Lohr

»Kasperltheater« um Parkdeckgröße

Die Stadt Lohr plant, das Parkdeck an der Ignatius-Taschner-Straße abreißen und von einem Investor neu bauen zu lassen. Die Kapazität soll dann auf rund 250 Stellplätze erhöht werden. Foto: Johannes Ungemach

Fangen wir der Einfachheit halber mit der nüchternen Nachricht an: Der Lohrer Stadtrat hat in seiner Sitzung am Mittwochabend beschlossen, dass der angestrebte Ersatzbau des Parkdecks an der Ignatius-Taschner-Straße gut 310 Autos Platz bieten soll.

Diese Zahl war das Einzige, was der Stadtrat an diesem Abend festlegen sollte zu dem Vorhaben, welches die Stadt in Kooperation mit einem privaten Investor realisieren will. Bis zur Entscheidung benötigte das Gremium freilich mehr als eine Stunde. Die Beobachter auf den Zuschauerplätzen erlebten einen denkwürdigen Diskussions- und Abstimmungsverlauf.

Dabei hatte die Sache recht geradlinig begonnen. Ingenieur Matthias Ruf präsentierte dem Stadtrat wie schon am Montag im Werkausschuss seine Berechnungen zum Ersatzbau für das rund 40 Jahre alte und als marode beschriebene Parkdeck. Demnach würde ein Neubau mit sieben Halbebenen Platz für 284 Fahrzeuge bieten. Bei acht Ebenen wären es 320 Stellplätze, bei neun 365. Die größte Variante würde laut Ruf elf Meter über die Straße aufragen.

Ruf machte ebenso wie Bürgermeister Mario Paul deutlich, dass man sich im Vorfeld nicht auf eine exakte Zahl an Stellplätzen festlegen könne. Vielmehr müsse man einem Planer im Zuge der gestalaterischen Freiheit einen geringfügigen Spielraum von wenigen Stellplätzen zubilligen.

Dies war der Startschuss für eine wirre Flut an Vorschlägen. Für die SPD-Fraktion plädierte Thomas Nischalke für die Variante mit 320 Stellplätzen. Mit diesem Mittelwert liege man womöglich am nächsten am Bedarf, den niemand so genau abschätzen könne. Auch Ulrike Röder (Grüne) bezeichnete 320 Stellplätze als »moderate Größe«.

Dirk Rieb (CSU) sprach sich für die Größte Variante mit 365 Plätzen aus, oder aber für eine Zahl »zwischen 300 und 350«. Ebenso wie Röder sagte auch er, dass man nach dem Bau des Parkdecks andernorts im Stadtgebiet Flächenparkplätze auflösen und neuer Nutzung zuführen sollte.

In die gleiche Kerbe schlug Eric Schürr (Bürgerverein). Er plädierte deshalb für die »maximale Lösung« mit 365, »mindestens jedoch 320«. Uli Heck (Freie Wähler) zeigte sich erstaunt angesichts der Vorreden. Ein Fachbüro habe der Stadt in einem Gutachten mitgeteilt, dass ein neues Parkdeck mit 250 Plätze ausreichend sei. Mit einem größeren Parkhaus ziehe man nur den Verkehr in die Stadt, so Heck. Seine Fraktion sei daher für die kleinste Variante mit 284 Plätzen, weil diese die billigste sei.

Sodann begann das Bemühen um eine Entscheidung. Allerdings fand sich bei Probeabstimmungen für keine der von Ruf vorgestellten Größenordnungen eine Mehrheit. Die Folge war eine Flut an Kompromissvorschlägen. Bürgermeister Paul warf »320 plus, minus 20 Plätze« in die Runde, Sven Gottschalk (SPD) »300 plus, minus zehn Prozent«. Ernst Herr sprach von »320 minus zehn, plus 20«, Gerold Wandera von »320 minus 20, plus zehn«.

So groß war die Verwirrung, dass Paul die Sitzung schließlich unterbrach, um den Räten »die Chance zu geben, kurz nachzudenken«. Denn, so der Bürgermeister, wenn der Stadtrat an diesem Abend keine Entscheidung treffe, werde »der Zeitplan nicht zu halten sein«. Dieser gilt ohnehin als ausgesprochen ambitioniert. Sieht er doch vor, dass das Parkdeck, zu dem bisher ziemlich viel noch ziemlich offen ist, im Herbst 2020 zeitgleich mit dem längst begonnenen Neubau des Wohn- und Geschäftskomplexes auf dem gegenüberliegenden Brauereiareal fertig wird.

Als es nach der Unterbrechung zunächst weiter hin und her ging, sprach Brigitte Riedmann (Freie Wähler) schließlich von einem »Kasperltheater«, wie sie es in all den Jahre im Amt noch nicht erlebt habe, was Ernst Herr unverschämt fand.

Es war schließlich ein Vorschlag von Riedmann, der zu einer Lösung führte: Man solle den kleinsten der von Ruf vorgestellten Parkdeckgrößen wählen und die Breite der Stellplätze von den ehemals ins Auge gefassten 2,70 Meter auf 2,50 Meter reduzieren. So sei Platz für gut 310 statt 284 Parkplätze, rechnete Ruf aus. Diesen Vorschlag nahm der Stadtrat wenn auch knapp mit 13 zu elf Stimmen an.

Kein Wort war während der gesamten öffentlichen Sitzung darüber zu hören, was das neue Parkdeck wohl kosten wird. Zahlen wurden den Räten bislang nur hinter verschlossener Türe genannt. Man wolle, so erklärte dies Paul, in der Hoffnung auf möglichst günstige Angebote Investoren keine Anhaltspunkte dafür geben, womit die Stadt rechnet. Es bestehe das Risiko von Preisabsprachen, so Paul gegenüber der Redaktion. Deswegen würden die Kosten erst genannt, »sobald der Auftrag vergeben ist«.

Brigitte Riedmann hatte von Ruf immerhin wissen wollen, wie wahrscheinlich es sei, dass sich die Kostenschätzung am Ende mit der Realität decke. Der Ingenieur sprach dazu von »einer guten Chance, dass die Kosten zumindest nicht explodieren«. Als sich Riedmann mit dieser Aussage nicht einverstanden zeigte, schob er nach: »Es ist gut möglich, dass die Kosten gehalten werden.«

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