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Kindheitserinnerungen: "Und dann flog die Mistgabel"

Szenen einer Kindheit: „Meine Oma machte mir immer an den Haaren herum“, kommentiert Peter Efler dieses Bild. Mit seiner Mutter, Großmutter und Großvater kam er 1946 nach Glasofen. Foto: Peter Efler/Lucia Lenzen

Er ist zwei Jahre alt, als Peter Efler 1946 nach Glasofen kommt. Dort verbringt er seine ersten elf Lebensjahre, zieht als Jugendlicher nach Marktheidenfeld und kommt schließlich nach Würzburg auf ein Internat. Als junger Mann verlässt er die Region – und kehrt nach 50 Jahren Abwesenheit zurück.

Mit im Gepäck hat Peter Efler ein Buchprojekt. Auf 273 Seiten erzählt der mittlerweile 70-Jährige seine Geschichte: Ein Junge im Nachkriegsdeutschland, der langsam erwachsen wird, zunächst auf dem Dorf Glasofen, später in Marktheidenfeld lebt.

„Das Buch ist nicht ganz autobiografisch, ich habe auch Erzählungen und Erlebnisse von Freunden miteinfließen lassen“, sagt Peter Efler. Bei seiner Rückkehr im letzten Jahr ist die Wohnort-Wahl auf Zimmern gefallen. Mit Blick auf den Main und die Burg Rothenfels verbrachte Peter Efler seitdem viele Tage am Computer. „Aber lustig war es doch“, heißt das vollendete Werk, das als E-Book unter seinem Pseudonym Jürgen von Landshoff erschienen ist. Er selbst beschreibt es als Lesebuch, teils nachdenklich, doch stets unterhaltsam.

Nach Glasofen gewandert

Eine große Rolle darin spielt der Großvater. 1944 im Kreis Warthegau in Polen geboren, kam Peter Efler zusammen mit ihm, seiner alleinerziehenden Mutter und seiner Großmutter mit einem Aussiedlerzug aus dem Riesengebirge nach Marktheidenfeld. Sein Vater ist 1944 im Zweiten Weltkrieg bei der Invasion in der Normandie ums Leben gekommen. „Wir sind von Marktheidenfeld zu Fuß nach Glasofen gewandert“, erinnert sich Peter Efler. Dort wurden sie im Oberdorf im Anwesen der Familie Schäfer untergebracht.

Dieser Zeit widmet Peter Efler in seinem Buch die ersten Kapitel. Detailliert geht er in den Erzählungen auf die verschiedenen Charaktere seiner Familie, das tägliche Zusammenleben und auch die nicht selten auftretenden Reibereien mit seinem Opa ein. „Großvater Hugo war ein stattlicher großer Mann, der zu Jähzorn neigte. Wenn ihm etwas nicht passte, polterte er los und brüllte in seinem schlesischen Dialekt, dass die Wände wackelten“, beschreibt Peter Efler. Besonders präsent geblieben ist ihm dabei die Geschichte, in der der Großvater ihm in seinem Zorn eine Mistgabel hinterher schmiss.

Wer in die Geschichten hineinliest, stellt allerdings schnell fest, dass Peter Efler allen Stätten und Orten seiner Kindheit und Jugend Fantasienamen zugeteilt hat. Glasofen wird zu Kiesdorf, Marktheidenfeld zu Marktanderstadt. Seine Schilderungen aber bleiben im Originalton: „Meine Kindheit in Glasofen war toll. Wir sind in den riesigen Scheuen herumgeklettert, bis in die obersten Dachböden, wo die Schläuche der Feuerwehr zum Trocknen hingen“, erzählt er.

Auch erinnert er sich lebhaft an den Zustand der Dorfstraße, die noch nicht asphaltiert war und für die die Männer und Frauen aus dem Ort regelmäßig Steine klopfen mussten. „Als dann geteert wurde, habe ich mich vor der ersten Autohupe zu Tode erschreckt“, erzählt Efler. Auch seine Gänge zum Brotladen oder in die Apfelkelterei sind ihm bestens in Erinnerung. „Frischer Apfelmost aus dem Kelter, dazu noch von der Sorte Goldparmäne – das ist einfach wunderbar“, schwärmt er noch heute.

Mit elf Jahren dann war es vorbei mit Glasofen. Peter Efler kam nach Würzburg auf ein Internat. Seine Mutter zog nach Marktheidenfeld in die Kreuzbergstraße. Dort verbrachte Peter seine Wochenenden und die Ferien. In seinem Buch beschreibt er, wie sehr ihn die beengte Wohnsituation auf dem Dorf zum Schluss störte. „Wenn ich die Arme ausstrecke, kann ich fast beide Zimmerwände berühren“, zitiert er sich selbst als Jugendlicher schimpfend.

Das letzte Drittel des Buches widmet Peter Efler seinem weiteren Werdegang bis zu seiner Hochzeit. Nach Schulabschluss macht er im Paidi-Werk in Hafenlohr eine Lehre zum Industriekaufmann. Doch dieser Beruf währt nicht lange. „Werber! Das werde ich auch mal!“, stellte Peter Efler schnell fest, nachdem man ihm erklärt hatte, aus welcher Branche die Leute kommen, die dann und wann mit einem Porsche und in Maßanzügen auf den Hof gefahren kamen.

So führte ihn sein Weg zunächst als Werbetexter nach Aschaffenburg, dann nach München. Dort textet er unter anderem für BMW, Liebherr und Pfanni. Der Lebensmittelhersteller ist es auch, der ihn inspirierte sein erstes Buch, ein Kochbuch, auf den Markt zu bringen. „Ich weiß noch genau: Die Umsätze für Kartoffelpuffer waren damals im Keller und der Auftrag klar: „Überlegt euch was!“, erzählt Efler. Heraus kamen nicht nur völlig neue Kartoffelpuffer-Variationen sondern auch Eflers Kochbuch „Kochen für Freunde – Essen mit Freunden“, das immer noch als Second-Hand-Ware im Internet verfügbar ist, wie Efler festgestellt hat.

Rückkehr lange beschlossen

Wann die Idee entstand, in die alte Heimat zurückzukehren? „Meine Frau und ich hatten beschlossen, wenn wir einmal in Rente sind, wieder nach Marktheidenfeld zurückzukehren. Leider ist sie vor ein paar Jahren gestorben und ich konnte das nur noch allein tun“, erzählt der Autor. Allerdings habe er seine Frau damals im Grab ihrer Eltern auf dem neuen Friedhof in Marktheidenfeld beerdigen lassen.

Zehn Jahre hat er insgesamt an seinem Buchprojekt gesessen. Wer „Aber lustig war es doch“ lesen möchte, kann dies tun – allerdings nur in digitaler Form, denn der Autor hat das Manuskript als E-Book beim Internethändler Amazon veröffentlicht. „Ich denke, das ist der Trend der Zukunft“, erklärt er.

Wem er die Lektüre empfiehlt? „Jungen Menschen ab 20 Jahren, die ihre Jugend in Franken verbracht haben und wissen wollen: Wie war das eigentlich damals bei den Großeltern?“, sagt Efler. Und allen, die Ähnliches erlebt haben oder die einfach nur neugierig sind.

Angekommen in Marktheidenfeld: Peter Efler steht als Jugendlicher im Garten des Hauses in der Kreuzbergstraße, in das er zusammen mit seiner Mutter einzog.
Nach 50 Jahren zurück: Mit Blick auf Rothenfels wohnt Peter Efler jetzt in Zimmern.

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