KARLSTADT

Karschter „Orientexpress“ fulminant gestartet

Traumpaar: Als erstes türkisch-stämmiges Prinzenpaar in ganz Bayern wurden Murat und Hacer Acikgöz als närrische Regentschaft von Karlstadt inthronisiert.
Traumpaar: Als erstes türkisch-stämmiges Prinzenpaar in ganz Bayern wurden Murat und Hacer Acikgöz als närrische Regentschaft von Karlstadt inthronisiert. Foto: Günter Roth

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Rathaussturm

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Mit brausendem Jubel reagierten die Menschen am Samstagabend auf dem Marktplatz auf die Sensation: Das Karlstadter Narrenvolk wird in dieser Session mit Murat und Hacer Acikgöz von einem türkisch-stämmigen Prinzenpaar regiert. Die erste osmanische Regentschaft hat schon im Vorfeld so hohe Wellen geschlagen, dass sogar Radio und Fernsehen bei der Inthronisierung durch die Karlstadter Karnevalsgesellschaft (KaKaGe) mit dabei waren.

Schon allein die großartige Garderobe im orientalischen Glanz lässt die neuen Hoheiten als das türkische Traumpaar schlechthin erscheinen. Prinzessin Hacer erschien im hinreißenden, wallenden Gewand in leuchtendem Rot mit kostbaren Stickereien verziert. Auf dem Kopf trug sie ein fürstlich wirkendes Diadem. Vor allem aber trug das strahlende Lächeln der neuen „Regentin“ dazu bei, dass ihr das Narrenvolk augenblicklich zu Füßen lag.

Nicht weniger beeindruckend zeigte sich ihr Prinz Murat in osmanischer Uniform mit goldenen Litzen auf der Brust und dem typischen türkischen Fez mit goldener Quaste auf dem Kopf.

Gelungene Integration

Murat und Hacer Acikgöz sind nicht zuletzt durch ihr karnevalistisches Engagement ein Paradebeispiel für gelungene Integration. Der 40-jährige Murat ist in Deutschland geboren und fühlt sich nach eigenem Bekunden eher als Deutscher. Er betreibt als Selbstständiger einen Autohandel in der Würzburger Straße, spricht perfekt Deutsch und war früher aktiver Fußballer.

Die 34-jährige Hacer lebt seit acht Jahren in Deutschland. Das Paar hat drei Kinder, eines davon – Camilla – war auch als Pagin mit bei der Inthronisierung. Die zweite Pagin ist Hannah Gundersdorf.

„Wir waren schon immer an Fasching interessiert. Früher haben wir unten auf dem Marktplatz gestanden, heute stehen wir eben mal oben.“, sagte Prinz Murat zu Beginn seiner Proklamation. Natürlich ließ sich dabei das Paar die Chance auf „türkischen Schmäh“ nicht entgehen und spielte charmant mit den üblichen Vorurteilen: Die große Garde mit wenig Stoff beim Bauchtanz sehen will er und fordert türkische Wasserpfeifen für die Elferräte während der Prunksitzungen.

Hacer hielt dagegen, obwohl sie an diesem Abend stimmlich arg gehandicapt ist. Sie will sehen, wie die Elferräte die Hüften schwingen und hätte auch nichts gegen spärlich bekleidete männliche Bauchtänzer einzuwenden. Dass Karlstadt in diesem Jahr einen äußerst temperamentvollen Faschingsprinzen hat, war dann später zu sehen. Als die Frammersbacher Bauchtänzerin „Amira“ Andrea Hübner auf der Bühne im Rathaussaal einen rasanten Bauchtanz vorführte, hielt es Murat nicht mehr auf seinem Thron. Er sprang auf und umgarnte die Tänzerin mit wilden Sprüngen.

Eigentlich hat ja schon das diesjährige Motto der KaKaGe einen deutlichen Hinweis auf das besondere Paar gegeben: „Schwedenmännles Orientexpress – Mit Volldampf durch die Narrenzeit“ steht auf dem schön gestalteten Logo und dem diesjährigen Orden.

Bürgermeister festgesetzt

Vor der Inthronisierung musste jedoch traditionsgemäß noch der Bürgermeister festgesetzt werden. In diesem Jahr versuchte sich Paul Kruck mithilfe der Feuerwehr und einem alten Spritzenwagen der Verhaftung zu entziehen. Hochmütig warf er zunächst bei seiner wilden Flucht über den Marktplatz die letzten Kreuzer aus der Stadtkasse in die Menschenmenge, bis ihn die Schwedengarde schließlich doch festsetzte und den Zerknirschten vor das Rathaus zerrte.

Im Rathaussaal erfolgte dann das übliche Zeremoniell. Nach der Verabschiedung des scheidenden Prinzenpaares Karin und Thomas Reinhart und dem Dank für ihr Engagement standen die Nachfolger im eindrucksvollen Säbel-Spalier der Schwedengarde.

Der Sprecher der Senatoren der KaKaGe Peter Schmitt nahm Anja Baier und Thomas Schauberger in die Reihen der Senatoren auf, und der Gesellschaftspräsident Hubert Liebstückel zeichnete gemeinsam mit dem Ordenskanzler Alexander Hofmann verdiente Mitglieder mit dem Verdienstorden der KaKaGe aus.

Marietta Sommer-Fröhlich ist seit 1999 Mitglied, in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft aktiv und fungierte 2014 als Faschingsprinzessin. Michaela Kühl ist seit 2004 mit dabei, war 2011 Prinzessin und ist seitdem die „Prinzenpaar-Mutter“, die sich um die Auswahl und die Vorbereitung der jeweiligen Repräsentanten kümmert. Auch war sie mit Gesangsbeiträgen bei Prunksitzungen aktiv. Der langjährige Aktive Fritz Arndt wurde offiziell zum Ehrenleutnant der Schwedengarde ernannt.

Als neuer Sitzungspräsident konnte Peter Heßler ein gelungenes Debüt feiern. Charmant und mit gutem Wortwitz führte er durch die Veranstaltung, die auch mit entsprechenden Beiträgen einen Vorgeschmack auf die Prunksitzungen gaben.

Mit dabei waren die „Gardezwerge“, die Mittlere Garde, das Tanzduo Svenja Gundersdorf und Jana Hack, sowie Werner Hofmann und Gerlinde Heßler als „Hermann und Hermine“. Aus Büchold kam die Tanzgarde „Dominos“. Als Gäste waren Fastnachtsvereine aus Mühlbach, Eußenheim, Stetten, Heßlar, Aschfeld, Thüngersheim und Himmelstadt da. Die „Eußenheimer Musikanten“ spielten als Sitzungskapelle auf.
Der Beitrag über die Inthronisierung wird in der Abendschau am Montag, 11. Januar, um 18 Uhr im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt.

 

 

Flucht misslungen: Mithilfe eines Feuerwehrwagens versuchte Karlstadts Bürgermeister Paul Kruck vergebens, seiner Verhaftung durch die Schwedengarde zu entgehen.
Flucht misslungen: Mithilfe eines Feuerwehrwagens versuchte Karlstadts Bürgermeister Paul Kruck vergebens, seiner Verhaftung durch die Schwedengarde zu entgehen. Foto: Günter Roth

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