterschreiben dafür eine Vereinbarung.

Leider habe das Engagement der Jugendlichen in den vergangenen fünf Jahren nachgelassen, bedauerte Staate. Mitglieder des Jugendbeirats seien teilweise weggezogen.  

Eventuell wird im Oktober ein neuer Integrationsbeirat gewählt. Der erste Beirat war bestimmt worden. Bürgermeister Kruck räumte ein, es sei etwas blauäugig gewesen, ihn künftig wählen lassen zu wollen. Das sei mit riesigem Aufwand verbunden.   

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