KARLSTADT

Keine Barrieren im Jobcenter

Praktikum im Jobcenter: Mittelschüler Johannes Reitz kam dort mit seinem Rollstuhl gut zurecht. Foto: Jobcenter

„Es hat Spaß gemacht“, sagt der 15-jährige Johannes Reitz. Eine Woche lang hat der Schüler der Konrad-von-Querfurt-Mittelschule Karlstadt ein Praktikum im Jobcenter absolviert, hat den Posteingang bearbeitet, Rechnungen geschrieben und Excel-Tabellen gepflegt. „Das hat er sehr gut gemacht“, sagt Stefan Müller, der stellvertretende Leiter des Jobcenters, über den Schüler, der wegen seines offenen Rückens von Geburt an auf den Rollstuhl angewiesen ist.

Für das Jobcenter war dies auch eine Gelegenheit, das Gebäude darauf zu testen, wie behindertenfreundlich es ist. Es habe den Praxistest bestanden, meinten Leiter Jürgen König und sein Stellvertreter Stefan Müller übereinstimmend in einem Pressegespräch. Lediglich der Kopierer habe sich als zu hoch für einen Rollstuhlfahrer erwiesen, meint König. Aber das lasse sich ja ändern.

Behindertengerechter Umbau

Seit gut einem halben Jahr hat das Jobcenter die neuen Räume an der Würzburger Straße bezogen. Das Gebäude wurde dazu behindertengerecht umgebaut. Schließlich, so sagt König, könne man dies nicht von anderen verlangen und es selber nicht tun. Insofern will das Jobcenter hier vorbildlich sein.

Dazu wurde eine Rampe am Eingang angebracht, sodass Mitarbeiter und Besucher das Jobcenter ohne fremde Hilfe erreichen können. Die Schalter für die automatische Türöffnung sind in niedriger Höhe angebracht, sodass diese vom Rollstuhl leicht zu bedienen sind. Im Gebäude gibt es ein Behinderten-WC, das mit dem sogenannten Euro-Schlüssel zu öffnen ist. Dies ist ein Einheitsschlüssel, mit dem Rollstuhlfahrer in Deutschland und den Nachbarländern vor allem auf den Autobahnen die Behinderten-WC-Einrichtungen aufsperren können. „So können sie sicher sein, dass die WCs nicht zweckentfremdet werden“, sagt König.

Inklusion nennt man die Eingliederung von Behinderten in den Arbeitsmarkt, für die sich das Jobcenter stark macht. Es ginge darum, die Fähigkeiten der Behinderten zu nutzen. Dies muss für die Betriebe kein Schaden sein, denn eine Behinderung bedeute nicht zwangsläufig eine verminderte Leistungsfähigkeit. Das Jobcenter in Karlstadt selbst beschäftigt laut König zwei Schwerbehinderte. „Die fallen hier nicht auf“, sagt er.

Unternehmen ab einer Größe von 20 Beschäftigten sind sogar verpflichtet, mindestens fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze an Schwerbehinderte zu vergeben. Tun sie es nicht, müssen sie eine Ausgleichsabgabe bezahlen. Doch nicht selten kaufen sich die Betriebe von dieser Verpflichtung frei. Es gebe noch Vorbehalte gegen die Beschäftigung von Behinderten, die aber unbegründet sind, meinen die Leiter vom Jobcenter, denn „ein Schwerbehinderter kann eine sehr gute Fachkraft sein“.

Lob für engagierte Mitarbeit

Das Jobcenter ist vor gut einem halben Jahr aus dem Landratsamt in das Bürogebäude des ehemaligen Bauunternehmens Ehrenfels an die Würzburger Straße umgezogen. Das Fazit von König ist positiv: Sicher, sagt er, manch einer vermisse die Altstadt-Atmosphäre, aber die Versorgung mit kleinen Snacks in der Mittagszeit sei hier auch gegeben. Ein großes Plus sei, dass für die Besucher genügend Parkplätze zur Verfügung stünden. Es hätte noch keine Beschwerde über die neue Lage gegeben, sagt er.

Der Umzug war auch deshalb nötig, weil die Behörde aus allen Nähten platzte. Zudem konnten die Mitarbeiter des Jobcenters alle unter einem Dach untergebracht werden.

Johannes Reitz war jedenfalls von seiner Arbeit angetan. Es habe ihm gefallen, dass er ohne fremde Hilfe alle Räume erreichen konnte. „Daher habe ich mich sehr wohl gefühlt“, sagt er. Dies habe man gemerkt, bestätigt Stefan Müller, unter dessen Anleitung er im Jobcenter gearbeitet hat. Er sei sehr engagiert gewesen.

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