Karlstadt

Karlstädter Stadträte stritten heftig über Verlauf der B26n

An der B26n scheiden sich die Geister. Unser Archivbild zeigt eine Demonstration für die B26n auf einer Wanderung von Stetten nach Arnstein aus dem Jahre 2013. Foto: Jürgen Kamm

Das Interesse ist  hoch, die Nerven liegen blank – so lässt sich die Vorstellung des Verkehrsgutachtens zum Bau der B26n in Karlstadt zusammenfassen. Der Bereichsleiter Straßenbau des Staatlichen Bauamtes Würzburg, Stefan Lehner, war am Mittwochabend in den Sitzungssaal des Rathauses gekommen, um mit dem Stadtrat einige Varianten zu besprechen, die sich daraus für Karlstadt ergeben. Bürger waren zu der Infoveranstaltung willkommen, hatten aber kein Rederecht.

Da der Sitzungsraum nur zirka 20 Zuschauerplätze hat, wurden im Foyer weitere rund 40 Sitzplätze aufgebaut, von denen dann ein Teil besetzt war. Die Zuschauer konnten die Beamer-Präsentation verfolgen, die Erklärungen wurden mit Lautsprecher in das Foyer übertragen. Das hatte allerdings den Nachteil, dass sich die Akustik im Sitzungssaal verschlechterte, da die Lautsprecher aus dem Foyer in den Sitzungssaal hinüber schallten. 

Arnsteiner Straße: Kommt Entlastung?

Eine der Sorgen: Die Arnsteiner Straße in Karlstadt könnte aufgrund der B26n, die von der A7 bei Werneck nach Karlstadt als zweispurige Straße mit Überholstreifen geplant wird, eine große zusätzliche Belastung an Verkehr bekommen. Die vom Staatlichen Bauamt vorgelegte Prognose spricht aber von einer Entlastung um 300 Fahrzeuge am Tag.

Es wurde im Verlauf der Sitzung zunehmend gereizt diskutiert, auch gegenseitig mit rechtlichen Schritten gedroht.

Doch der Reihe nach: Die Informationsveranstaltung begann mit einer Einführung von Lehner. Er gab eine Überblick über die Planungen. Bekanntlich soll die B26n weitergeführt werden in Richtung A3 nach Helmstadt. Dieser Abschnitt ist allerdings im Bundesverkehrswegeplan nur im weiteren Bedarf angegeben. Sicher gebaut wird die B26n von Werneck nach Karlstadt, aber noch ungeklärt ist die Linienführung um Karlstadt herum.

Es war dann die Aufgabe von Alexander Goth vom beauftragten Gutachterbüro Brenner Bernard, die Varianten für Karlstadt aufzuzeigen. Das Ziel müsse sein, den Kernbereich – vor allem die Arnsteiner Straße – zu entlasten.  Seiner Meinung nach gelingt dies nur mit einer Spange. Die B26n läuft westlich von Schönarts auf einen Kreisel zu. Von dort gibt es dann einen Zubringer in Richtung Karolinger Brücke, der den Verkehr nach Norden abführt. Die B26n wird dann weitergeführt, südlich an Karlstadt vorbei auf die B27.  "Dies halten wir für sehr sinnvoll", sagte er. Damit wäre die Arnsteiner Straße entlastet, da könnte sogar Tempo 30 gelten.

Planung im luftleeren Raum?

Für die nördliche Umfahrung von Karlstadt, also den Zubringer in Richtung Lohr, stellte Goth einige Varianten vor, die auch durch das neue Gewerbe- und Industriegebiet Hirschfeld führten, was teilweise auf Unverständnis stieß. Wie entstehe eine solche Planung, fragte Stadtrat Armin Beck, "etwa im luftleeren Raum?" Ob er nicht wisse, dass dort auch noch eine Wohnbebauung geplant werde. 

Ebenfalls angezweifelt wurden die Ergebnisse des Verkehrsgutachtens, die nach den Worten der Vertreter des Bauamts "eine gewisse Unschärfe" beinhalten, weil dies Prognosen für das Jahr 2035 sind. Dritte Bürgermeisterin Anja Baier konnte beispielsweise nicht verstehen, warum der Verkehr sich laut Gutachten nach dem Neubau der B26n zwischen Mühlbach und Laudenbach verringert, aber von Laudenbach in Richtung Duttenbrunn zunimmt.

Die Diskussion wurde zunehmend gereizter. Bürgermeister Kruck wollte zu Beginn nur Verständnisfragen zulassen, bevor es um grundsätzliche Fragen gehen sollte, allerdings kam er damit nicht durch. Vor allem die Stadträte der Grünen, Gerhard Kraft und Armin Beck, nutzten schon ihre ersten Wortmeldungen zu deutlichen Stellungnahmen gegen den geplanten Bau der B26n und deren Fortführung in Richtung A3, wodurch sie sich den Ärger anderer Stadträte zuzogen. "Es gibt Regeln", schimpfte beispielsweise Stadtrat Manfred Goldkuhle. Doch Gerhard Kraft wollte sich nicht den Mund verbieten lassen und stellte die Demokratie in Frage, wenn er seine Meinung nicht sagen dürfe. 

Auch zwischen Beck und Kruck eskalierte die Diskussion. Kruck wehrte sich gegen Vorwürfe, er würde Ergebnisse und Forderungen des Arbeitskreises B26n nicht zum staatlichen Bauamt weitertragen. So hatte er eine Stellungnahme Becks verstanden; Kruck drohte deshalb mit rechtlichen Schritten.

Nicht gegenseitig zerfleischen

Als oberstes Ziel der CSU-Fraktion nannte Stadtrat Eugen Köhler die Entlastung der Arnsteiner Straße von zusätzlichem Verkehr durch den Neubau der B26n. Dazu brauche es noch "Gehirnschmalz", um die richtige Lösung zu finden. Er favorisiere die südliche Umgehung. Zudem appellierte er daran, sich nicht gegenseitig zu zerfleischen. 

Stadtrat Beck sprach im Namen der Grünen von einer fatalen Situation, in der Karlstadt aufgrund der ersten Bauabschnitte der B26n sei. Dies sei die Folge einer verfehlten Verkehrspolitik. Nötig sei eine Verkehrswende. Jetzt könne es nur noch darum gehen, "etwas Gutes aus dem Schlechten zu machen".

So weit nördlich wie möglich will Bürgermeister Kruck den Zubringer von der B26n zur Karolinger Brücke haben – mit einer direkten Anbindung an den Kreisel Hammersteig. Die Achse von Arnstein über Karlstadt nach Lohr einschließlich einer dritten Mainbrücke müsse realisiert werden. Die einzelnen Bauabschnitte müssten eng verzahnt und die Verlagerung von zusätzlichem Verkehr in das innerörtliche Verkehrsnetz verhindert werden. Kruck ließ Zweifel erkennen, ob die B26n jemals weiter in Richtung A3 gebaut werde.

Der Stadtrat will sich nach der Sommerpause intensiv mit den Ergebnissen des Gutachtens und den ersten vorgestellten baulichen Varianten befassen, öffentlich beraten und seine Anforderungen an die Planungen mit weiteren Beschlüssen einbringen. Das Verkehrsgutachten ist online unter www.b26neu.de einzusehen.

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