Karlstadt

Karlstadter Wälder: Wettlauf mit dem Borkenkäfer

Schadholz führt  zum  Preisverfall. Trockenheit und Klimawandel machen den Forstleuten zu schaffen.
So sieht er aus, der Borkenkäfer, der den Forstleuten immer wieder Probleme bereitet.
So sieht er aus, der Borkenkäfer, der den Forstleuten immer wieder Probleme bereitet. Foto: Matthias Hiekel

Auch wenn es in den vergangenen Wochen viel geregnet hat, ist es im Raum Karlstadt noch nicht zur  Grundwasserneubildung gekommen. Das erklärte Förster Werner Trabold den Stadträten des Karlstadter Forstausschusses. Der Boden sei erst bis zu einer Tiefe von 80 Zentimetern durchnässt. In der Sitzung drehte sich die Debatte um die Trockenheit der vergangenen beiden Jahre und darum, wie der Wald künftig mit steigenden Temperaturen zurechtkommen wird.     

Wolfgang Netsch vom Amt für Landwirtschaft und Forsten blickte zurück auf 2018. Das Frühjahr war nass, doch dann folgte ab Juni eine lange Trockenheit. Eine massenhafte Vermehrung des Borkenkäfers war die Folge. In den Wäldern um Karlstadt musste das befallene Holz herausgeholt und vermarktet werden. Das wiederholte sich im vergangenen Jahr 2019.

Nur noch ein Drittel des früheren Preises 

Die Folge war ein massiver Preisverfall: 2017 seien für den Festmeter Fichte noch "paradiesische" (O-Ton Netsch) 100 Euro gezahlt worden. Inzwischen erhält die Stadt dafür nur noch 30 bis 35 Euro, "was mit Glück die Aufarbeitungskosten deckt". In Deutschland seien 160 Millionen Kubikmeter Schadholz angefallen. Netsch berichtete auch von bundesweit 245 000 Hektar Kahlfläche, um die Dramatik in den Wäldern vor Augen zu führen. Technisch lasse sich das Schadholz ebenso beanspruchen wie frische Fichte. Aber das Holz habe Bläue. "Und die Kunden kennen das Überangebot auf dem Markt."

In den Wäldern der Stadt Karlstadt ist rund ein Drittel des Einschlags solches Schadholz, berichtete Förster Trabold. Geplanter Einschlag wurde im Gegenzug teilweise stehengelassen, um nicht mehr Holz zu entnehmen, als der sogenannte Hiebsatz (das ist der über Jahre hinweg geplante Einschlag) empfiehlt. Naturgemäß ist das Aufarbeiten von Schadholz aufwändiger, als wenn ein geplanter Hieb durchgeführt wird. Das Schadholz fällt an vielen verschiedenen Stellen an. Nach dem Sturmtief "Sabine" folgte der Schneebruch, erinnerte Trabold.  Die Waldarbeiter sind an manchen Stellen nun schon zum dritten Mal in derselben Fläche aktiv.

Schon jetzt bitten die Forstleute um Nachsicht, wenn manche Waldwege demnächst von Maschinen arg zerwühlt werden sollten. Das Holz müsse trotz matschigem Untergrund schleunigst aus dem Wald geschafft werden. Trabold: "Sonst kommt der Käfer rein, wenn es in sechs Wochen mehr als 20 Grad hat."

Vorbereitung auf den Klimawandel

Die im Ausschuss vertretenen Stadträte wollten wissen, ob der Wald mit besonderen Baumarten auf den Klimawandel vorbereitet wird. "Die Kiefer verabschiedet sich", sagte Netsch. Man setze aber weiter auf Buche, Eiche und Edellaubhölzer. Besondere Baumarten könnten nur in begrenztem Umfang gepflanzt werden. "Wir werden jetzt nicht im großen Stil die Libanonzeder einsetzen."

Ein Spezialthema ist der Steinbruch Schwenk. Für den jetzt erfolgten Kahlschlag von fünf Hektar wurden zweieinhalb Hektar Ackerland aufgeforstet. Stadtrat Horst Wittstadt sagte, er verstehe nicht, dass der Rekultivierungsplan im Steinbruch teilweise Trockenflächen vorsieht, die der Sukzession überlassen werden sollen: "Wir kriegen demnächst noch genug Trockenflächen." Trabold pflichtete ihm bei: "Dieses Vorgehen ist für mich auch ein Rätsel." Stadtrat Manfred Goldkuhle erinnerte sich, beim Verkauf der ersten Steinbruchflächen sei doch eigentlich Wiederaufforstung das Ziel gewesen. Das sollte jetzt geklärt werden. Im Übrigen sei die Naturschutzbehörde am Landratsamt in Unterfranken als besonders restriktiv bekannt.

Erfreuliche Einnahmen aus dem Wald

Trotz der desolaten Marktlage sei das wirtschaftliche Ergebnis 2019 im Stadtwald Karlstadt erfreulich, erläuterte Netsch. Ausgaben von 353 000 Euro standen 388 000 Euro Einnahmen gegenüber. Besonders krass war die Abweichung vom Plan bei den Unternehmerleistungen mit 131 000 Euro statt 81 000. Mehr als 10 000 Euro gespart wurden beim Wegebau. Unterm Strich bleibt ein Gewinn von fast 35 000 Euro. Viele andere Gemeinden würden beim Wald derzeit drauflegen. 

Um die Nachhaltigkeit beim Waldbau zu überprüfen, gibt es einen Forstwirtschaftsplan. Ziel ist, dass nie mehr Holz entnommen wird als nachwächst. Im Karlstadter Stadtwald ist nach diesem Plan eine jährliche Entnahme von 7500 Festmetern vorgesehen. Vorsichtigerweise kalkulieren die Forstleute 2020 mit 6880 Festmetern. Ein Blick auf die längjährige Statistik zeigt, dass die seit 2013 geplanten 52 500 Festmeter  um gut 2000 Festmeter unterschritten wurden.

Nach der Erhöhung der Brennholzpreise vor einem Jahr bleiben sie heuer gleich mit 37,50 Euro pro gerücktem Ster langem Laubholz. 27,50 Euro sind es bei Linde und 20 Euro bei Nadelholz. Liegendes Derbholz kostet zwischen 7,50 Euro beim Weichlaubholz und 25 Euro bei starkem, geschnittenem Hartlaubholz.  

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