Karlstadt

Karlstadter Lehrerin erfolgreich als pädagogische Autorin

Grundschullehrerin Kristina Kaniber hat ein Buch über Inklusionsspiele geschrieben. Foto: Markus Rill

Kristina Kaniber unterrichtet die Erstklässler an der Karlstadter Grundschule und hat eine einjährige Tochter. Die meisten Menschen wären damit schon ausgelastet. Doch die 32-Jährige betreut in der Lebenshilfe Würzburg Menschen mit Behinderung, hat gerade eine Ausbildung zur Schulseelsorgerin absolviert, ein pädagogisches Fachbuch zur Inklusion geschrieben und arbeitet nun an einer Fibel mit, die beim Lesenlernen hilft.

"Viele dieser Dinge kamen auf mich zu, wurden mir vorgeschlagen", sagt sie.  Und dann hat sie das eben gemacht. Das ging schon während ihres Studiums in Würzburg los. In ihrem Nebenfach Sport war sie an einem Forschungsprojekt beteiligt. Daraus entstand der Kontakt zum Limpert-Verlag, der Kaniber im Jahr 2013 anfragte, für eine Fachzeitschrift zum Thema Inklusion einen Artikel über Spiele zur Kooperation zu verfassen.

Mit einem Fachartikel ging's los

Während des Referendariats an der Grundschule in ihrem Wohnort Veitshöchheim erarbeitete die junge Frau eine Reihe von Spielen, die einen kooperativen Umgang fördern. "Sich wohlfühlen in der Klasse, den anderen vertrauen ist die Grundlage dafür, miteinander zu lernen", so Kaniber. Deshalb misst sie derartigen Übungen – wenn beispielsweise mehrere Kinder eine Matte tragen, auf der ein anderes Kind liegt – große Bedeutung bei. "Ein großer Aufwand war's auch."

Kaniber musste alle Eltern informieren, alle Bilder für den Artikel selbst machen, die Übungen mit verschiedenen Klassen durchführen, um zu überprüfen, ob sie tatsächlich wie gewünscht wirken. Gut sechs Monate dauerte die Arbeit an dem Artikel – zusätzlich zum Studium. Offensichtlich war der Verlag mit Kanibers Arbeit sehr zufrieden. "Einige Zeit später rief mich der Verlag an, ob ich ein Buch über Spiele zur Inklusion schreiben könne", erzählt sie. "Ich hielt es zunächst nicht für möglich, weil mir der Zeitaufwand groß schien und ich schon gut ausgelastet war." 

Nach einigem Nachdenken schlug Kristina Kaniber, die seit 2017 an der Grundschule Karlstadt tätig ist, dem Verlag vor, eine Co-Autorin ins Boot zu holen. Katharina Lutz hatte während des Studiums bei ihr hospitiert und war mittlerweile Lehrerin an der Grundschule am Würzburger Heuchelhof, die sich stark in der Inklusion engagiert. "Praxisorientiert sollte das Buch sein, viele Spiele zeigen und etwa 100 Seiten lang werden" – weitere Vorgaben gab es nicht vom Verlag, nur einige andere Bücher zur Orientierung.

Drei Ebenen: Ich, Du und Wir

Kaniber erklärt: "Kinder müssen erst verstehen, dass es in Ordnung ist, etwas nicht zu können." Dazu dient die Ich-Ebene, in der Kindern spielerisch eigene Stärken und Schwächen aufgezeigt werden. Auf der Du-Ebene erkennen sie, dass andere Kinder andere Stärken und Schwächen haben. Auf der Wir-Ebene geht es darum, dass in einer Gemeinschaft alle gebraucht werden, um  Ziele zu erreichen. "Es ist fast unmöglich, beispielsweise beim Fußball Kinder mit Handicap komplett einzubinden. Die sportlichen Kids werden da immer Vorteile haben", sagt Kaniber.

Kristina Kanibers Buch "Erfolgreiche Inklusionsspiele". Foto: Markus Rill

Aber bei Spielen mit verbundenen Augen werden die Unterschiede kleiner, Kinder mit Sehbehinderungen kämen oft besser zurecht. "Überwinde den Fluss" ist ein Spiel, das Kristina Kaniber mag. "Dabei geht's darum, die Sporthalle zu durchqueren ohne den Boden zu berühren. Die Kinder bewegen sich auf Teppichfetzen vor und helfen einander. Alle müssen es bis ans andere Ufer schaffen." Dabei gehe es weniger ums Gewinnen, sondern um die Gemeinschaft. 

Am Anfang eines Schuljahres bevorzugt sie solche Spiele, die den Klassenzusammenhalt fördern.  Im weiteren Verlauf kommen diese Spiele und Übungen beim Aufwärmen zum Einsatz, bevor andere sportliche Aktivitäten, beispielsweise die Vorbereitung auf die Bundesjugendspiele, in den Mittelpunkt rücken.

Verwandt mit der Landwirtschaftsministerin

Im März 2018 kam das Buch "Erfolgreiche Inklusionsspiele" auf den Markt. Über Verkaufszahlen hat die Autorin keine Information. "Beim Verlag hat der für uns zuständige Redakteur gewechselt", sagt sie. Auf Online-Bestellportalen hat das Sachbuch eine ganze Reihe positiver Bewertungen erhalten. 

Und Kristina Kaniber ist schon wieder in die nächste "Zusatzarbeit" eingebunden. "Es gibt eine Fibel zum Lesenlernen für Erstklässler. Viele der Hauptautoren sind schon in Pension", erzählt sie. "Ich werde da gerade eingelernt, um bei der Überarbeitung und Aktualisierung der Fibel mitzuarbeiten." 

Doch zurzeit liegt ihr Fokus auf der Arbeit mit den Karlstadter Erstklässlern. Die meisten von ihnen wissen gar nicht, dass ihre Klassenlehrerin Bücher schreibt. Und dass sie mit der bayerischen Landwirtschaftsministerin verwandt ist, wissen sie auch nicht. "Sie ist die Frau des Cousins meines Vaters. Ich kenne sie nicht sehr gut", sagt Kristina Kaniber. 

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