Karlstadt

Karlstadter Bauausschuss: Abstand halten, streng entscheiden

Kein Home Office für Stadträte: Die Sitzung fand im Rathaus-Anbau statt. Einige Anträge wurden abgelehnt.
Auf dieser Grünfläche Bodelschwinghstraße und rechts davon soll ein zweistöckiger Bau entstehen. 
Auf dieser Grünfläche Bodelschwinghstraße und rechts davon soll ein zweistöckiger Bau entstehen.  Foto: Karlheinz Haase

Während Normalbürger zuhause bleiben und sich von anderen Menschen fernhalten sollen, müssen Karlstadter Stadträte und Verwaltungsmitarbeiter ran. Zehn Bauausschussmitglieder, fünf städtische Bedienstete und zwei interessierte Bürger saßen am Dienstag in einem Klassenzimmer-großen Raum beisammen, hielten eineinhalb Meter Abstand und befassten sich mit Themen, die keinen Aufschub vertragen.

Beispielsweise wurden die Straßenbauarbeiten zum Bau von Parkplätzen entlang der Tennisanlage im Baggertsweg an die Firma Tiefbau Mainfranken für rund 175 000 Euro vergeben. Diese Arbeiten sollen laut Sitzungsvorlage am Montag, 23. März, beginnen. Auf die Frage, ob das in der jetzigen Situation realistisch ist, antwortete Karsten Krajewski von der Bauabteilung mit einem Schulterzucken: "Wissen Sie, was morgen ist?"

Lesestunde zur Ortsumgehung Wiesenfeld

Bürgermeister Paul Kruck schlug für den Fall einer Ausgangssperre vor, in nächster Zeit Beschlussvorschläge und Informationen per Ratsinformationssystem oder E-Mail zu übermitteln. Wenn dann keine Nachfragen oder Widersprüche kämen, würde er die Beschlüsse als Geschäft der laufenden Verwaltung umsetzen. Dem stimmten die Räte zu.

Dies wäre auch für große Teile der Dienstagssitzung eine sinnvolle Lösung gewesen. Kruck sprach von einer "Lesestunde". Auf 45 Seiten summierten sich die Stellungnahmen der Behörden und Träger öffentlicher Belange zur Ortsumgehung Wiesenfeld. Größere Planänderungen ergaben sich daraus nicht, nur der Verlauf zweier Feldwege wurde angepasst. "Ich hoffe, dass wir die Pläne deswegen nicht noch einmal auslegen müssen", sagte Bauabteilungsleiter Marco Amrhein. Zwei Grundstückseigentümer werden eine Entschädigung und neue Flächen erhalten. Beim Bau muss an drei Stellen auf mögliche Bodendenkmäler geachtet werden.

Nicht ganz so umfangreich waren die Stellungnahmen zum Bebauungsplan Krankenhaus in Karlstadt. Der Bauausschuss stimmte der Bebauungsplanänderung einstimmig zu. Ebenfalls durchgewunken wurde der bereits vorbesprochene Bauantrag für das Feuerwehrhaus Laudenbach, den Architekt Thorsten Heßdörfer vorstellte.

Zwei Anträge wurden abgelehnt

Keine Zustimmung gab es dagegen für einen Antrag auf Errichtung einer Gewerbehalle mit Betriebswohnung in der Bodelschwinghstraße. Im Anschluss an einen Döner- und Pizza-Imbiss und eine flache Halle soll dort ein zweigeschossiger Bau entstehen. Das untere Stockwerk soll als Halle für einen Handel mit Lebensmittelverpackungen dienen, ins obere Stockwerk will der Inhaber einziehen. 

Mit den vorgesehenen Abweichungen vom Bebauungsplan bei Dachform, -farbe und -neigung hatte der Bauausschuss keine Probleme. Ein Carport soll allerdings die Baugrenze überschreiten und nur 1,50 Meter Abstand zur Straße einhalten, obwohl sonst in diesem Gebiet fünf Meter Stauraum eingehalten werden. Laut Plan sollen insgesamt 15 Stellplätze auf dem Areal vorhanden sein. Die Stadträte zweifeln jedoch an, dass alle ausgewiesenen Plätze nutzbar sind. In der Einfahrt und vor dem Flachbau könnten wohl nur Kleinfahrzeuge gefahrlos abgestellt werden, hieß es. Die abschließende Prüfung obliegt jedoch dem Landratsamt. 

Der größte Knackpunkt war der Wunsch, die Betriebsinhaberwohnung zu genehmigen. Dafür gibt es bisher in diesem Gewerbegebiet keinen Präzedenzfall. Die Notwendigkeit der Wohnung sei durch die Behauptung von Warenlieferungen zu jeder Uhrzeit und Imbiss-Öffnungszeiten von 9 bis 1 Uhr nicht hinreichend bewiesen, argumentierte Verwaltungs-Mitarbeiterin Verena Höfling. Die Bauausschuss-Mitglieder lehnten den Antrag deshalb einstimmig ab und äußerten sich gespannt auf die Entscheidung des Landratsamts. 

Im Baugebiet "Am Brücklein" in Karlburg möchte ein Bauherr ein Einfamilienhaus mit Walmdach errichten; vorgesehen und vorhanden sind dort bisher nur Satteldächer. Theo Dittmaier (CSU) sagte, er möge Vielfalt und habe mit dem Walmdach kein Problem. Gerhard Kraft (Grüne) fragte: "Warum sollten wir eine Abweichung vom Plan zulassen?" Eugen Köhler (CSU) meinte: "Wir sollten uns um sicherheitsrelevante Dinge kümmern, nicht um optische." Thorsten Heßdörfer (FW) widersprach: "Gestalterische Fragen betreffen uns auch. Ich kann das Abweichen von der Dachform nicht mittragen." Nur drei Ausschussmitglieder stimmten für das Walmdach, die Mehrheit dagegen.

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